Kategorie: Geschichte

Wir haben was haben wir erreicht bisher?!

Zwei Jahre „grüne Macht“ in Dresden am Beispiel des Verkehrs aus der Sicht von Teichelmauke

der Text bei „In grünen Tönen“

Advertisements

Whistleblowing in the wind

„Ein Volksfeind“ von Henrik Ibsen, Regie Marco Štorman, Premiere am 29. April 2017, Staatsschauspiel Dresden

Recht großes Kino, eher kleines Theater – eine gültige Übertragung des Ibsen-Stoffes vom unbequemen Wissen in die Gegenwart steht noch aus.

http://www.kultura-extra.de/theater/spezial/premierenkritik_volksfeind_staatsschauspielDD.php

 

Und am Ende schuf Gott das Happy-End

„Hiob“ nach dem Roman von Joseph Roth in der Fassung von Koen Tachelet, Regie Nurkan Erpulat, Premiere am 18. Februar 2017 am Staatsschauspiel Dresden

Jahwe hat – wen wundert’s – jiddischen Humor. Ausgerechnet seinem treuesten Knecht Mendel Singer, der als Tora-Lehrer nun wirklich im Sinne des Herrn wirkt und sich auch sonst nichts zu Schulden kommen lässt im Glauben wie im Leben, gibt er in seinem Remake des Alten Testaments, das nunmehr im Galizien des beginnenden 20. Jahrhunderts und später in New York spielt, die Rolle des Hiob. Da kann man schon vom Glauben abfallen, wenn der eine Sohn zu den Kosaken geht, der andere rübermacht über den großen Teich, die Tochter eine Art Lily Marleen für Kosaken wird und dann das Nesthäkchen auch noch behindert ist, von der nörgligen Gemahlin ganz zu schweigen. Oder?

Wie es ausgeht, steht hier:

http://www.kultura-extra.de/theater/spezial/premierenkritik_hiob_staatsschauspielDD.php

 

Alternative Fakten zum gestrigen Abend

„Amphitryon“ von Heinrich von Kleist, Regie Wolfgang Engel, Premiere am 4. Februar 2017 am Staatsschauspiel Dresden

„Wer oder was bin ich?“, ganz ohne Robert Lembke, dafür deutlich existenzieller. Göttervater Jupiter fühlt sich von Alkmene, der schönen Gattin des Königs von Theben Amphitryon, in religiöser Hinsicht unzureichend wertgeschätzt und steigt herab sowie in des Königs Kleider und Körper, um dies auf sehr irdische Art zu kompensieren. Die Freude an der Bestrafung ist beiderseits, doch treten in der Folge einige psychologische Kollateralschäden auf, die wohl selbst Jupiter so nicht vorhersah. Dabei werden die Identitäts- und Sinnkrise erfunden und die Grundlagen für das heute florierende Handwerk des Psychotherapeuten sowie das Filmmaterial von Woody Allen geschaffen.

Das Ganze hier:

http://www.kultura-extra.de/theater/spezial/premierenkritik_amphitryon_staatsschauspielDD.php

 

Kriminelle Marokkaner sind in Deutschland Einzelfälle?

Die Sächsische Zeitung weiß es besser

Guten Tag Herr Oliver Reinhard,

Sie sind – so ist zu vermuten – ausgebildeter Journalist und als solcher bei der Sächsischen Zeitung gelegentlich auch für den Kommentar auf Seite 1 verantwortlich, sicher einer der wichtigeren Beiträge des Blattes. Gestern (am 10.12.16) war nun die Tatsache zu bewerten, daß „postfaktisch“ zum Wort des Jahres gekürt wurde. Da kann man sicher geteilter Meinung sein, auch wenn ich das Gegenargument „akademisch und volksmittenfern“ abwegig finde (es geht hier ja nicht um den Grand Prix der Volksmusik). Geschenkt, dazu ist ein Kommentar da, daß er Meinung vertritt.

Aber etwas anderes schlägt mir aufs Gemüt: Um den Lesern nahezubringen, um was es eigentlich geht, schreiben Sie anfangs Ihres Beitrages vier Sätze auf, die Sie dann im nächsten Absatz als „sämtlich falsch“ verdammen. Bei den ersten drei können wir uns sicher einigen, auch wenn die Welt sich nur selten in einem Satz erklären lässt. Nur der vierte besteht in der hier gewählten Überschrift, wenn auch ohne Fragezeichen.

Wenn dieser Satz, Herr Reinhard, falsch ist, wird vermutlich die Umkehrung richtig sein? „Kriminelle Marokkaner sind in Deutschland der Regelfall“, oder zugespitzt: „Der Marokkaner in Deutschland ist kriminell“.

Das haben Sie nicht so gemeint? „Gut geschrieben ist gut gedacht“ hat mal Kurt Tucholsky gesagt, hier gilt natürlich auch der Umkehrschluss.

Oder gehört das zur schon seit Monaten spürbaren Strategie der SZ, den Teil der Leserschaft, der sich auch mal montags im Stadtzentrum sehen lässt, wenn Vati wieder seinen Lebensfrust Gassi führen will, nicht zu verprellen? Dann wäre es mehr als nur ärgerlich, nämlich schäbig.

Die Pointe, Herr Reinhard, findet sich jedoch im gleichen Blatt, auf Seite 4, oberhalb des Impressums: „Geert Wilders wegen Diskriminierung von Marokkanern verurteilt“ heißt es da. Wenn der CvD das mit Absicht gemacht hat: Chapeau! Wenn nicht, wacht dann vielleicht doch ein guter Geist über der Ostra-Allee und verhindert manchmal das Schlimmste.

Die Formel des Hasses entschlüsseln

„Gott wartet an der Haltestelle“, von Maya Arad Yasur, Regie Pinar Karabulut, deutsche Erstaufführung am 9. Dezember 2016 am Staatsschauspiel Dresden

Nicht weniger als die Formel des Hasses, der seit vier Generationen zwischen Palästinensern und Israelis herrscht, mit ihrem Stück zu entschlüsseln, nahm sich die junge (israelische) Autorin Yasur laut dem im Netz nachlesbaren Interview vor. Eine veritable Vermessung des ganzen Elends hat sie auf jeden Fall abgeliefert. Ob hier eine Entschlüsselung überhaupt noch nötig ist, mag angesichts des alttestamentarischen „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ jeder*r selber entscheiden.

Für jeden Zuschauer, da bin ich bereit zu wetten, kommt irgendwann im Stück der Moment, wo man einfach nur noch rausrennen will, allein der Zeitpunkt dürfte von der emotionalen Grunddisposition und der Tagesform abhängen. Selbst wenn man halbwegs vorbereitet in den Abend geht, sind Stück und Spiel der fünf Akteur*innen derart niederdrückend, das man dem nicht entgehen kann. …

Der Rest hier:

http://www.kultura-extra.de/theater/spezial/premierenkritik_gottwartet_staatsschauspielDD.php

 

Hol den Vorschlaghammer!

„Romeo und Julia“ von Shakespeare in einer Fassung von Martin Heckmanns, Regie Miriam Tscholl, Premiere der Bürgerbühne des Staatsschauspiels Dresden am 1. Oktober 2016

Jetzt ausführlich hier:

http://www.kultura-extra.de/theater/spezial/premierenkritik_romeoundjulia_staatschauspielDD.php

Nicht, daß ein Vorschlaghammer was Schlechtes wäre. Manchmal geht es nicht ohne ihn, und gerade in Dresden, wo die die Drei-Tage-Jubel-Feier der dt. Einheitlichkeit umrahmenden Nestler-Steine ein unschönes Symbol für die hiesigen Denkstrukturen bilden, bräuchte man ihn öfter als anderswo.

Und natürlich kann man ein solches mit Pathos überladenes Drama wie jenes der beiden Königskinder, die aus familiären Gründen nicht zueinander kommen konnten, nicht ganz ohne selbiges in die heutig herrschende Coolness übertragen. Aber im Prinzip gelang das gut, auch wenn vieles dann doch mit dem bewusstseinsstarren Zeigefinger vorgeführt wurde.

Das Stück ist wertvoll, ohne Frage, es passt nach hier, es tut not, wird sein (junges) Publikum hoffentlich in Massen finden und „gut gemeint“ wäre eine sehr unzureichende Beschreibung. Daß der Berichterstatter theatral nicht auf seine Kosten kam? Geschenkt, an der Dramatik z.B. der doppelten Sterbeszene haben sich auch schon Profi-Schauspieler verhoben und die Kampfszenen wirkten (und waren) gut einstudiert.

Der Vorschlaghammer zum Schluss (mit dem „Wir sind Helden“ – Hit) lässt vermuten, daß man hinter der Bühne das Problem der Heroisierung und Denkmalsetzung durchaus erkannt hatte. Ein bißchen von der Frische und Spielfreude dieser Schlussszene mehr in den mitunter doch recht langen 80 Minuten vorher, und es hätte kaum etwas zu nörgeln gegeben.