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Kein „Uhhh!!“, nirgends.

„Othello“ von William Shakespeare, Regie Thorleifur Örn Arnarsson, Premiere am Staatsschauspiel Dresden am 29. Oktober 2016

Die Schlussszene versinkt im Bühnenboden. Zumindest dieses Bild ist trefflich gewählt.

Das kleine Island hat im Sommer nicht nur mit „Uhhh!!!“ auf sich aufmerksam gemacht. Ein klein wenig von dieser Kraft wär schön gewesen, und dann vielleicht auch in eine theatralere Richtung. Thorleifur Örn Arnarsson? Ein beeindruckender Name, aber merken muss man ihn sich wohl nicht.

http://www.kultura-extra.de/theater/spezial/premierenkritik_othello_staatsschauspielDD.php

 

Hol den Vorschlaghammer!

„Romeo und Julia“ von Shakespeare in einer Fassung von Martin Heckmanns, Regie Miriam Tscholl, Premiere der Bürgerbühne des Staatsschauspiels Dresden am 1. Oktober 2016

Jetzt ausführlich hier:

http://www.kultura-extra.de/theater/spezial/premierenkritik_romeoundjulia_staatschauspielDD.php

Nicht, daß ein Vorschlaghammer was Schlechtes wäre. Manchmal geht es nicht ohne ihn, und gerade in Dresden, wo die die Drei-Tage-Jubel-Feier der dt. Einheitlichkeit umrahmenden Nestler-Steine ein unschönes Symbol für die hiesigen Denkstrukturen bilden, bräuchte man ihn öfter als anderswo.

Und natürlich kann man ein solches mit Pathos überladenes Drama wie jenes der beiden Königskinder, die aus familiären Gründen nicht zueinander kommen konnten, nicht ganz ohne selbiges in die heutig herrschende Coolness übertragen. Aber im Prinzip gelang das gut, auch wenn vieles dann doch mit dem bewusstseinsstarren Zeigefinger vorgeführt wurde.

Das Stück ist wertvoll, ohne Frage, es passt nach hier, es tut not, wird sein (junges) Publikum hoffentlich in Massen finden und „gut gemeint“ wäre eine sehr unzureichende Beschreibung. Daß der Berichterstatter theatral nicht auf seine Kosten kam? Geschenkt, an der Dramatik z.B. der doppelten Sterbeszene haben sich auch schon Profi-Schauspieler verhoben und die Kampfszenen wirkten (und waren) gut einstudiert.

Der Vorschlaghammer zum Schluss (mit dem „Wir sind Helden“ – Hit) lässt vermuten, daß man hinter der Bühne das Problem der Heroisierung und Denkmalsetzung durchaus erkannt hatte. Ein bißchen von der Frische und Spielfreude dieser Schlussszene mehr in den mitunter doch recht langen 80 Minuten vorher, und es hätte kaum etwas zu nörgeln gegeben.

Noch eine Wende-Revue

„89/90“ nach dem Roman von Peter Richter, Regie Christina Rast, Uraufführung am Staatsschauspiel Dresden am 27. August 2016

Ich mag einem sehr geschätzten richtigen Kritiker, der einen Doppelbericht über die Dresdner und Leipziger Inszenierungen vorhat, nicht die Pointe verderben, deshalb hier meine Meinung nur unter dem Wahrnehmungsradar und in einem einzigen Satz:

Aus einem spannenden Buch wird nicht allein deshalb ein Theaterstück, weil man es auf die Bühne bringt, was im Prinzip auch nicht schlimm ist, solange es den Menschen gefällt, was ja hörbar der Fall war, zumal man mit den DÜSEn einen Local-Hero-Joker am Start hatte, sodaß eigentlich nichts schief gehen konnte, oder fast nichts, denn im ersten Teil wähnte man sich schlimmstenteils beim Schunkelcontest vom MDR, bestenteils allerdings auch in einem äußerst witzigen und temporeichen Wende-Musical mit geballter Ensemblekraft der acht Herren auf der Bühne (einschließlich der Musiker, die auch darstellerisch bella figura machten – nein, nicht wegen des freien Oberkörpers – ) und des einen Einsamen im Armee-Trainingsanzug im hintergründigen Ost-Idyll (eine schöne Idee, too much nur der überdimensionierte Honecker im Wohnzimmer) und im zweiten Teil in einer szenischen Lesung, was mir persönlich mehr zusagte, aber auch ein wenig längte, was der Begeisterung am Ende keinen Abbruch tat, zumindest nicht der der anderen, denn für mich blieb auch noch die überbordende Symbolik des Anfangs in Erinnerung, die albernen Politikerköpfe an Stangen und die holzschnittartigen Kurz-Charaktere des Lehrkörpers, wobei es insgesamt eben ein wenig zu viel von allem war, was sich dann auch in knapp drei Stunden nicht adäquat verspielen ließ (und gespielt wurde ja ohnehin selten, aus oben erwähnten Gründen).

Und mir sei ein zweiter Satz erlaubt: Natürlich wird das Stück reüssieren, das ist ja gar nicht die Frage, Turm reloaded mit verjüngtem Personal, aber vielleicht kommt das Ganze auch ein bißchen spät, um noch etwas Neues beizutragen zum Diskurse, was das nun eigentlich wirklich gewesen ist, die gern „friedliche Revolution“ genannten neun Monate des Umbruchs von der alten DDR hin zu den neuen Ländern.

Kein guter Mensch in Murnau

„Zur schönen Aussicht“ von Ödön von Horváth, Regie Susanne Lietzow, Premiere am Staatsschauspiel Dresden am 25. August 2016

Die drei Götter erscheinen hier als gefallenes Fräulein in Strassers verlottertem Hotel, wo die alte Dame von Stetten schon zu Besuch ist und die hier gestrandeten Knaben tanzen lässt. Am Ende erweisen sich weder der goldherzige Herr Direktor noch seine Komparsen als würdig, gerettet zu werden. Bei Brecht käme dann vielleicht die erlösende Lawine, bei Horváth fährt Christine einfach wieder ab. Das ist mit Sicherheit die größere Strafe für die Hinterbleibenden.

Nach der letzten leider unvollendeten Regiearbeit in Dresden (was man dem betreffenden Stück deutlich anmerkt) meldet sich Susanne Lietzow eindrucksvoll zurück. Die Inszenierung ist ein Augen- und Ohrenschmaus, verzichtet dankenswerterweise auf jede Zwangsaktualisierung (nein, das Wort Burka fällt nicht im Stück) und setzt Maßstäbe für diese ohnehin spannende Dresdner Saison. Bravo.

Im Ganzen:

http://www.kultura-extra.de/theater/spezial/premierenkritik_zurschoenenaussicht_staatsschauspielDD.php

 

Und wenn ein Tor fällt, bauen wir es wieder auf.

Der garantiert ahnungsfreie Liveblog zur Show heute abend. Dafür aber leidenschaftslos.

23.00:
So, Sportsfreunde, nun ist Schluss mit lustig. Welche haben gewonnen, andere hingegen verloren. Fast wie im richtigen Leben.
Wie beenden unsere große Konferenzschaltung und geben zurück in die angeschlossenen Funkhäuser und Eckkneipen.

22.59:
Herr Neuer lächelt auch, also wird der auch gewonnen haben.

22.58:
Also jeden Tag zu gucken wäre mir jetzt zu anstrengend. Zumal zwei Tore in anderthalb Stunden nicht gerade effizient sind. Im Handball geht man da ganz anders ran.

22.56:
Da sich Herr, äh, Schweinsteiger im Fernsehen fröhlich zeigt, vermute ich mal, daß der gewonnen hat.

22.54:
Ich höre grad, daß die Stimmenauszählung wohl noch andauert. So lang wollte ich aber nicht wachbleiben.

22.52:
Der Ball ist eingesammelt worden. Wir warten nun gespannt auf das Urteil der Jury.

22.51:
Offenbar doch keine Verlängerung.

22.50:
Aber wenn der Kommentator „Schweinie“ sagt, kann ich auch behaupten, daß der wie Effenberg aussieht.

22.49:
Zum Glück hab ich keine Witze gemacht über den Namen.

22.46:
Nein, ich mache keine Witze mehr über den Namen.

22.44:
Der „eigentliche Kapitän“, aha. Also auch hier Kompetenzstreitigkeiten in der Führungsebene.

22.42:
Wenn ich die Uhr links oben erkennen könnte, würde ich mal bekanntgeben, wieviel Zeit noch ist. Macht sich immer gut.
Schon blöd, so ohne Brille.

22.40:
Es ist nicht mehr viel zu spielen da, sagt der Kommentator. Immerhin haben die noch einen Ball.

22.37:
Grad nochmal die Bilder auf twitter geguckt: Ein Boateng im Tor zählt offenbar nicht als Treffer. Eigentlich ist das ungerecht.

22.36:
Der Kommentator droht, daß nachher der Beckmann käme. Aber nicht ins „Blue Note“, bitte.

22.34:
Herr Draxler hat Feierabend, freut sich aber nur nach innen.

22.33:
Ganz lang mach ich mich nachher auch.

22.32:
Ein echter Müller-Thurgau, ganz trocken. Bedienung?

22.31:
Herr Götze ist doch dabei und macht es richtig. Es geht also offenbar doch nicht um Tore.

22.29:
Gibt es eigentlich nachher ein Tele-Voting, wer gewonnen hat? Oder wird das ausdiskutiert im Plenum?

22.28:
Guter Ball, böser Ball. Das Spiel kenne ich sonst aus dem Krimi.

22.26:
Man merkt es sicherlich: Ich langweile mich ein bißchen.

22.24:
Mit einer Fläche von 603.700 Quadratkilometern ist die Ukraine der größte Staat, dessen Grenzen vollständig in Europa liegen. Das nutzt aber offensichtlich nicht viel, denn mit 43 Mio. Einwohnern gibt es nur halb so viele potentielle Fußballgöttinnen wie in Deutschland. Also alles ganz logisch zu erklären.

22.21:
Entschuldigung, aber wie soll man denn jetzt schon was zu Ende spielen, wenn es noch 25 min sind? Rätselhaft.

22.19:
Auch, das nichts passiert ist inzwischen.

22.18:
Ich bin sehr erleichtert.

22.15:
Das Spielzeitregime und meine Erleichterungsbedürfnisse passen so gar nicht zusammen. In der Pause musste ich natürlich nicht aufs Klo. Aber jetzt.
Hoffentlich passiert jetzt nichts.

22.10:
Rein klamottentechnisch sehe ich die Ukrainiens im Vorteil (das sind die Gelben). Zwar etwas gewagt, aber auffällig. Die Deutschen (das sind die anderen) sehen im Vergleich eher aus wie Kellner.
Wobei ich nichts gegen Kellner habe.
Mit wieviel Prozent geht denn das in das Ergebnis ein?

22.07:
Der Kommentator bringt zunehmend die Sportarten durcheinander. Jetzt wird auch noch Gas gegeben, wie beim unterhaltsamen Auto-im-Kreis-fahren.

22.06:
Ein Pferd namens Hector hat ausgekeilt? Polo, oder was?

22.04:
Daß die jetzt andersherum spielen, finde ich ganz schön verwirrend. Das ist nicht zuschauerfreundlich.

22.03:
Im vorigen Text war übrigens ein Spaß versteckt. Wer ihn findet, darf ihn behalten.

22.01:
Zurück vom Pausentee, wie wir Reporter sagen. Mal sehen, ob meine Kondition bis zum Ende reicht. Hoffentlich gibt es nicht noch Verlängerung!

21.59:
Die können das Tor noch so oft zeigen, wie sie wollen, es zählt nur einmal. Glaub ich.

21.51
Wenn man zwischendurch die Nachrichtenbilder sieht, merkt man, wie irrelevant im Vergleich dazu der Fußballzirkus ist.

21.47:
Also doch Pause. Vermutlich weil die letzte Minute kaputt war. Der Reporter meint, „angebrochen“. Keine Ahnung, bin kein Chirurg.

21.45:
Der Bartender meines Vertrauens hat auch gerade eine Großtat vollbracht. Mit unglaublicher Schnelligkeit und Präzision hat er mir ein Bier eingelassen. Weltklasse!

21.40:
Und die Pause ist offenbar auch gestrichen.

21.38:
Wie jetzt, Abseits? Was ist das denn?

21.36
So, kann weitergehen.
Ein Herr Götze wird vermisst. Sicher ist der auch aufm Klo.

21.33:
Können wir mal kurz anhalten? Ich muss aufs Klo.

21.30:
Ich finde es unfair dem normalen Werktätigen gegenüber, es als „große Tat“ zu bezeichnen, wenn ein Fußballspieler seinen Job macht.

21.27:
Blöderweise spielen die doch ziemlich oft rechts oben im Fernseher. Da entgeht mir offenbar einiges.

21.22:
Ich fürchte, ab jetzt wird es eher langweilig.

21.19:
Falls die Weißen die Deutschen sind, führen die jetzt. Wenn nicht, dann die anderen.

21.17:
Lustig, was ein Reporter so alles daherredet. „Strategie im Auge behalten“, ah ja.

21.15:
Freude bereiten, das find ich gut. Endlich mal jemand, der das Gespiele nicht zur Staatsaktion erklärt.

21.14:
Sieh an, der Höwedes bloggt auch. Kann mal jemand den Link schicken?

21.11:
Noch keine Tore, das ist mir auch aufgefallen. So richtig fetzt das nicht. Im Theater passiert deutlich mehr.

21.09:
Räume schaffen ohne Waffen!

21.06:
Gelb gegen weiß ist blöd, wenn man die Brille vergessen hat. Wenigstens ist der Rasen grün.

21.05:
Wo ist denn das Welt-Tor, das der Neuer hütet?

21.04:
Der „erste Abschluss“, soso. Wir sind also im Versicherungswesen.

21.02:
Ein Aufzieh-Spiel also. Wieder was gelernt.

21.01:
Ich dachte, die Einteilung rechts und links wäre überholt?

21.00:
Also Löw ohne Anzug, das geht gar nicht.

20.57:
Nachdem ich das bis vor kurzem immer im Theater grölen musste, könnt ich sogar mitsingen. Mach ich aber nicht.

20.55:
Herzschmerzen bekämpft man am besten mit Singen.

20.52:
Vielleicht noch ein praktischer Hinweis: Wenn man so helle Hemdchen anhat, sieht man darauf jeden Dreckfleck. Ich meine, falls man sich schmutzig macht. Man macht sich doch schmutzig beim Sport?

20.50:
Es scheint kalt zu sein in Frankreich, viele dort haben Schals um. Schön sind die aber nicht. Beide.

20.47:
Im Fernsehen fallen dauernd Tore. Ich kann aber nicht erkennen für wen. Bleibt dran, ich klär das!

20.43:
Es ist nicht ausverkauft hier. Ich würde es eher als übersichtlich bezeichnen. Viel Raum zum Spielen.
Und Fernsehen ist ohne Ton erst schön.

20.39:
Damit Ihr Euch das Scrollen erspart, schreib ich von unten nach oben. Clever, wa?

20.33:
Von meinem Reporterplatz im beliebten Jazz-Imbiss unweit des Thalia kann ich bequem den ganzen Tresen überblicken. Und sogar Dreiviertel des oberhalb befestigten Bildschirms. Aber in der rechten oberen Ecke passiert eh nix.

 

Die beleidigte Eierschecke

Ein Kollege aus der Hauptstadt hatte mich auf einen Text im Blog von Maximilian Krah aufmerksam gemacht(https://maximiliankrah.wordpress.com/2016/03/12/wer-ist-hier-rechts/ ) und um meine Meinung „als Dresdner“ dazu gebeten. Da war ich dann doch gespannt, zumal ich vom Autor immer nur gehört, aber noch nie etwas gelesen hatte.

Aber schade, ich hatte mir dann doch deutlich mehr davon versprochen, da wird vieles wiederholt, was anderswo auch schon so oder ähnlich zu lesen war, davon aber auch nicht wahrer wird. Deswegen lohnt sich auch eine umfassende Textkritik nicht, zumal vieles Notwendige dazu schon in den kritischen Kommentaren darunter gesagt wird.

Der Mittelpunkt von Krahs Welt ist ganz eindeutig Dresden, das umgebende Europa ist noch als Absatzmarkt und Touristenquelle willkommen, aber alle anderen sollen sich gefälligst in ihren Ländern totbomben lassen bzw. ordnungsgemäß verhungern. Und wir dachten früher immer, die Wessies wären egoistisch … So etwas wie Empathie oder Humanismus kommt in den angeblichen Werten seines städtischen Bürgertums nicht vor. Zum Glück gibt es dann aber doch ein paar mehr Dresdner, die tatsächlich aus „Werten, Überzeugungen und Prinzipien … aus Bildung, Kultur und Tradition“ ihre Identität beziehen, als die dünne Schicht Hochgebildeter, die dem montäglichen Haufen frustrierter alter Männer und erlebnisorientierter Hooligans vom Lande ein intellektuelles Mäntelchen geben will.

Sein Verweis auf die Unterschiede Ost-West, die besonders in Dresden zu Tage träten, wirkt trotzig-weinerlich, da fühlt sich einer wohl nicht ernst genommen vom Rest der Welt (mit vollem Recht übrigens) und schlägt nun beleidigt um sich. Die Beschimpfung der westdeutschen Gesellschaft und deren „Funktionseliten“ ist schon peinlich genug, übertroffen wird sie aber noch durch die Lobpreisung der Tiefe und Breite des Diskurses in Dresden. Und was er über die „Zeit nach Schröder“ schreibt, ist so unendlich weit von der Realität entfernt, daß man ihm seinen „Dr.“ aberkennen müsste, wenn es nicht nur einer in Jura wäre. Immerhin, „die Kommunisten“ der DDR haben bei Herrn Krah ein positives Bild der deutschen Kulturgeschichte erzeugt, wie schön. Da wächst etwas postum zusammen, was in seinem ostdeutschen Mief tatsächlich zusammengehört.

Krah hat bei weitem nicht die rhetorischen Fähigkeiten von Kubitschek oder Elsässer, die ihre rechtsnationalen Thesen wenigstens noch halbwegs nachvollziehbar herleiten können. Mit seinem „Mirsinmir“-Dresden-Dünkel lässt sich das nicht annähernd wettmachen. Eine besondere Beachtung seiner Hervorbringungen lohnt sich für mich also fürderhin nicht. Er wird uns ohnehin wieder über den Weg laufen, auf irgendeiner AfD-Liste vermutlich, wo sich die schrägen Vögel und verkrachten politischen Existenzen derzeit auf der Jagd nach Mandaten und Posten sammeln. Aber bis dahin verschwende ich keine Zeit mehr auf ihn.

Ach so, die Eingangsfrage … „ich als Dresdner“ … : Mir ist dieses Pamphlet äußerst peinlich, auch wenn ich mit dem Verfasser nur den Wohnort gemein habe. Der Ruf von Dresden ist zwar ohnehin im Eimer, aber das jemand (der immerhin im Kreisvorstand der in Dresden stärksten Partei sitzt) dies wortreich bejubelt, hätte nicht auch noch sein müssen. Es geht eben immer noch ein bisschen schlimmer in unser äußerlich recht schönen Stadt.

Kapitulation, aus persönlichen Gründen

„Unterwerfung“ nach dem Roman von Michel Houellebecq, für die Bühne eingerichtet von Janine Ortiz, Regie Malte C. Lachmann, Premiere am Staatsschauspiel Dresden am 5. März 2016

Am Ende, auf der Treppe nach unten, fragte mich die Fernsehreporterin, ob ich mir das Szenario auch real vorstellen könne und ob das Stück in Dresden aufzuführen wohl etwas Besonderes sei. Nein, muss ich gestammelt haben, und nochmal nein, man solle die Situation in Dresden nicht auf die Montage reduzieren. Daß diese „Bewegung“ intellektuell auf einer gänzlich anderen Ebene spiele, konnte ich leider nicht mehr anbringen, das wäre zur Erläuterung aber doch notwendig gewesen. Die literarische und theatrale Auseinandersetzung mit einer möglichen Ausbreitung der islamischen Religion hat mit den Montagspöbeleien soviel zu tun wie … ach, was weiß ich. Jedenfalls nicht viel.

 

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