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Brot und Winterspiele

OK. Verlängerung.

Auch bei den Schneekanonen bin ich für weltweite Abrüstung. Wenn kein Winter ist, kann man halt auch nicht Ski fahren, basta. Selbst wenn es im Businessplan der FIS anders steht, plädiere ich für das Primat der Natur.

Die putzige These, „wir“ (wersollndassein?) könnten den bleibenden Eindruck, den ein paar verkorkste Opas und die eventorientierten Freizeitschläger mit ihren Gassigängen hinterlassen, mit der Veranstaltung eines beliebigen Sportereignisses kompensieren, würde ich eher den Tantchen vom Stadtmarketing zuordnen, aber nicht ernst nehmen.

Aber zurück ins Stadion, Sportsfreunde. …

Und ja, ich bekenne mich dazu, den Berufssport im Allgemeinen als unnütz und frei von jeglicher Wertschöpfung zu betrachten (der Begriff „Leistungssport“ ist in diesem Zusammenhang Unfug, weil Sport immer mit Leistung zu tun hat, vermutlich noch mehr, wenn man kein Geld dafür bekommt). Für die Kultur (von Thielemann bis zur Street Art) gilt dies ausdrücklich nicht, die soll den Menschen ja bilden und bessern, der Berufssport die Massen hingegen bestenfalls ruhig stellen. Das war schon im alten Rom so, auch wenn der Berufssport inzwischen ein paar humanitäre Fortschritte gemacht hat. Andererseits müssen wir heute die früher vom Tiger Gefressenen als Experten im Fernsehen ertragen … wer jemals das Dacia-Grinsen vom Scholl gesehen hat, wird mich verstehen.

Der Ursprung:
Ach, Sportsfreunde …

„Höher-schneller-sinnfreier“ am Dresdner Elbufer?

Natürlich darf man sich Gedanken machen, wie man das ramponierte Image von Dresden wieder aufpoliert. Natürlich darf man auch auf die Idee kommen, dies mit dem Herbeilocken von kommerziellen Sportveranstaltungen zu tun … Die Gedanken sind frei.
Aber genauso darf man auch fragen, ob dies wirklich eine glückliche Idee ist.

Die Fortsetzung also hier, ganz unten in den Kommentaren:

http://in-gruenen-toenen.de/2017/02/10/ach-sportsfreunde/

 

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Gewogen und Befunden

„360 Gramm Dresden“, eine neue Zeitschrift aus Dresden auf der Waage

Mut hamseja, die jungen Leute … Allseits wird der Niedergang der Print-Medien beklagt und vorauseilend vollzogen, da gründen die eine Zeitschrift. Auf Papier, oder Totholz, wie der Digital-Schnösel sagt.

Trotzdem: Ein gelungenes Experiment, dem ein langer Atem zu wünschen ist. Das zweite (bzw. nächste) Heft ist immer das Schwerste, aber es lohnt den Versuch. Nicht nur, weil es sich so bezaubernd anfasst.

Der ganze Text hier:

http://www.kultura-extra.de/literatur/spezial/kurzportrait_360gramm.php

 

Hol den Vorschlaghammer!

„Romeo und Julia“ von Shakespeare in einer Fassung von Martin Heckmanns, Regie Miriam Tscholl, Premiere der Bürgerbühne des Staatsschauspiels Dresden am 1. Oktober 2016

Jetzt ausführlich hier:

http://www.kultura-extra.de/theater/spezial/premierenkritik_romeoundjulia_staatschauspielDD.php

Nicht, daß ein Vorschlaghammer was Schlechtes wäre. Manchmal geht es nicht ohne ihn, und gerade in Dresden, wo die die Drei-Tage-Jubel-Feier der dt. Einheitlichkeit umrahmenden Nestler-Steine ein unschönes Symbol für die hiesigen Denkstrukturen bilden, bräuchte man ihn öfter als anderswo.

Und natürlich kann man ein solches mit Pathos überladenes Drama wie jenes der beiden Königskinder, die aus familiären Gründen nicht zueinander kommen konnten, nicht ganz ohne selbiges in die heutig herrschende Coolness übertragen. Aber im Prinzip gelang das gut, auch wenn vieles dann doch mit dem bewusstseinsstarren Zeigefinger vorgeführt wurde.

Das Stück ist wertvoll, ohne Frage, es passt nach hier, es tut not, wird sein (junges) Publikum hoffentlich in Massen finden und „gut gemeint“ wäre eine sehr unzureichende Beschreibung. Daß der Berichterstatter theatral nicht auf seine Kosten kam? Geschenkt, an der Dramatik z.B. der doppelten Sterbeszene haben sich auch schon Profi-Schauspieler verhoben und die Kampfszenen wirkten (und waren) gut einstudiert.

Der Vorschlaghammer zum Schluss (mit dem „Wir sind Helden“ – Hit) lässt vermuten, daß man hinter der Bühne das Problem der Heroisierung und Denkmalsetzung durchaus erkannt hatte. Ein bißchen von der Frische und Spielfreude dieser Schlussszene mehr in den mitunter doch recht langen 80 Minuten vorher, und es hätte kaum etwas zu nörgeln gegeben.

Noch eine Wende-Revue

„89/90“ nach dem Roman von Peter Richter, Regie Christina Rast, Uraufführung am Staatsschauspiel Dresden am 27. August 2016

Ich mag einem sehr geschätzten richtigen Kritiker, der einen Doppelbericht über die Dresdner und Leipziger Inszenierungen vorhat, nicht die Pointe verderben, deshalb hier meine Meinung nur unter dem Wahrnehmungsradar und in einem einzigen Satz:

Aus einem spannenden Buch wird nicht allein deshalb ein Theaterstück, weil man es auf die Bühne bringt, was im Prinzip auch nicht schlimm ist, solange es den Menschen gefällt, was ja hörbar der Fall war, zumal man mit den DÜSEn einen Local-Hero-Joker am Start hatte, sodaß eigentlich nichts schief gehen konnte, oder fast nichts, denn im ersten Teil wähnte man sich schlimmstenteils beim Schunkelcontest vom MDR, bestenteils allerdings auch in einem äußerst witzigen und temporeichen Wende-Musical mit geballter Ensemblekraft der acht Herren auf der Bühne (einschließlich der Musiker, die auch darstellerisch bella figura machten – nein, nicht wegen des freien Oberkörpers – ) und des einen Einsamen im Armee-Trainingsanzug im hintergründigen Ost-Idyll (eine schöne Idee, too much nur der überdimensionierte Honecker im Wohnzimmer) und im zweiten Teil in einer szenischen Lesung, was mir persönlich mehr zusagte, aber auch ein wenig längte, was der Begeisterung am Ende keinen Abbruch tat, zumindest nicht der der anderen, denn für mich blieb auch noch die überbordende Symbolik des Anfangs in Erinnerung, die albernen Politikerköpfe an Stangen und die holzschnittartigen Kurz-Charaktere des Lehrkörpers, wobei es insgesamt eben ein wenig zu viel von allem war, was sich dann auch in knapp drei Stunden nicht adäquat verspielen ließ (und gespielt wurde ja ohnehin selten, aus oben erwähnten Gründen).

Und mir sei ein zweiter Satz erlaubt: Natürlich wird das Stück reüssieren, das ist ja gar nicht die Frage, Turm reloaded mit verjüngtem Personal, aber vielleicht kommt das Ganze auch ein bißchen spät, um noch etwas Neues beizutragen zum Diskurse, was das nun eigentlich wirklich gewesen ist, die gern „friedliche Revolution“ genannten neun Monate des Umbruchs von der alten DDR hin zu den neuen Ländern.

Kein guter Mensch in Murnau

„Zur schönen Aussicht“ von Ödön von Horváth, Regie Susanne Lietzow, Premiere am Staatsschauspiel Dresden am 25. August 2016

Die drei Götter erscheinen hier als gefallenes Fräulein in Strassers verlottertem Hotel, wo die alte Dame von Stetten schon zu Besuch ist und die hier gestrandeten Knaben tanzen lässt. Am Ende erweisen sich weder der goldherzige Herr Direktor noch seine Komparsen als würdig, gerettet zu werden. Bei Brecht käme dann vielleicht die erlösende Lawine, bei Horváth fährt Christine einfach wieder ab. Das ist mit Sicherheit die größere Strafe für die Hinterbleibenden.

Nach der letzten leider unvollendeten Regiearbeit in Dresden (was man dem betreffenden Stück deutlich anmerkt) meldet sich Susanne Lietzow eindrucksvoll zurück. Die Inszenierung ist ein Augen- und Ohrenschmaus, verzichtet dankenswerterweise auf jede Zwangsaktualisierung (nein, das Wort Burka fällt nicht im Stück) und setzt Maßstäbe für diese ohnehin spannende Dresdner Saison. Bravo.

Im Ganzen:

http://www.kultura-extra.de/theater/spezial/premierenkritik_zurschoenenaussicht_staatsschauspielDD.php

 

Die beleidigte Eierschecke

Ein Kollege aus der Hauptstadt hatte mich auf einen Text im Blog von Maximilian Krah aufmerksam gemacht(https://maximiliankrah.wordpress.com/2016/03/12/wer-ist-hier-rechts/ ) und um meine Meinung „als Dresdner“ dazu gebeten. Da war ich dann doch gespannt, zumal ich vom Autor immer nur gehört, aber noch nie etwas gelesen hatte.

Aber schade, ich hatte mir dann doch deutlich mehr davon versprochen, da wird vieles wiederholt, was anderswo auch schon so oder ähnlich zu lesen war, davon aber auch nicht wahrer wird. Deswegen lohnt sich auch eine umfassende Textkritik nicht, zumal vieles Notwendige dazu schon in den kritischen Kommentaren darunter gesagt wird.

Der Mittelpunkt von Krahs Welt ist ganz eindeutig Dresden, das umgebende Europa ist noch als Absatzmarkt und Touristenquelle willkommen, aber alle anderen sollen sich gefälligst in ihren Ländern totbomben lassen bzw. ordnungsgemäß verhungern. Und wir dachten früher immer, die Wessies wären egoistisch … So etwas wie Empathie oder Humanismus kommt in den angeblichen Werten seines städtischen Bürgertums nicht vor. Zum Glück gibt es dann aber doch ein paar mehr Dresdner, die tatsächlich aus „Werten, Überzeugungen und Prinzipien … aus Bildung, Kultur und Tradition“ ihre Identität beziehen, als die dünne Schicht Hochgebildeter, die dem montäglichen Haufen frustrierter alter Männer und erlebnisorientierter Hooligans vom Lande ein intellektuelles Mäntelchen geben will.

Sein Verweis auf die Unterschiede Ost-West, die besonders in Dresden zu Tage träten, wirkt trotzig-weinerlich, da fühlt sich einer wohl nicht ernst genommen vom Rest der Welt (mit vollem Recht übrigens) und schlägt nun beleidigt um sich. Die Beschimpfung der westdeutschen Gesellschaft und deren „Funktionseliten“ ist schon peinlich genug, übertroffen wird sie aber noch durch die Lobpreisung der Tiefe und Breite des Diskurses in Dresden. Und was er über die „Zeit nach Schröder“ schreibt, ist so unendlich weit von der Realität entfernt, daß man ihm seinen „Dr.“ aberkennen müsste, wenn es nicht nur einer in Jura wäre. Immerhin, „die Kommunisten“ der DDR haben bei Herrn Krah ein positives Bild der deutschen Kulturgeschichte erzeugt, wie schön. Da wächst etwas postum zusammen, was in seinem ostdeutschen Mief tatsächlich zusammengehört.

Krah hat bei weitem nicht die rhetorischen Fähigkeiten von Kubitschek oder Elsässer, die ihre rechtsnationalen Thesen wenigstens noch halbwegs nachvollziehbar herleiten können. Mit seinem „Mirsinmir“-Dresden-Dünkel lässt sich das nicht annähernd wettmachen. Eine besondere Beachtung seiner Hervorbringungen lohnt sich für mich also fürderhin nicht. Er wird uns ohnehin wieder über den Weg laufen, auf irgendeiner AfD-Liste vermutlich, wo sich die schrägen Vögel und verkrachten politischen Existenzen derzeit auf der Jagd nach Mandaten und Posten sammeln. Aber bis dahin verschwende ich keine Zeit mehr auf ihn.

Ach so, die Eingangsfrage … „ich als Dresdner“ … : Mir ist dieses Pamphlet äußerst peinlich, auch wenn ich mit dem Verfasser nur den Wohnort gemein habe. Der Ruf von Dresden ist zwar ohnehin im Eimer, aber das jemand (der immerhin im Kreisvorstand der in Dresden stärksten Partei sitzt) dies wortreich bejubelt, hätte nicht auch noch sein müssen. Es geht eben immer noch ein bisschen schlimmer in unser äußerlich recht schönen Stadt.

Kapitulation, aus persönlichen Gründen

„Unterwerfung“ nach dem Roman von Michel Houellebecq, für die Bühne eingerichtet von Janine Ortiz, Regie Malte C. Lachmann, Premiere am Staatsschauspiel Dresden am 5. März 2016

Am Ende, auf der Treppe nach unten, fragte mich die Fernsehreporterin, ob ich mir das Szenario auch real vorstellen könne und ob das Stück in Dresden aufzuführen wohl etwas Besonderes sei. Nein, muss ich gestammelt haben, und nochmal nein, man solle die Situation in Dresden nicht auf die Montage reduzieren. Daß diese „Bewegung“ intellektuell auf einer gänzlich anderen Ebene spiele, konnte ich leider nicht mehr anbringen, das wäre zur Erläuterung aber doch notwendig gewesen. Die literarische und theatrale Auseinandersetzung mit einer möglichen Ausbreitung der islamischen Religion hat mit den Montagspöbeleien soviel zu tun wie … ach, was weiß ich. Jedenfalls nicht viel.

 

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