Getagged: höherer Blödsinn

Programmhinweis: Mi., 21.08.13, 22.30 Uhr Teichelmaukes Hamsterradio

Für alle, die nicht lesen können (also bitte weitersagen)

http://coloradio.org/site/

oder auch 98,4 & 99,3 MHz, wenn man im gelobten Land wohnt.

Der Arbeitstitel dieser ersten Blamage lautet

Teichelmauke trifft Canaletto trifft Wagner

Es kann noch besser werden, muss aber nicht.

Man hört sich, vielleicht.

Protokoll der monatlichen Abstimmungsberatung „Koordinierung Waldschlösschenbrücke“ (monAB KoWSB) Nr. 107

Dresden, 15. Aug. 2013, ratloses Haus am Dr.-Külz-Ring, Festkeller, 10.45 Uhr

0. Teilnehmer:

Damen Orosz, Bunge (beide LHD)
Herren Morlok (SMWAV), Mücke (BMVBS), Marx, Sittel, Vorjohann, Hilbert, Lehmann, Lunau (alle LHD), Präside (LD SN), Koch (KathKi), Reißer (MDR), Grüß-Onkel (DB AG), Pfenninger (LRH), Koettnitz sen. (STA), Koettnitz jun. (ARGE), Fußblei (ADAC/AUDI AG),
Vertreter der Vertreter von BuPo, LaPo, BfV, LfV, LaSuV, Feuerwehr, DRK, weitere siehe Mailverteiler

Entschuldigt: Herr Ramsauer (BMBV) wegen der feierlichen Eröffnung einer weiteren Nasszelle auf der Autobahnraststätte Hämelerwald Nord
Unentschuldigt: Herr Tillich (MP SN)

OB Orosz begrüßt die Anwesenden und bittet um Aufnahme des Hinweises ins Protokoll, dass Herr Tillich (MP SN) nunmehr zum zehnten Male unentschuldigt fehlen würde. Sie gratuliert im Namen der LHD herzlich und bietet an, bei Bedarf die Aufgaben des Ministerpräsidenten zu übernehmen, „so die Männer alle keine Lust mehr haben“.
(Geraune im Saal)

1. Protokollkontrolle:

Dem Protokoll der 106. monAB KoWSB wird mit folgenden Einschränkungen und Hinweisen zugestimmt:
Frau Bunge (SM) bittet darum, ihre missverständliche Organisationsbezeichnung in „LHD“ zu ändern. Ihrem Gatten wäre das sonst nicht recht (im Protokoll bereits so enthalten).
Herr Pfenninger (LRH) weist auf die weiter offenen Punkte aus den monAB KoWSB Nr. 45, 46, 53, 55, 66 bis 89 sowie 94 bis 105 bezüglich der Begleichung der Brötchenrechnungen hin und bittet erneut um Klärung. OB Orosz zieht diesen TOP vor und hinterfragt kritisch die Bereitschaft einiger Beteiligter zur Förderung des Projektes. Die Diskussion verläuft ergebnislos, die TOP bleiben weiter offen.
Herr Grüss-Onkel (DB AG) bittet um Erläuterung der Abkürzung „LRH“. Herr Vorjohann schlägt „Landesrechnungshof“ vor. Einstimmig angenommen.

2. Allgemeines

Herr Horch (LfV) berichtet von Stimmen aus der Bevölkerung, die einen Zusammenhang mit dem Termin des hl. Festes der Brückeneröffnung mit einer sogenannten „Bundestagswahl“ kritisch thematisieren. Herr Guck (BfV) verweist auf die bisher sehr zuverlässige Arbeit der IMS -Medien „Los Niveau“, „Kulturpudel“ und „Busenblank“ und wird dort intervenieren. Herr Grüß-Onkel (DB AG) bittet um Erläuterung der verwendeten Abkürzungen und verweist auf das laufende Programm zur Eliminierung unverständlicher Fremd- und Kunstwörter seines Konzern, zieht nach dem Stichwort „Verfassungsschutz“ die Frage aber zurück.
OB Orosz zeigt sich empört über diese perfide und völlig unangebrachte Kampagne der Linksgrünroten, schlägt aber als Kompromiss vor, diese „Bundestagswahl“ nach 2014 zu verschieben. Herr Mücke (BMVBS) nimmt mit und prüft.

OB Orosz stellt nochmals die Frage nach der Brötchenrechnung.
Man tritt in eine Pause ein, um besagte Brötchen zu essen.

3. Stand der Planung

Herr Koettnitz sen. (STA) berichtet, dass inzwischen fast alle Baugenehmigungen und sogar die Statiken von Brücke und Tunneln im Entwurf vorliegen. Bei engagiertem Einsatz aller Beteiligten und zielorientierter Arbeit der Behörden könne man nunmehr von einer fachtechnischen Freigabe der Baupläne im III. Quartal 2014 ausgehen. Eine ernsthafte Schwierigkeit stelle zudem die Beschaffung der für die Ehrengäste vorgesehenen Sänfte dar, da eine EU-weite Ausschreibung nunmal ihre Zeit brauche.
OB Orosz bittet Herrn Koettnitz, nach vorne zu diskutieren und nicht immer nur die Probleme in den Vordergrund zu stellen.

4. Stand der Bauabwicklung

Herr Koettnitz jun. als Vertreter der ARGE berichtet, dass Brücke und Tunnel wie bereits in der 93. monAB KoWSB berichtet „im Prinzip fertig wären“, es jedoch noch kleinere Probleme im Bereich der Nachtragsprüfung durch die LHD gäbe. OB Orosz sagt eine kurzfristige Lösung zu (vgl. auch Protokoll zur 94. monAB KoWSB).
Sie regt nunmehr an, im Zuge der weiterhin vertrauensvollen Zusammenarbeit doch umgehend eine Abschlagsrechnung über 95% der eingereichten und noch offenen Nachtragssumme zu legen. Die Herren Marx, Vorjohann (beide LHD) und Koettnitz sen. (STA) müssen in diesem Moment wegen anderer dringender Termine die Beratung leider verlassen.
Herr Grüß-Onkel (DB AG) hinterfragt kritisch die seines Erachtens unverschämte Haltung der ARGE, für erbrachte Leistungen zum Wohle der Gemeinschaft auch noch Geld haben zu wollen. OB Orosz als Besprechungsleiterin lässt eine Diskussion zu diesem Thema nicht zu.

6. Vorbereitung der Inbetriebnahme

Herr Wacht-Meister (LaPo) informiert, dass alle Verkehrsleiteinrichtungen vollständig installiert und geprüft wären, nur bei den fest eingebauten Einrichtungen zur Geschwindigkeitsüberwachung gäbe es noch Probleme mit der Programmierung, die aber sicher bis Jahresende behoben sein dürften. OB Orosz dankt in herzlichen Worten und stellt die LaPo als positives Beispiel für eine konstruktive Mitarbeit heraus.

Frau Bunge (LHD) berichtet von den im Plan liegenden Vorbereitungen für das Brückenfest zur Eröffnung.
Ein besonderer Höhepunkt stehe mit dem Absingen der „Ode an die Freude“ durch die Mehrheit des Dresdner Stadtrates – begleitet von der Minderheit der Dresdner Philharmonie – am Sonntag nachmittag bevor. Mit der Musikgruppe KARAT werde noch über das Verspielen des Peter-Maffay-Schlagers „Über diese Brücke musst du fahren“ verhandelt, jene sei aber derzeit telefonisch nicht erreichbar.
Im Bereich der Gastronomie sei es gelungen, den örtlichen Hersteller eines bekannten Fernsehbieres zu gewinnen, der seine Überproduktion dem Fest kostenlos zur Verfügung stellen werde. Mit einem Herrn Hoeneß (FCB) stehe man zudem kurz vor Vertragsabschluss, um 530.000 Bratwürste mit den Konterfeis der Protagonisten des Brückenbaus kostenlos zu verteilen. OB Orosz lässt sich die Liste der vorgesehenen Köpfe zeigen und bittet darum, einen Herrn Roßberg durch OB Orosz zu ersetzen. Frau Bunge salutiert.
Der Antrag von Herrn Grüß-Onkel (DB AG), auch Herrn Dr. Grube abzubilden, findet keine Mehrheit.
Herr Mücke (BMVBS) lässt sich bestätigen, dass er auch auf der Bratwurst sei.

Herr Horch und Herr Guck (LfV bzw. BfV) berichten übereinstimmend, dass potentielle Störer des Festes wie „Pfarrer“ König, „Nobelpreisträger“ Blobel, „Fraktionschef“ Schollbach und „Gundi“ Gundermann seit Monaten überwacht würden. Im Ernstfall wären vorsorgliche Platzverweise vorbereitet.

Herr Pfeffersprey (BuPo) erwähnt die an besagtem Wochenende zufällig stattfindende gemeinsame Übung von ca. 2.000 deutschen, türkischen und ägyptischen Sicherheitskräften im benachbarten Langebrück und bietet an, bei Bedarf das Thema der Übung geringfügig anzupassen. OB Orosz dankt und nimmt an.

Herr Sittel (LHD) weist auf die kürzlich aus dem Bestand der Bundeshauptstadt Berlin übernommenen etwa 1.000 Fahnenstangen hin, die Freiwilligen aus der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden könnten, falls diese ihr verfassungsmäßig verankertes Recht auf demokratische Meinungsbildung und politische Auseinandersetzung mit „dem Gesindel“ nutzen wollen. Er bittet jedoch angesichts der Erfahrungen aus dem Schah-Besuch in West-Berlin darum, die Stangen unbedingt gereinigt zurückzugeben.

Monsignore Koch (KathKi) kündigt an, dass Franziskus vsl. am Sonntag gegen 16.23 Uhr auf der Elbe (stromab der Brücke) landen werde. Besondere Vorkehrungen seien seinerseits nicht erwünscht, da jener ein Mann des Volkes sei und ohnehin über Wasser gehen könne.

Herr Reißer (MDR) weist auf die 72-stündige Live-Berichterstattung seines Senders hin. Mit Achim Menzel und Carmen Nebel seien zwei versierte Moderatoren gewonnen worden, die bisher noch jede Autohaus-Feier zu einem Erlebnis gemacht hätten.
Die Verhandlungen mit Herrn Kachelmann (Fa. Wettergott) gestalteten sich allerdings schwierig, da jener fürchte, bei der Einreise nach Sachsen verhaftet zu werden. Herr Morlok (SMWAV) sichert ihm daraufhin freies Geleit zu. Dies wird auf Veranlassung von OB Orosz zu Protokoll genommen.

Seitens Herrn Fußblei (ADAC/Audi AG) wird darauf hingewiesen, dass sein Autokorso nach aktuellen Berechnungen lediglich 65,7 km/h auf der Brücke erreichen könne, er bittet um eine Erweiterung der Auslaufzonen. OB Orosz sagt zu und bittet Herrn Sittel (LHD) um eine verkehrstechnische Sperrung der Stadtteile Johannstadt und Striesen sowie die Evakuierung der MedAk für diesen festlichen Anlass. Herr Sittel wird es ausrichten.

Herr Wacht-Meier (LaPo) meldet sich nochmals zu Wort und teilt mit, dass in seiner Behörde ein Einsatzstab zur Absicherung der Feierlichkeiten gegründet wurde. Für die Leitung konnte Herr Mehdorn (z. Zt. BER) gewonnen werden, der im operativen Doing von Herrn Schwarzenegger (z. Zt. freiberuflich) unterstützt würde. Im ersten Schritt würden Kabelwachen organisiert, die Sabotage an den Überwachungseinrichtungen der Tunnel und der Brücke verhindern sollen (an dieser Stelle spontaner Applaus der Anwesenden). Herr Wacht-Meier bittet um Übergabe von gültigen (!) Verrechnungsdaten für die Saläre der Herren.
OB Orosz verweist auf Herrn Vorjohann (LHD) und lässt mitnehmen.

OB Orosz stellt zusammenfassend fest, dass einer erfolgreichen Brückeneinweihung nichts im Wege stünde und schließt diesen TOP.

7. Sonstiges

OB Orosz dankt eingangs allen Beteiligten für die mehr oder weniger konstruktive Mitarbeit, die beweise, dass Großprojekte auch in „diesem Deutschland“ noch möglich seien, wenn sie nur kompetent gemanagt und politisch straff geführt würden. Sie erinnert allerdings auch an offene Punkte wie z.B. die Brötchenrechnungen.

Herr Präside (LD SN) fasst das Ergebnis der Besprechung noch einmal zusammen und lässt zu Protokoll nehmen, dass auch er anwesend war. Er bittet zudem um die Erhöhung der Lärmschutzwand vor seinem Dienstzimmer bis zur Inbetriebnahme um ca. 5 m. OB Orosz stimmt zu und beauftragt dem Grunde nach Koettnitz jun. (ARGE).

Herr Grüß-Onkel (DB AG) fasst das Ergebnis der Besprechung noch einmal zusammen und verweist darauf, dass er zwar nicht ganz genau wisse, was seine Aufgabe hier gewesen sei, er sich aber immer sehr wohl gefühlt habe. Kritisch merkt er an, dass die Qualität der Brötchen zu Beginn der monAB KoWSB deutlich besser gewesen wäre. OB Orosz sichert die Einrichtung einer Arbeitsgruppe zu diesem Thema zu und dankt Herrn Grüß-Onkel für seine einhundertsiebenfache unfallfreie Teilnahme an den Besprechungen (alle Anwesenden erheben sich). OB Orosz beauftragt Herrn Lehmann (LHD), die Einleitung des Verfahrens zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde in die Wege zu leiten. Ersatzweise bietet Monsignore Koch (KathKi) die Seligsprechung an. Herr Grüß-Onkel akzeptiert beides.

Herr Mücke (BMVBS) fasst das Ergebnis der Besprechung noch einmal zusammen und teilt mit, dass eine ihm nahestehende Partei die Verschönerung des Umfeldes der Brücke mit seinem Antlitz auf eigene Kosten bereits vorgenommen habe.
Herr Morlok (SMWAV) fasst das Ergebnis der Besprechung noch einmal zusammen und teilt mit, dass eine ihm nahestehende Partei die Verschönerung des Umfeldes der Brücke mit seinem Antlitz auf eigene Kosten vornehmen werde.
OB Orosz dankt und bittet Herrn Lunau (LHD), je ein Plakat der amtierenden OB der LH Dresden neben die Porträts der geschätzten Kollegen Mücke und Morlok zu hängen. Herr Lunau nickt versonnen.

Herr Hilbert (LHD) kehrt in die Besprechung zurück, fasst das Ergebnis noch einmal zusammen und regt an, im Interesse der Pluralität auch Fotografien des Bürgermeisters für Wirtschaft und Umwelt aufzuhängen.

Herr Marx (LHD) kehrt in die Besprechung zurück, fasst das Ergebnis noch einmal zusammen und regt an, im Interesse der Pluralität auch Fotografien des Bürgermeisters für Bau und Stadtentwicklung aufzuhängen.

Herr Vorjohann (LHD) kehrt in die Besprechung zurück, fasst das Ergebnis noch einmal zusammen und regt an, im Interesse der Pluralität auch Fotografien des Bürgermeisters für Fnanzen aufzuhängen.

Herr Lunau (LHD) kehrt geistig in die Besprechung zurück, fasst das Ergebnis noch einmal zusammen und regt an, im Interesse der Pluralität auch Fotografien des Bürgermeisters für Gedöns aufzuhängen.

OB Orosz verweist auf die fortgeschrittene Zeit und regt an, die Vorschläge der Herren von der LHD in der nächsten Sitzung der monAB KoWSB zu behandeln. Sie nimmt diesen Vorschlag einstimmig an.

Abschließend dankt OB Orosz für die Teilnahme, wünscht allen Beteiligten ein schönes Wochenende und fragt in die Runde, ob in den nächsten vier Wochen relevante Termine anstünden. Da dies offensichtlich nicht der Fall sei, schließt sie um 13.36 Uhr die Besprechung und spricht eine herzliche Einladung zur 108. monAB KoWSB aus (Ort und Zeit sh. Protokoll).

Für die Richtigkeit der Niederschrift,
gez. Teichelmauke

Hiddenseeer Elegien, Teil 7: Von Zukunftsplänen, Nutten und geräumten Zügen

Man steht sich wie gehabt am Sonnabend bis mittag von Rügen runter und ab mittag auf Rügen rauf, wenn man nur vier Gummiräder zur Verfügung hat. Da kann die neue Rügenbrücke noch so schön sein (hat eigentlich jemals einer der Dresdner Brückenentscheider hier Urlaub gemacht?, sie verlagert das Thema nur und löst es nicht. Wie auch. Wer keine Rügenautobahn bis Klein Zicker will, muss sich damit abfinden, dass es gelegentlich mal eng ist auf den Alleestraßen.

Die Differenzgeschwindigkeit Straße – Bahn beträgt im Moment minus 80 km pro h, ein hübsches Gefühl. Meine Wette ging übrigens unentschieden aus: Zwar kam ein bunter Train mit einer nicht wendezugfähigen 110 in Bergen mit plus 15 um die Ecke, aber der erhoffte Speisewagen aus Böhmen war dran und zwei fehlende Wagen 2. Klasse wurden durch einen recht neuen Großraumwagen ersetzt, der von 1. auf 2. umgelabelt wurde. Und da ein netter Mensch seinen reservierten Sitzplatz von Binz nach Berlin nicht antrat (oder nicht fand), kam ich auch bequem zu sitzen.
Also diesmal kein Genörgel, nur der Hinweis, dass die Farfalle sowohl mit als auch ohne Fauna „beim Tschechen“ sehr empfehlenswert sind.

Was blieb denn offen?

Zuerst einmal ein Thema, das sicher vielen am Herzen liegt: Was darf der Mensch am Hundestrand?
(Zur Erklärung für Nicht-Bader: Gehobene Seebadkultur zeichnet sich durch eine Dreiteilung des Strandes aus, Textil-, FKK- und Hundestrand.)
Während das schöne Wort Freikörperkultur jedem geläufig ist im deutschen Sprachraum (wird das eigentlich übersetzt oder ist das wie mit Kindergarten und Blitzkrieg?) und Textil sehr eindeutig ist, bedarf der Begriff „Hundestrand“ einer Hinterfragung. Wer darf da was? Menschen nur in Begleitung von Hunden? Und nackig oder blößenbedeckt? Und die Hunde? Es besteht Klärungsbedarf.
Ich bezweifele übrigens nicht, dass das in den diversen Ordnungen der Seebäder akribisch geregelt ist, nur weiß es keiner. Es wird also schlecht kommuniziert.

Noch so was: Was macht eigentlich die Küstenwache? Eine Feuerwache greift ein, wenn es brennt, die Rettungswache kommt, wenn es was zu retten gibt … aber Küste ist doch immer? Haben die Kollegen also Dauerstress und werden mit 40 pensioniert oder sind die so abgebrüht, dass sie auch fremde Küsten nicht erschrecken können?

Man kommt auf die putzigsten Gedanken, wenn man so am Meer rumlungert, u.a. auf den beliebten Systemvergleich anhand maritimer Filmkunstwerke. Im Osten fällt mir sofort „Zur See“ ein, jener Straßenfeger mit Horst Drinda am Ruder. „Das Traumschiff“ muss ich leider disqualifizieren, obgleich das schöne Vergleiche böte, hab ich nie gesehen, und wenn, würd ich es nicht zugeben. Also „Das Boot“, weder ein Mehrteiler noch in der Handels- bzw. Touristikflotte angesiedelt, aber halt das Einzige, was mir noch einfällt. Zwar ging der Kahn sehr unrühmlich unter, aber so effektvoll, dass man die Szene auch heute noch in Erinnerung hat. Doch nur DDR-Fernseh-Spezialisten erinnern sich des Sonnenblicks des Kapitäns zum Serienbeginn. Hier ist wohl einer der Schlüssel zu suchen, weshalb Hamburg heute nicht Ernst-Thälmann-Stadt heißt. Prochnow vs. Drinda, Grönemeyer vs. Schubert, ein leider ungleiches Duell.

[Übrigens, völlig offtopic: An einer Synopse der „Schwarzwaldklinik“ und des tschechoslowakischen „Krankenhauses am Rande der Stadt“ hätte ich großes Interesse, liebe Kunsthistorikerinnen.)

Bei der ganzen Denkerei hab ich übrigens ich völlig verpasst, wie der royale Wurf nun heißen wird. Liam, nach dem Vater? Barack, wegen der unverbrüchlichen Freundschaft? Oder Second-Service, wie wir beim Tennis sagen? Eigentlich isses auch egal.

Gelernt hab natürlich auch Einiges im Urlaub:
Man darf auf facebook ein dickes Kind nicht „dickes Kind“ nennen.
Man kann aber sein bellendes Meerschweinchen ruhig „Scarlett“ taufen, sicher auch auf facebook.
Die genaue Uhrzeit lässt sich auch mit „Juli oder August“ angeben (gilt nur auf Hiddensee).
Man wird trotz Erfahrungen nicht schlauer beim Sonnenstrahlenkonsum (gilt nur für mich und wusste ich auch schon).

Berlin naht, bzw. Berlin bleibt wo es ist („und das ist auch gut so“) und der Zug nähert sich der Dönermetropole. Ich tauche in den heimischen Nachrichtenkosmos. Na gut, was man so heimisch nennt, sagen wir mal „das Bundesland, in dem ich polizeilich gemeldet bin“.
Da sind interessante Dinge zu erfahren: Die Sportstadt Riesa – man weiß ja nicht erst seit Loddamaddäus vom Zusammenhang zwischen übermäßigem Sport und IQ – macht sich um die Integration bekannter Neonazis in die städtischen Entscheidungsstrukturen verdient. Uli Hoeneß hat einen Richter gefunden. Castorf wäre in Bayreuth fast gelyncht worden und ist damit automatisch in den erblichen Adelsstand erhoben. Die Sächsische Zeitung hat einen Krisenstab gebildet und beobachtet intensiv das Verkehrsgeschehen in der Dresdner Neustadt sowie Haustierschicksale in ganz Dresden. Bei der Albertbrücke geht es nicht um Fakten, sondern um Glauben und Politik.
Ich wage, den letzten Punkt zu verallgemeinern.

Wie nun weiter? Falle ich in ein tiefes Nachurlaubsloch und muss psychologisch betreut werden? Ach Schmarrn. Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub.
Und heute abend spielt ZAZ in der Garde. Bestimmt ausverkauft, mais je veux.

Aber eine Grundsatzentscheidung wurde urlaubsbedingt durch mich getroffen: Eigentlich hatte ich beschlossen, bis zu meinem 50. Geburtstag scheiße reich zu werden und dann irgendwas mit Koks und Nutten zu machen.
Aber nun hab ich einen anderen Plan: Ich kaufe alles nördlich von Vitte, habe selbstverständlich nicht die Absicht, eine Mauer zu errichten, sondern einen hohen Zaun, heuere die schärfsten Türsteherbullen von Großberlin an und mach es mir in Kloster gemütlich („in“, nicht „im“!). Als Rio der Erste, Sissi die Zweite, Hauptmann der Dritte oder einfach Teichelmauke.

Und das mit den koksenden Nutten geht ja dann immer noch.

PS: Es wird dann doch nochmal spannend.
„Leider fehlt heute der Wagen 256, in den Wagen 259, 258 und 257 ist die Klimaanlage ausgefallen. Aus Kulanzregelung bieten wir Ihnen an, mit dem EC 197 (zwei Stunden später, der Autor) zu fahren. Aus Überbesetzungsgründen können wir sonst nicht weiterfahren.“ Berlin Hbf tief macht seinem Beinamen alle Ehre. Seltsamerweise kann ich die Überbesetzung hier nirgendwo entdecken, mein leidlich gekühlter Wagen 260 ist zu einem Drittel gefüllt und Erstklass- und Speisewagen sind auch intakt.
Fünf Minuten später über Lautsprecher die Räumungsdrohung, schon mit etwas zitternder Stimme. Dann ein Friedensangebot, den ICE nach Leipzig an Bahnsteig gegenüber zu nutzen und dort nach Dresden umzusteigen. Offenbar weigern sich die Insassen der überhitzten drei Wagen tapfer, den Zug zu verlassen. Wer weiß ob das nicht das letzte Boot aus Berlin raus ist?
DB Psychologie tagt dann vermutlich und erkennt, dass man die Menschen aus fünf fast vollen Waggons unmöglich in zweien unterbringen kann. Also versucht man so viele wie möglich erstmal aus dem Zug rauszulocken und in den Alternativzug zu stopfen.
„Letzte Möglichkeit nach Dresden jetzt gegenüber! Der Zug fährt nicht weiter …!“ Die Stimme klingt schon hysterisch. Viele lassen sich becircen, auch weil die Bundespolizei inzwischen aufmarschiert.

Dann nochmal in sachlich: „Wir können die drei Wagen nicht mit Reisenden besetzen, bitte räumen sie diese. Die Bundespolizei wird jetzt durch den Zug kommen.“ Nebenan fährt der ICE nach Leipzig aus. Jetzt geht es ins Finale.
Offenbar sind noch so viele Verweigerer im Zug, dass man sich nicht traut, auf den immer leerer werdenden Wagen 260 (auch hier lassen sich viele verunsichern und steigen aus) zu verweisen. Ich kann das von hier aus nicht sehen. Oder hat man schlicht den Überblick verloren?

15.05 Uhr, ein Häuflein von vielleicht achtzig Mut- und Wutbürgern mit viel Gepäck steht jetzt noch auf dem Bahnsteig. Dann bricht endlich der Damm oder er wird bahnamtlich gebrochen, die beiden intakten Wagen füllen sich. Um 15.27 Uhr verlässt unser Zug (mit drei leeren Wagen an der Spitze und zwei normal besetzten dahinter nebst einem Speisewagen) den tiefen Hauptbahnhof. Was ist eine Dreiviertelstunde in einem langen Leben? Und was soll jetzt noch passieren bis Dresden?

PPS: Man soll sich darüber nicht zu sehr lustig machen. Es ist kein Spaß, über die Hälfte eines vollbesetzten Zuges räumen zu müssen, zumal bei dieser Hitze und bei einem hohen Anteil nicht deutschsprachiger Reisender. Ich hab das schon deutlich schlimmer erlebt, dass es auch professioneller geht, ist keine Frage.
Aber es zeigt sich auch, dass der Umgang mit Menschen (-Gruppen) gar nicht oft genug geübt werden kann, wenn man das beruflich betreibt. Und – aber so ist das ja immer im Leben – eine Kombination von Gelassenheit, Logik und Freundlichkeit bewährt sich in jeder Situation.

Hiddenseeer Elegien, Teil 6: Von nicht mehr

Abschied auf Raten. Nein, nicht von Rathen, von Hiddensee. Bzw. von Hiddensee ganz, von der Ostsee wie geschrieben auf Rathen. Nein, auf Raten, in Saßnitz, auf Rügen.

Wie ich dahin kam? Sag ich nicht. Wer es wissen will, soll doch bei der NSA anrufen. Von mir erfährt man nichts.

Jedenfalls bin ich jetzt, Freitag morgen um neun Uhr in den Saßnitzer Banlieus, nachdem ich gestern noch einen scheidenden Kontrollgang nach Grieben durchführte, alles wohl befand, mich auf eine Seefahrt (weder lustig noch traurig) mit den Walroßbärten und –bäuchen der Reederei Hiddensee begab, überlegte, wie „Mann über Bord“ wohl gendergerecht heißen möge, glücklich auf einer Insel anlangte, die man im Vergleich zur verlassenen fast schon Festland nennen könnte, eine Nostalgietour durch Südostrügen absolvierte, den Südpol erreichte, ein wunderbares Meerbad (gar nicht kalt und brett-eben, das Gewässer) nahm, der Baaber „Aalkate“ meine Aufwartung machte, eine wirklich feine Brücke im Saßnitzer Hafen bewunderte, beim Städtchen Abbitte leistete ob meiner herabsetzenden Äußerungen zur innerörtlichen Schönheit (aber das „Rügen-Hotel“ gehört wirklich gesprengt) und dann ziemlich todmüde ins Bette plumpste. Mehr war eigentlich nicht.

Und meine kruden Gedanken von unterwegs muss ich erst nochmal sortieren.
Deswegen: Schalten Sie auch morgen wieder ein!

Hiddenseeer Elegien, Teil 5: Vom Kotzenmüssen und -wollen

Ich leide heute unter meinen Kochversuchen. Dabei konnte man da nicht viel falsch machen, eigentlich: Zwiebeln, Rindswurst, Tomaten, Gewürze, und das braten. Aber dazu das Öl von den in der letzten Nacht verschlungenen Trockentomaten zu verwenden, war suboptimal. Nun plagt mich ein Schluckauf, und übel ist mir auch. Heute abend bleibt die Küche kalt.

Bei der Sichtung der digitalen Nachrichten zum sogenannten Frühstück stelle ich fest, dass Franziskus bald den Ehrennamen „van Almsick“ verliehen bekommen dürfte, so hemmungslos populär wie der grad tut. Muss ich jetzt auf ein liebgewonnenes Feindbild verzichten? Aber ich vertraue auf den Kirchenapparat, so „heiß“ (höhö!) wie das jetzt gesprochen wird, wird das in der nächsten Bulle nicht sein. Der Schweinkram unter Männern wird den hochamtlichen Segen nicht erhalten, eher kommt ein Päderast in den Himmel.
(Irre ich mich, oder ist die Kirche bei den Praktiken, die auf einer kleinen griechischen Insel perfektioniert wurden, duldsamer? Na gut, die Frau spielt im Christentum eh nicht so eine große Rolle, wenn sie nicht als Muttergottes daherkommt, hat also ihre Nische sicher.)

Heide graut’s mir mal beim Ausflug. Ja, Schenkelklopfer, Heidekraut. So weit das Auge reicht.
„Es war die Eule, nicht der Kuckuck!“ Auch das ist geklaut, zum einen bei Shakespeare, zum anderen bei Sasha Krieger, der so ähnlich eine seiner lesenswerten Rezensionen überschrieb. Erneut „Na und?“. Eigentum ist Diebstahl, geistiges sowieso, wenn es nicht gerade um meines geht.
Was ich damit beschreiben wollte, war auch nur die Eule am Eingang zum Naturschutzgebiet. Der Witz überrascht durch seine geringe Fallhöhe.

„Vorsicht Kreuzottern!“, ein Schild mit dieser Botschaft ziert ein Grundstück, das ich passiere. Der Besitzer muss Psychologe sein und/oder in der Werbebranche arbeiten. Die Aussage und Wirkung ist dieselbe wie bei „Betreten verboten!“, aber es klingt ungleich freundlicher.

Es geht ein Wind, ein heftiger, und der macht mächtig Wellen. Aber das Wasser ist deutlich wärmer als am Wochenende, oder ich bin inzwischen männlicher geworden. Ein Vergnügen, die Heldenbrust den rauen Naturgewalten darzubieten und von jenen ordentlich auf die Fresse zu bekommen. Ich kann nicht genug kriegen.

Apropos Masochismus: Später am Tage ziehe ich mir in einer schwachen Stunde das MDR-Fernsehen rein. Manchmal muss ich das haben. Es ist so bräsig wie eh und je, am Leipziger Flughafen werden Autos gestohlen, oje-oje-ojemine, der rüstige Rentner vermisst seinen Geländewagen. Mögen doch wieder mehr Reissäcke umfallen in China.
Es wird auch halb acht nicht besser, Tendenzfernsehen. Die Anhalter Regierung setzt jetzt voll auf Transparenz, wer für die IGB arbeitet, darf nicht mehr an von jener begünstigten Firmen beteiligt sein oder muss dies zumindest angeben vorher. Und vielleicht auch was abgeben … Haben die nie was von Compliance gehört? Sagenhaft.
Der erste fernsehjournalistische Grundsatz (ohne Krawatte = Sport) gilt immer noch, und der Selbstverteidigungsminister sieht aus wie ein trauriger Dackel. Den Spitznamen „Die Misere“ kann er jetzt getrost von seinem glücklosen Verwandten übernehmen.

Aber zurück ans Wasser. Ein Tiefflieger passiert den Strand und macht uns deutlich, dass welche aufpassen, auf Friedenswacht sind, während wir Zivilisten feige Urlaub machen. Erwähnte ich schon, dass auch ich Soldaten für Mörder halte? Zumindest für potentielle?

Noch was unter Männern: Freunde, wenn ihr ein T-Shirt am Strand tragt, ist das ok. Auch gegen einen Rucksack ist nichts einzuwenden beim Flanieren. Aber bitte, dann verpackt euer Gemächt. Es gibt kaum etwas Peinlicheres als einen Mann unten ohne, mit freier Hängung in der Öffentlichkeit. Ich weiß, das ist ein freies Land, aber es gibt auch Grenzen.
Bei Damen würde ich den Einzelfall prüfen wollen, aber die kommen eh nicht auf solche kruden Ideen.

Nicht nur ich werde darob zornig, auch der diensthabende Wettergott. Und nun wird es richtig beeindruckend. Erst dunkel, dann finster, dann Schluss mit lustig. Die weichen Eier um mich herum flüchten in Scharen, obwohl das Wasser im Prinzip dasselbe ist, was nun von oben statt von unten kommt.
Auch ich trete den Rückzug an, jedoch geordnet und in Würde, was mir einige schöne Fotografien beschert, aber auch ein klatschnasses Hemdchen. (Ja, ich hatte eine Badehose an.) Eine halbe Stunde später lächelt der Himmel unschuldig, als wär nichts gewesen.

Auf meiner in alle Richtungen offenen Abneigungsskala nehme ich anlässlich meines Hafenbesuchs dann eine weitere Spezies auf: Die In-Einem-Fisch-Imbiss Curry-Wurst-Fresser. Hier kann man mit hoher Sicherheit von einer fortgeschrittenen Verblödung ausgehen.
Der von mir georderte Rotbarsch schmeckt aber auch nicht, obwohl ich parteipolitisch großzügig bin.

Dann besagte schwache Stunde, ich musste putzen und auf Figaro kam Wagner live. Aber ohne Bild fetzt das nicht, es kam also zu meiner Begegnung mit dem MDR-Fernsehen.

Mein letzter Abend auf der Insel, Godewind zieht, u.a. mit dem W-LAN. Aber auch das Bier ist gut, vor allem wenn man weiß, dass das „Hiddenseer“ in der Oberlausitz gebraut wird. Noch ein weiterer väterlicher Rat sei mir gestattet: Auf einer im Prinzip autofreien Insel wirkt es etwas komisch, wenn man den Porsche-Schlüssel effektvoll auf den Kneipentisch knallen lässt. Sogar sehr blonde Damen verstehen dies als Imponiergehabe. Wobei, vielleicht schlägt es ja trotzdem an, keine Ahnung, ich hab kein Auto. Nicht mal einen Porsche.

Apropos reich und schön: So oft, wie ich auf meinen diversen Kanälen in den letzten Tagen „Meine Insel“ lesen konnte, scheine ich einem vielfachen Immobilienbetrug allergrößten Ausmaßes auf der Spur zu sein. Ich beantrage Akteneinsicht beim Grundbuchamt! Und gründe eine Selbsthilfegruppe! Denn viele jener, die sich als Inselbesitzer wähnen, dürften dort nicht mal im Kleingedruckten vorkommen.
Oder ist Hiddensee immer noch Volkseigentum? Das letzte seiner Art? Ich dachte eigentlich, dass Fräulein R. aus der Seminargruppe nebenan damals das letzte gewesen wäre … Aber ich irre mich auch gelegentlich.

Hiddenseeer Elegien, Teil 4: Von Höhenmetern und von Nichts

„Rrrrromantik!!!“ brüllt im Geiste Sven Regener neben mir und schwenkt seine Trompete. Ich stehe auf dem Hochuferweg, ein kleiner Austritt, 50 Meter unter mir das Meer, das ordnungsgemäß tost. Ich will Meer, immer Meer!

Heute bin ich ein Wandersmann. Zwar wollte ich meinem Vorsatz, kein Fahrrad auszuleihen, am Vormittag untreu werden, weil mich mein Geschwätz vom Vortag prinzipiell niemals nicht kümmert und der Bessin bei der glühenden Sonne doch etwas weit erschien, aber: Ausgebucht! Zumindest beim ersten Verleiher, und beim zweiten war der Hof auch leer. Da war ich dann beleidigt und nahm eine Zielanpassung vor: Dornbusch, ein schöner Wald oberhalb der Steilküste.

Zum Frühstück gab es Omelett. Ich bin bass erstaunt ob meiner Fähigkeiten und meines küchentechnischen Elans. Und Castorf gab es auch, auf nachtkritik.de, er lässt ja grad den Ring wandern in Bayreuth. Und dies sehr gut, wie zu lesen ist. Das würde ich mir gerne ansehen, also falls jemand eine Karte übrig hat … Ich nehm auch Loge.

Noch zwei wichtige Nachträge zum gastronomischen Vorabend:

In der Hotelkneipe, in der ich bislang allabendlich verkehrte („Godewind“, das kann gern mal geschrieben werden), gab es noch etwas, dass sich treffend nur mit „Oh alter Knaben Peinlichkeit“ umschreiben lässt. Vier ältere Herren machten auf Großsegler und Mädchenverderber, aber das durchweg hübsche und kompetente weibliche Personal um die Zwanzig ließ sie allesamt freundlich abtropfen, ob die Mädels nun aus Pommern oder der Slowakei kamen. Ganz großes Kino.

Und noch was, auf einmal hoben zwei Musiker an zu spielen. Sie seien die Vorhut einer größeren Band, die nach und nach hier eintrudeln würde, sagte der Leader. Dann gab es New Orleans – Jazz, der Gitarrist tat sich schwer mit dem Singen, aber der Trompeter war großartig. Und selbstverständlich war noch eine Sängerin im Saal, und selbstverständlich hatte sie Lust mitzutun, und selbstverständlich war sie gut … Ach Hiddensee.
What a night, auch ohne Telefonnummern auf der Kippenschachtel.

Ehe ich aufbreche, gab ich noch eine Wahlwette ab beim Spiegel, eher Wunsch als Wette, aber vielleicht ja selbsterfüllend. Und dann noch bad news von der Arbeitsfront, aber nach ein paarmal telefonieren war alles wieder gut. Los jetzt.

Der Dornbusch ist ein tiefer Mischwald, den man von außen gar nicht so wahrnimmt. Aber der Weg (der mit der Romantik) zieht und windet sich, doch man ist im Schatten und das ist gut so heute, liebe Genossinngenossen. Die Sonne feiert ihr Comeback.
Den Pfad erreicht man vom südlichen Kloster am besten über den Biologenweg, der nicht nur genderkorrekt eigentlich Biologinnenweg heißen müsste. Wohin ich auch blicke im weitläufigen Areal der Uni Greifswald, nur Damen sind zu sehen. Und auch das ist gut so, obgleich ich zur Erholung hier bin. Also ab in den Wald.

Eine meiner Lieblings-Äbb auf dem Eierfon ist die, wo man eingeben kann, was man grade tut, ob Laufen, Radfahren, Kriechen oder Fliegen, nur so als Beispiele. Mit Schwimmen stell ich mir das schwierig vor, und bei Tätigkeiten, die nicht mit Ortsveränderung zu tun haben, versagt das System völlig. Aber sonst ist es sehr drollig: Man bekommt am Ende der Tour alles ausgespuckt, was man gar nicht wissen will, Zeit, Weg, Durchschnittstempo, Höhenmeter und –profil, Kalorienverbrauch usw.. Man überwacht sich sozusagen selbst, was aus staatsbürgerlicher Sicht völlig in Ordnung ist, global gesehen allerdings Arbeitsplätze vernichtet. Da muss sich Herr Friedrich sicher bald nochmal entschuldigen in Amerika.

Das System weiß also, als ich wieder in Kloster bin, beim Fischer: 6,42 km bin ich gegangen, in 1 h 28 min, das macht peinliche 4,35 km/h, aber immerhin 578 Höhenmeter hab ich geschafft und dafür 539 kcal verbraucht. Diese nachzuladen, ist das geringste Problem.
Das Höhenprofil sieht aus wie das einer klassischen Alpenetappe, nur dass der Tourmalet hier 75 m über dem Meer ist. Aber wirklich hübsch das Ganze, und wenn mir der Anbieter dafür Geld zahlen würde, tät ich auch den Namen verraten.

Den Rest des Tages verbringe ich wieder mit Nichts. Nichts ist mir ans Herz gewachsen, sie ist eine charmante und kluge Begleitung, die immer weiß, worauf es gerade ankommt. Sie erzählt mir von sich, und ich ihr von ihr, auch wenn das nicht logisch klingt. Im Handumdrehen ist der Nachmittag vorbei.

Um nicht als zwanghaft zu gelten, kehre ich heute abend in Kloster ein, in der Stammkneipe vom letzten Mal, die auch am Kollwitz-Platz sein könnte. In Berlin wohlgemerkt. Die Gastro ist fest in europäischer Hand, zumindest was den Service angeht (die Kasse bewachen die Preußen), ein Blondton schöner als der andere, ach ja, Sommer. Erwähnte ich schon, dass ich zur Erholung …?
Man muss zwar zahlen für das W-Lan, aber was soll der Geiz? Was ich hier reinstecke, kann ich nicht mehr vertrinken. Das ist dann auch gut für den heute abend langen Heimweg.

Mickey Mouse und die Fahne des Todes

(eher was für Insider der BRN)

Früher waren alle außerhalb eines Hauses in der Kamenzer (gleich beim „Bottom’s up“) nur Kackbratzen. OK, damit konnte man leben, zumal man mit dem „Fickt Euch“ noch interessante Anregungen bekam. Denn auch wenn das die Bannerspanner nicht gerne lesen: Die Mehrzahlform dieses Spruches ist voll auf Linie, und zwar auf der des legendären Tagesbefehls Nr. 2 der BRN 2011.

Nun soll aber das harmlose Mickeymäuschen ein Killerkaninchen sein, weil es eine Fahne bewohnt. Und Fahnen symbolisieren Grenzen, und an Grenzen sterben Menschen.
Mal abgesehen davon, dass Menschen auch anderswo sterben, im Bett zum Beispiel, und man deshalb Kopfkissen auch nicht unbedingt als böse empfindet, lohnt diese Vernehmlassung einer näheren Betrachtung. Einer Grenzwertbetrachtung.

Zweifellos gibt es Grenzen, die zum Zwecke errichtet werden, Menschen drin oder draußen zu halten. Und diesen Zweck setzt man auch öfter mit Gewalt durch, ob nun in Mexikos Norden, im Gaza-Streifen oder am 38. Breitengrad in Korea. Früher soll es hier auch mal so was gegeben haben.
Mir sei allerdings die Behauptung erlaubt, dass diese Grenzen gänzlich unabhängig von Fahnen existieren. Es hat also keinen Sinn, alle Fahnen abzuschaffen, das löst kein Grenzproblem.
Und umgekehrt: Auch wenn – sagen wir mal – die Flagge eines ortsansässigen gerade noch Zweitklassvereins im Fußballsport ein ästhetischer Anschlag auf die Allgemeinheit ist, droht von ihr doch keine Lebensgefahr. Und wer schon einmal in die psychologischen Untiefen eines Kleingartenvereins blickte, wird erschauern, das aber nicht mit der Vereinsfahne in Verbindung bringen.

Und unsere Fahne, die wir nun mit viel Esprit und Mühe unters neustädtische Volk gebracht haben? Sie repräsentiert doch eher die Grenzenlosigkeit, in vielerlei Hinsicht. Gewiss, im Extremfall kann man daran durchaus sterben … Das Leben als solches ist eines der gefährlichsten.

Also, liebe Nicht-Kackbratzen, im nächsten Jahr bitte witziger. Und bis dahin fickt Euch. Gegenseitig!

PS: Ich möchte übrigens, falls ich mal sterben sollte, mit der Neustadt-Fahne zugedeckt werden.

Who the fuck ist eigentlich dieser Götze?

Der Livekommentar vom Sessel aus, in Facebook festgehalten.

„Man hat sich am deutschen Fußball vergangen“, sagt ein alter Mann mit Brille, der soll wohl populär sein. Das geht ja gut los beim ZDF.
Auch sonst sehr dramatisch.

Schicke Brille hat der Klopp, der Ollie könnte mal zum Friseur.

So ein Wirbel um diesen Bubi? Justin Bieber in sportlich. Dass die Gesetze des Marktes auch und gerade beim Fußball wirken, sollte doch bekannt sein.

„Real weghaun“, genau. Ich geh auch lieber in den Konsum.

So richtig nett sieht eigentlich keiner aus, doch, Mourinho.

Um Gottes Willen, was haben die denn an? Hier vergeht man sich nun wirklich am deutschen Fußball.

„Der Scalp von Klopp fehlt ihm noch“, aha, deswegen die viele Polizei.

Nach 1.52 min beginne ich mich zu langweilen.

Rote Schuhe, schick.

Kann das sein, dass Mourinho dicker geworden ist? Was nimmt der denn?

Auf dem Feld herrscht Freude. Zumindest bei einem Teil der Spieler.

Die himmelblauen Hemdchen haben was. Zumindest deutlich mehr als dieser Design-Unfall in schwarz und gelb.

Die können das Tor so oft zeigen wie sie wollen, es gilt trotzdem nur einmal.

Ich hab den Eindruck, es sind mehr Gelbe als Weiße. Ob das Mourinho merkt? Oder ist das so üblich bei Heimspielen?

Übrigens, Borussia ist der latinisierte Name des ehemaligen deutschen Königreichs Preußen.

Ob das jeder im Stadion weiß? Ist ja auch egal.

Allerdings: Die Borussia – Stiftung und Kulturgemeinschaft Olsztyn / Allenstein ist eine auf kulturellem Gebiet tätige Nichtregierungsorganisation im Nordosten Polens.

Uns so schließt sich schön der Kreis zu den frühen Gastarbeitern in den Ruhrzechen, die heute so schön den deutschen Fußball speisen.

Auf dem Rasen ist nicht so viel los, da kann ich weiter wiki-en.

Auweia, hingefallen isser.

Und so kanns kommen. Viva l’Espagna, viva Don Carlos.

Eigentlich wollte ich schreiben, dass mir bei „Borussia“ auch Diederich Heßling einfällt, obwohl der Teutone war. Egal, derselbe Krempel.

„Kollektiv“, lange nicht gehört, dieses schöne Wort. Nun Pausentee, wie wir Reporter sagen.

Ob der Hoeneß den Götze von der Steuer absetzen kann?

Aha: Die dritte Borussia der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hapag) war ein von der Krupp´schen Germaniawerft in Kiel gebautes Einzelschiff, das als Truppentransport- oder Auswandererschiff eingesetzt werden sollte.
Am 22. Oktober 1907 kenterte die Borussia bei der Kohlenübernahme auf dem Tejo nahe Lissabon. Drei Personen kamen dabei ums Leben.
Und wer kommt aus Lissabon? Richtig. Ein schlechtes Omen.

Die schönen Tage von Aranjuez sind für Borussia erstmal vorbei. Können Sie mir folgen?

Der Palacio Real de Aranjuez (span. „Königlicher Palast von Aranjuez“) ist ein Schloss in der gleichnamigen Stadt in Spanien, ca. 50 Kilometer südlich von Madrid.

Was der Löw so erzählt … Was ist der eigentlich von Beruf?

Die Frisur von dem Reus hab ich in den achtziger Jahren mal gesehen.

Viva Polonie! Aber die Bäuche könn’se wieder einpacken bitte.

Wenn man eine gelbe Karte bekommt, kann man die dann behalten?

Hoijoijoi …

Und ne vernünftige Frisur hat er auch, der Reinmacher.

K. S.
Noch ein Tor darf er aber nicht schießen, sonst wird er von Bayern gekauft.

„Ich werde nie zum FC Bayern gehen …“

Ohne seinen Migrationshintergrund sähe der teutsche Fußball ziemlich alt aus.

Der Reporter bemerkt, dass B. noch richtig was draufgelegt hat nach der Pause. Das überrascht mich nun doch.

Drei Ecken, ein Elfmeter. Das würde das Spiel aufwerten, fernsehtechnisch.

Nein, kein Elfmeter, höchstens neun.

Angesichts der wirtschaftlichen Gesamtsituation in Europa wären ein paar spanische Tore nun angebracht.

Zu Zeiten Philip II. war Madrid übrigens der Mittelpunkt der Welt, machtpolitisch gesehen. Ist aber schon eine Weile her.

Herr Reus hätte sich aber „Gelb“ reichlich verdient.

K. M.
Ich lese parallel den live Kommentar von der Konkurrenz – deiner ist amüsanter – nur weiter so 🙂

Ich hätte Don Carlos eingewechselt. Kaka, das klingt ja albern.

Großes Theater. An welches Haus geht der denn in München?

Was den Franzosen die Algerier, ist dem Ruhrpott offenbar Schlesien.

Blöd ist ja, dass man am Ende gar nicht weiß, wer weitergekommen ist. Könn die das nicht gleich ausspielen? Kann mich doch unmöglich nochmal so lange vor die Glotze setzen.

Wenn einer so große Handschuh hat, ist es ja auch kein Wunder, dass der alles hält.

Aha, er hat also schon an drei Paraden teilgenommen.

Wenn einer „Kevin“ heißt, kann man getrost Landsmann zu ihm sagen.

K. M.
Kriegst Du das beim Endspiel als Livestream-Hörbuch hin?

Bei schönen Frauen bin ich willenlos. (Offtopic)

Schieber, Schieber … hab ich früher auch gerufen, als der BFC immer in Dresden gewonnen hat.

„Schluss, aus, vorbei“. Welch überraschende Worte zum Ende. „Der Wahnsinn“. Auch das.

Dann also im Finale doch Preußen gegen Bayern. Dann könn die aber auch in Leipzig spielen. Spart Reisekosten, und die Hütte dort ist eh leer.

Freuen wir uns nun auf das Livekabarett mit Ollie & Ollie.

Ich sollte übrigens auch mal Oliver heißen, der Kelch ging aber an mir vorüber.

Ein 4:1 ist allerdings kein 4:0, das wollte ich nur mal gesagt haben.

Ach, Ollie … Ein Sakko wie von Präsent20 und dann noch reden über Dinge, zu denen Dir der Zugang fehlt … Aber rechnen geht.

„Ja gut, äh …“ Mir hat schon was gefehlt. Obwohl der Froanz gar nicht dabei ist. Das Bullshit-Bingo kann beginnen.

Ollie hat genau beobachtet. Er ist ja auch ZDF-Experte von Beruf.

Und das 2:1 war doch Abseits, sagt der Sessel-Experte.

Tänzerisch ist das 3:1 aber zwei Tore wert, das gleicht sich also wieder aus.

Hat der Welke eigentlich einen Hals? Fällt mir grad so auf.

Wir müssen gucken. Genau. Erst mal gucken, dann mal sehn.

Vollmond, nicht im Fernsehen, sondern draußen. Schön.

Im Gegensatz zum Blödel-TV muss man bei der Quiz-Frage richtig nachdenken. Gab’s zu Netzers Zeiten schon die Champignon-Liga?

Ich bin emotional ein Bayern-Fan. Keine Ahnung warum.

Dante … auch ein schöner Name.

Ach, Rüberie … tu es grand.

Darf man hier „Schweinchenbesteiger“ schreiben? Ich mag den einfach nicht.

Karl-Heinz will sich den FC Bayern nicht ohne Hoeneß vorstellen. Ja gut, äh, aber im Knast hat man doch auch fernsehen?

Herr Mourinho hat es nicht genau gesehen. Hätte TV gucken sollen.

Also: Die Borussia ist nicht vor Lissabon gesunken, Preußens Glanz strahlt durchaus.

Jetzt reicht es aber mit Fußball. Zurück in die Funkhäuser.

Mehr als Berlin: Müller’s Haifischteich

Hai-Alarm am Müggelsee“, ein Film von Leander Haußmann und Sven Regener, 2013, gesehen in der Schauburg Dresden

Ich bin – wie so oft vorher –skeptisch. Der hl. Franziskus der deutschen Filmkritik hatte sich sehr abfällig geäußert, und es macht sicher keinen Spaß, einem halben Dutzend Leute, die sich durch „Herr Lehmann“ unsterblich gemacht haben, dann doch beim künstlerischen Tod zusehen zu müssen. Aber ich bin auch neugierig.
Zudem bin ich heute abend stolzer Besitzer einer ausgewachsenen schlechten Laune, das Traumpaar Regener / Haußmann hat also nicht die besten Voraussetzungen. Doch sie sollen ihre faire Chance kriegen.

Zu allem Überfluss wird die Latte im Werbeblock hochgehangen: Almodovar hat jetzt eine Komödie gedreht, „Fliegende Liebende“ heißt sie und macht einen sehr sympathischen Eindruck im Trailer.
Und dann noch ein Fehlstart: Film mit Ton ist ok, aber mit Bild wär er noch schöner.

Schließlich beginnt es doch. Friedrichshagen am Müggelsee. Ein Mann geht ins Wasser. Kurze Zeit später fehlt ihm eine Hand.
Auf der anderen Seite der Welt wird ein Hippie-Haifischjäger mit selbstgebastelter Greencard durch smarte Cops verhört: Wie foltert man Haie? Mit Waterboarding natürlich. Ich muss erstmals grinsen.
Selbiger wird ausgewiesen und schippert mit seinem Hausboot dann über die Weltmeere, nach Hause, zum Müggelsee. Das ist hübsch gezeichnet, bislang gibt es nichts zu meckern am Film.

Michael Gwisdek als Badeverhinderungsmeister. Szenen mit ihm können gar nicht schlecht sein.
Snake Müller, so heißt der Großfischjäger und Surfpaddler, bekommt sein Bier macchiato. Eine erste zarte Annäherung an das Fräulein vom Amt, jenem für Stadtmarketing.
Frank Castorf gibt sich auch die Ehre und säuft mit einem lieben Kollegen Ouzo beim Griechen.

Krisensitzung im Rathaus, es wurde eine herrenlose Hand gefunden. Henry Hübchen – auch einer aus der Kategorie Gwisdek – als stuhlklebender und wahlkämpfender Bürgermeister von Friedrichshagen präsidiert einer Versammlung des Grauens aus der ganz normalen Kommunalpolitik, vom schleimigen Großbesitzer (Benno Fürmann) bis hin zur stillwütigen Übermutter. Detlev Buck gibt das, was er am allerbesten kann, den ständig überforderten Polizisten Müller, und komplettiert das unfehlbare Trio.

Wer über den Gemeinderat nicht lachen kann, hat nie einen solchen erlebt. Vera vom Stadtmarketing (Anna Maria Hirsch) öffnet den Werkzeugkoffer und spielt Bullshit-Bingo. Von den drei Varianten bleibt erstmal b) übrig, wir machen weiter wie bisher. Später wird das präzisiert, weiter wie bisher, aber mit Arbeitskreis.

Die Handlung selbst ist nicht wirklich wichtig. Es reihen sich Szenen an Szenchen, jede mit schrägem Witz versehen, mal besser, mal ganz gut. Haußmann und Regener geben als running Gag ein musizierendes Polizistenduo und sind omnipräsent, auch als unparteiisches Taucher-Duo und als Kreuzberger Haifischimitate.

Man kann auch einiges lernen: Casablanca gibt es jetzt in Farbe und 3D, ein Lagerfeuer am Strand wird größer, wenn man die zugehörige Gitarre reinschmeisst. Haie kann man mit Bier fernhalten. Und Zigaretten-holen-gehen ist für einen Nichtraucher dasselbe wie Scheidung.

Der Friedrichshagener ist der Italiener Berlins, auch das ein Merksatz. Der Witz erschließt sich erst, wenn man jenen verschnarchten Teil von Köpenick (und damit auch irgendwie von Berlin) näher kennt.

Gabi Müller (Annika Kuhl), Historikerin und die Ex vom Snake (Uwe Dag Berlin spielt sich vermutlich selbst und muss sich gar keine Mühe geben, großartig zu sein) findet heraus, wie der Hai in den See gelangte: Ein RGW-Ringtausch bescherte der DDR einen kubanischen Zierhai im Tausch gegen Schafskäse, der (über die Zoffjets) von den Bulgaren erworben wurde. Und wenn das liebe Haustier größer wird, landet es halt in der freien Wildbahn, das kennen wir ja auch von anderen Arten … Der Fischexperte Müller von der HU (Tom Schilling rollenbedingt etwas eindimensional, aber gut) staunt.

Die Auslösung des Hai-Alarms ist nur noch Sache eines Formulars. Die gelbe Flagge wird gehisst, der Müggelsee wird großräumig zum Sperrgebiet erklärt. Der Bürgermeister, natürlich auch er ein Müller, trägt Helm und freut sich über die Wahlkampfhilfe.
Sogar die Rainbow Warrior wird gesichtet, sie kommt – dank eines Übermittlungsfehlers – wegen den Walen. Der Bürgermeister versteht natürlich „Wahlen“ und bekommt feuchte Hände.
Katharina Thalbach als wirre Alte ergänzt kongenial das bunte Treiben, es macht einfach Spaß zuzusehen.

Wenn wir schon Hai-Alarm haben, können wir auch das Straßenfest im sicheren Teil der Krisenregion wiederholen. Und es läuft und läuft und läuft … Der Gemeinderat besäuft und schlägt sich.

Soweit ist also alles in Ordnung, man hat sich im Ausnahmezustand eingerichtet. Aber der (nicht nur) Strandbadbesitzer tanzt am Ufer einen Zorbasschen Sirtaki, der gesperrte Müggeldamm versteppt langsam. Eine Gegenbewegung gründet sich, „Hopp hopp hopp, Hai-Alarm Stopp!“. Bürgermeister Müller-Wendig stellt sich an die Spitze derselben und fordert vom Drachen- oder besser Haifischtöter Snake Müller Taten oder zumindest das Eingeständnis eines Fehlalarms, sonst fluten die Wutbürger den Müggelsee mit Bier.

Showdown an Bord des Hausboots. Eigentlich hat man sich schon friedlich geeinigt, aber Marketing-Maus Vera (die sich, nachdem sie sich vom Fischersmann ins Netz wickeln ließ, einen veritablen Zickenkrieg mit dessen Ex liefert) hat ein wenig manipuliert: Statt weißem steigt roter Rauch auf, das Bier ergießt sich in Strömen. Schaum-Alarm! Viel Schaum um ganz viel Nichts! Das kommt marketingmäßig ganz wunderbar.

Snake Müller hat nun die Schnauze voll und will zurück nach Hawaii. Der kurze Kampf zwischen der kühlen Ex und der siegestrunkenen Maid um die freie Koje ist schnell entschieden, letztere geht über Bord.
Und die beiden schippern in den Sonnenuntergang, aus dem Unterdeck taucht noch der falsche Grieche, der Wirt vom Castorf auf, auch er ein Müller, wie Snake ein Teil des haifischaussetzenden Brüderpaars von damals.
Und der Müggelsee ist schaumbedeckt.

Es lässt sich ahnen (und ließ sich vorher auch auf facebook mitverfolgen), wie viel Spaß die Crew beim Drehen hatte. Das überträgt sich auf den Saal, selbst meine hartnäckige schlechte Laune verzieht sich klammheimlich.
Die Musik fällt ein bisschen ab, da ist man Besseres gewohnt vom Regener. Aber was will man mehr von einem Film? Ich meine, von einem, der unterhalten will und nicht die Lösung der Weltprobleme verspricht? Ich bin’s zufrieden.

NOsterspaziergang

Vom Eise bedeckt sind Strom und Bäche

Durch des Winters kühlen, gefrierenden Blick;

Im Tale birst ein Schnüffelstück.

Der junge Frühling, in seiner Schwäche,

Zog sich in laue Gebäude zurück.

Von dorther sendet er, greinend, nur

Ohnmächtige Schauer trauriger Postings

In Massen über die eisige Flur;

Aber Knecht Rupprecht duldet nichts Heißes.

Überall quält er Mensch wie auch Tier,

Nur weiß gilt ihm als Farbe hier;

Denn an Blumen fehlts im Revier,

Gibt auch keine geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um, von diesen Höhen

Nach der Stadt zurück zu sehen!

Aus dem weiß glänzendem Tor

Dringt der graue Schneematsch hervor.

Jeder wärmte sich heute so gern.

Sie weinen über die Vereisung des Herrn,

Denn sie sind selber eingefroren,

Aus schöner Häuser warmen Gemächern,

Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,

Aus dem Schutz von Giebeln und Dächern,

Aus der Straßen quirliger Menge,

Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht

Sind sie alle in die Kälte gebracht.

Sieh nur, sieh! wie mühsam sich die Menge

Durch die Gärten und Felder zerschlägt,

Wie der Fluß in Breit und Länge

So manche dicke Eisscholl‘ bewegt,

Und, bis zum Schornstein tief gefroren,

Versinkt auch jener letzte Kahn.

Selbst von des Berges fernen Pfaden

Hört man die Eingeschneiten klagen.

Ich sehe schon des Dorfes Schänke,

Hier ist des Volkes letzte Tränke,

Ermattet stöhnet groß und klein:

Einst war ich Mensch, jetzt frier ich ein!