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Beilegeblatt zur Sendung am 11. Juni 2014, 22 Uhr: Teichelmaukes Hamsterradio #25a „ coloBRadioN – Gebrauchsanweisung zur BRN“

Präambel BRN 2014

Die Bunte Republik Neustadt, der Freitag und der Moooooooooond

Es war einmal ein Vollmond! Und die Schwafelrunde (ohne Ritter) schaute mit offenem Mund in den unglaublichen Nachthimmel, der sich über unserer fast ebenso unglaublichen Republik wölbt. Schade, dachten wir, schade, dass es bei der BRN keinen Vollmond gibt. Aber warum eigentlich nicht, dachten wir. Was nicht ist, das kann doch werden.
Und so haben wir bei der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und dem Kulturamt der Stadt Dresden Geld beantragt und der Sternwarte der TU unter der Hand soviel davon abgegeben, dass die damit alle Fünfe gerade und den Mann im Mond einen guten sein lassen konnten.
Es wird Vollmond geben! Am Freitag der diesjährigen Festivitäten zur Feier unserer Republik wird er mit Unterstützung von Wissenschaft und Forschheit unsere Wege und Plätze ausleuchten. Leider gibt es aber auch in diesem Falle einen Pferdefuß: Um das Glück eines Vollmondes rechtfertigen zu können, wurde uns auf der anderen Seite das vielfache Pech eines Freitags des Dreizehnten zugeteilt. Was für ein Zufall!
Jetzt können wir uns am Festwochenende zwischen Voll und Mond, Frei und Tag, Hell und Dunkel, Glück und Pech bewegen, wie im richtigen Leben eben. Aber lasst es uns zu unserem persönlichen und privaten Vollmond machen. Lasst uns heulen, liebe Meute.
Und am Ende singen wir, dass es vorbei ist mit dem Junimond. Und weinen wieder.
(Copyright: Schwafelrunde (ohne Ritter), http://brn-schwafelrunde.de/)

Trailer:

Veranstaltungsplan:
http://bunterepublikneustadt.de/
http://www.neustadt-ticker.de/brn/brn-programm-2014

Zur generellen mentalen Vorbereitung:
http://brn-schwafelrunde.de/

Diplomaten-Reise:
http://radfahren-in-dresden.de/2014/06/die-brn-schickt-diplomaten-auf-die-reise/

Aktion Preibisch: Neue BRN-Flagge
http://www.neustadt-ticker.de/30230/aktuell/nachrichten/termine/der-preibisch-will-brn-stempeln
http://www.fischbild.de/

Ausgewählte Orte:
Lustgarten: http://kulturaktiv.org/
Oosteinde http://www.oosteinde.de/
Veränderbar http://www.artderkultur.de/
Atelier Schwartz / Keller Nr. 3: http://atelier-schwartz.de/main/kellernr-3
Scheune: http://www.scheune.org/
Katy’s Garage: http://katysgarage.de/
Sabotage http://www.sabotage-dresden.de/
Thalia http://www.thalia-dresden.de/index.php
Straßenball Talstraße https://www.facebook.com/events/685078091551373/?ref_dashboard_filter=calendar

BRN-Zeitung „Aus die Maus“:
http://klausheidemann.blogspot.de/2014/06/fertig-brn-zeitung-aus-die-maus.html

Und immer dran denken:
BRN ist immer. Die Schweiz ist schließlich auch immer.
Was jetzt kommt, ist nur die Geburtstagsfeier.

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Dar Commandante Teichelmauke kimmt zurick!

Wir alle erinnern uns noch der dramatischen Stunden am Buß- und Bettag des letzten Jahres, als ein Trupp von Freischärlern aus der Oberlausitz unter der Führung von Commandante Teichelmauke aus Langeweile die Radeberger Brauerei eroberte und mit dem „Kommando Klecker-Hans“ das MDR-Funkhaus besetzte. Zumindest zu besetzen glaubte, allerdings hatten die Kämpfer die Adresse verwechselt und waren beim unweit gelegenen freien Sender „coloRadio“ gelandet. Dort war der Widerstand naturgemäß gering, und als das letzte Eibauer gemeinsam getrunken war, zog sich der Stoßtrupp zur Beratung und in die Berge zurück. Und weil auch die Produkte der Radeberger Bierfabrik sich jenen der Äbrlausitz unterlegen zeigten, nutzte die Vulksbefrrreiungsoarmee die Grruppenrrrückfoahrkoarrte und es zog wieder Ruhe ein im Frrrei-, äh, Freistaat.

Doch im Untergrund schwelte es weiter … Und nun scheint der Tag des Aufbegehrens nicht mehr fern zu sein.

 Soeben (dreiviertelsieben im Frühfrühling 2014) sendete Al-Hamsterradio (werktags auch coloRadio genannt) auf allen seinen Wellen eine Audio-Botschaft, die einem Live-Mitschnitt der gestrigen Ansprache des verschollen geglaubten Commandante Teichelmauke an seinen engsten Führungszirkel im Inneren des Valtenbergs entstammt. Hier ist exklusiv die erste Abschrift, zum Teil ins Neu-Hochdeutsche übertragen:

  

(Feuerknistern, Gemurmel, leise Rülpser und Hochrufe, Flaschenbierklingeln, dann feste Schritte zu hören, kurze Stille)

 „Genussn, iech hoab anne grußartche Wiesjon fier unsr Vulk.

 Ich werde mich nun in Teichelmauke legen und ihr in Bälde als Teichelmaukilus, der Schaum- bzw. Sauerkrautrindfleischbreigeborene entsteigen.

Ich werde die Völker der ehemaligen Kreise Zittau, Löbau, Görlitz, Niesky und Bautzen einen und hinter mir versammeln, auf Dresden marschieren, den Neumarkt verhaften und den Stanislaus besetzen sowie die RRÄ – Räterepublik Äbrlausitz – ausrufen. Wir wählen den Doppelstatus „eingetragener Staat und gGmbH“. Meine Männer graben sich im Anschluss tief in die dortigen Würstchenbuden ein.

Dann boassiert erschtmoal goar nischt.

 Als Stanislaus nach zwei Wochen als vermisst gemeldet wird, kann ich ihn dann endlich der örtlichen Polizeidienststelle übergeben. Schon am nächsten Montag beruft er einen Krisenstab ein, der aus Frau von Schorlemer, seiner Gattin und ihm besteht, und bietet Verhandlungen an.

 Das mir nach kurzer Zeit angebotene Amt des Semperoper-Intendanten schlage ich wegen Unterforderung und Überbezahlung (oder umgekehrt) aus. Neue Geiseln brauch ich auch nicht, schon gar nicht von der FDP. Die Verhandlungen geraten ins Stocken. Steinmeier droht zu kommen.

 Aber die Hilflosigkeit der Regierung rührt mich dann doch noch rechtzeitig, außerdem geht das „Eibauer“ am Neumarkt zur Neige. Deshalb lasse ich mir schließlich Bautzen abhandeln, im Gegenzug kommt die Äbrlausitz in den Grenzen von 1648 frei. Was hätten wir auch mit dem Sorben-Kaff gewollt?

Freies Geleit für meine Truppen und jährlich die Einnahmen des Striezelmarktes für die nächsten 99 Jahre als „Tribut der Freiheit“ sind auch Bestandteil des Gesamtpakets, das Stanislaus und ich am folgenden Sonnabend abend im MDR gegenüber Helene Fischer als „ausgewogen und jeweils gerade noch vertretbar“ bezeichnen. Zum Glück hab ich die Strumpfmaske noch auf, so sieht mein Grinsen keiner.

 Das Folgende ist Routine.

Ich lass mich auf der Rückreise an der Autobahnkirche Uhyst zum Eier-Toller wählen und trete mit meinem Volk der Bunten Republik Neustadt (BRN) bei. „Nach meiner Kenntnis gilt das ab sofort“, höre ich mich der Presse antworten. Dann wird es wohl so sein.

Wegen der Vielzahl der Häupter meiner Lieben vereinbaren die Improvisierte Provisorische Regierung der BRN und wir, also ich, eine demokratische Quotenregelung: Die Äbrlausitzer erhalten kein aktives Wahlrecht in der BRN, dafür werde ich Frühstückspräsident auf Lebenszeit.

 Dann suche ich mir noch eine Statthalterin aus, die in Zittau für mich regiert, und beziehe meine Dienstsynakirmoschengoge in der (von dr Äbrlausitz aus gesehen) Exklave Neustadt. Nur um Reisekosten zu sparen, lasse ich verlautbaren, das ist ja viel dichter am Verkehrslandeplatz Drässdn Inter-Nazional. Fürs Erste begnüge ich mich dann mit dem „Stellenplan B“, der lediglich 80 Bedienstete und Zofen zur Absicherung der Wahrnehmung meiner Amts- und Repräsentationsgeschäfte vorsieht. Und trete umgehend meinen harten Dienst an.

 Ich bitte Euch nun um Zustimmung zu diesem Ploan. Gibt-es-Gegenstimmen-das-ist-nicht-der-Fall. Eenstimmch oagenumm. Ich doanke fiers Vertrrraun.“

 (Hochrufe und Flaschenbierklingeln werden deutlich lauter, vereinzelt ist Tischfeuerwerk zu vernehmen, vor der Höhle offenbar Böllerschüsse oder Liquidation der potentiellen Gegenstimmen)

 

 Nach Informationen von Al-Hamsterradio soll sich der Commandante inzwischen in die Teichelmauke begeben haben.

Das Hechtfest ist jetzt auch immer.

Natürlich, liebe junge Eltern, man kann den teuren Kinderwagen auch als Räumpanzer einsetzen, vor allem, wenn man beruflich in dieser Richtung vorbelastet ist. Es gehört sich nur nicht.
Natürlich, liebe Radfahrerdraußen, man kann auch einen Highspeed-Slalom auf der Leo versuchen zur Rush-hour. Aber man begibt sich dann in die Gefahr, nach Freiburg i.B. abgeschoben und der Gruppe Tocotronic zum Fraß vorgeworfen zu werden. Do you know what I mean?

Das soll es aber auch schon gewesen sein mit Genörgel. Es war Hechtfest am Wochenende, und trotz der feierlichen Inbetriebnahme einer neuen Buslinie stromaufwärts kamen die Massen „ins Hecht“, wie wir Auskenner sagen.

Am Freitag schilderte ich bereits live ein interessantes Tennismatch zwischen dem Hecht und einer gewissen Brückenmücke, meine Facebook-Freunde (wie reiht sich dieser Status eigentlich in die bekannte Kette Feind – Todfeind – Parteifreund ein?) werden sich erinnern. Für alle anderen nochmal kurz zusammengefasst anbei:

o Pfandsystem. Schnelles 1:0 für das Hecht. — hier: HechtFest | Freitag | 23.08.2013.
o Blechlawine (sic!). Zweinull. — Ebenda. Die Folgenden auch.
o Bisher kam ich immer pünktlich zum letzten Lied oder die Technik versagte grade. 2:1
o Den Ausdruckstänzer vom Piranha gibt’s auch vor dem Leonardo. Voller Treffer.
o Und J. B. Nutsch kann gar nicht singen. Hecht liegt hinten.
o Geile Reggaemugge im Gras. Oder auch mit. Das Hecht kann wieder ausgleichen.
o Doppelschlag!! Zwei tolle Galerien kurz hintereinander! 5:3, Satzball. Brückenmücke darf jetzt nichts mehr falsch machen.
o Aber schon isses vorbei. Der Verein schänkt mir einen ein und schlägt damit ein As. Der erste Satz geht 6:3 an das Hecht. Die Oroschina is not amused.
o Tja, liebe Sportsfreunde, das war noch nicht das erhoffte große Tennis. Nach souveränem Beginn hat das Hecht die Brückenmücke wohl nicht mehr ernst genommen und diese konnte sich heranpieken. Am Ende war es aber doch eine ziemlich klare Sache.
Wegen des Einbruchs der Dunkelheit werden die folgenden Sätze morgen ausgespielt. Aber eines ist jetzt schon klar: Brückenmücke muss kräftig zulegen, um hier nicht unterzugehen.
Zurück in die angeschlossenen Funkhäuser. . — hier: HechtFest | Freitag | 23.08.2013

Brückenmücke trat am nächsten Tage nicht mehr an, sie war wohl kurzfristig verhindert. Aber so blieb mehr Zeit, sich den schönen Dingen des Lebens zu widmen, von denen im Folgenden zu berichten sein wird. Den Sonnabend lassen wir mal weg, da war für den Berichterstatter nicht viel Schönes dabei, er war woanders.

Der Sonntag Mittag, entspannter Auftakt am TiR Na N’OG im Außendienst. Eine schöne Stimme hat sie, Country-Klassiker, das ist gut und überfordert keinen. Aber als sie Truck Stop interpretiert, wendet sich der Gast mit Grausen.

Jindrich Stajdl auf der Leo-Bühne ist da ein anderes Kaliber. Er hat seinen Sekretär Prochazka und zwei weitere Führungskräfte seines Unternämmens mitgebracht, dazu ein scheisse Blau, ein scheisse Rot, das Weiss ist auch nicht viel besser … Bemmisch Frieschoppen. Manitschka fehlt leider. Aber es fällt ihm dennoch leicht zu beweisen, dass die U-Musik ein Meister aus Böhmen ist. Becherovka!
Ganz nebenbei beweisen die Herren Bürger und Winkler et. al., dass ausgezeichnete Musiker nicht zwingend humorlos sein müssen.
Eine Zugabe, ok. Wenn das Publikum auch so blöd ist, nicht „Zugaben“ zu rufen …

Sie gehen mit Bravour vom Fischfest und ich zum Hecht.Grün, jenem verwunschenen Garten direkt am Bischofsplatz. Eine Kräuterlimo in der Hand, schaukele ich wie in Kindertagen und bin restlos glücklich. Doch irgendwann treibt der Hunger mich wieder raus.

Chicken Dings kann ich nicht mehr sehen, aber es gibt genug Alternativen. Ich schlendere und denke, so muss dass bei der BRN auch mal gewesen sein, irgendwann, weit vor dem Krieg.
Ein Caipi brasil … Eujeujeujeujeujeu. Beschwingt trägt es mich vor den Stand von Quilombo, wo ich endlich einiger dieser großartigen Plakatmotive habhaft werde. „Vorproduzieren lass ich meine Sachen in Deutschland. Die arbeiten da Tag und Nacht. Und sind spottbillig.“ Meine Texte werde ich künftig in Indien vorschreiben lassen.

„Taint it love“ in scottish folk und all die anderen Klassiker, doch, das hat was. Ich lasse mich für ein paar Minuten bei den „Celtic Cousins“ nieder und stehe Stunden später wieder auf. Vor der Bühne tanzen glückliche junge Väter in den späten Vierzigern mit ihrem Nachwuchs. Anything gonna be allright. Auch die versuchte Publikumsdressur tut dem keinen Abbruch.
Ein führendes Glasbiergeschäft mit kommunistischer Vergangenheit versorgt mich mit neuem Treibstoff.

Ich trete ein in den Dom resp. die St.-Pauli-Ruine. Ein Hochamt wird gefeiert. Welche Akustik! Welche Musik. Welche Stimme … Rookfly, unbedingt zu merken. Voller Ergriffenheit vergesse ich zu essen und zu trinken, kann den folgenden Ast aber gleich vor Ort absägen.
Warum wird die Dresdner Philharmonie nicht auf 40 Planstellen gekürzt und in diese Ruine versetzt? Dann könnte der Kulti bzw. das Grundstück drunter doch an USD verkauft werden? Und ins generelle Bild passen würde es auch. (Herr Vorjohann, ich krieg 10 Prozent vom Brutto)

Draußen laufe ich einem GEZ-Gegner in die Arme, der Unterschriften sammelt für eine Petition. Ja, im Prinzip d’accord, aber da er zwar sehr genau weiß, wogegen er ist, aber weniger, wofür, kann ich mich nicht durchringen.
An den (wenigen) Tresen, die ich besuche, werde ich gesiezt. Früher hätte mich das genervt, aber seitdem ich „Die Siezgelegenheit“, jenes großartige Chanson meiner Lieblingslolita kenne, steh ich da drüber.

Dunkeln tut’s inzwischen. Ich gedenke der zu fütternden Katze (welche übrigens gefühlt das Doppelte ihres Körpergewichts täglich scheißt) und wende mich heimwärts. Eine handbestrichene Fettstulle nehm ich noch mit von der Fichtestraße – der grandiose Vodka to go vom Freitag war leider schon alle – entgehe knapp der Wasserschlacht (Peace!) und passiere eine Hebebühne for all. Das passende Bibelzitat behalt ich bei mir, und auch sonst alles, obwohl ein „WC royal“ lockt.

Tja, das Hecht. Logisch wissen wir Kern-Neustädter alle, dass dies feiertechnisch viel cooler als die BRN ist. Nur zugeben würden wir es nie. Und es besteht ja auch noch Hoffnung:

Spieglein, Spieglein an der Frauenkirchen-Wand,
wer hat das schönste Fest im ganzen Land?

Natürlich Ihr, Monarchin de l’Orosz, kein Wunder bei dem vielen Bier …
Aber drüben, hinter den viel zu vielen Brücken, gibt es ein Fest, da ist es noch tausendmal schöner als hier.

Und die Oroschina erbleichte, wurde fürchterlich wütend und schickte im nächsten Jahr ihre Bierwagen.

PS: Zur gewohnt seltsamen Überschrift gilt es zu erklären, dass das angeblich unabhängige Wurst- und Käseblatt der BRN in diesem Jahr erklärte, dass die BRN immer wäre. Die Schweiz wäre ja auch immer.
Man kann da wenig entgegenhalten, nur betonen: Das Hecht ist jetzt auch immer.

Mickey Mouse und die Fahne des Todes

(eher was für Insider der BRN)

Früher waren alle außerhalb eines Hauses in der Kamenzer (gleich beim „Bottom’s up“) nur Kackbratzen. OK, damit konnte man leben, zumal man mit dem „Fickt Euch“ noch interessante Anregungen bekam. Denn auch wenn das die Bannerspanner nicht gerne lesen: Die Mehrzahlform dieses Spruches ist voll auf Linie, und zwar auf der des legendären Tagesbefehls Nr. 2 der BRN 2011.

Nun soll aber das harmlose Mickeymäuschen ein Killerkaninchen sein, weil es eine Fahne bewohnt. Und Fahnen symbolisieren Grenzen, und an Grenzen sterben Menschen.
Mal abgesehen davon, dass Menschen auch anderswo sterben, im Bett zum Beispiel, und man deshalb Kopfkissen auch nicht unbedingt als böse empfindet, lohnt diese Vernehmlassung einer näheren Betrachtung. Einer Grenzwertbetrachtung.

Zweifellos gibt es Grenzen, die zum Zwecke errichtet werden, Menschen drin oder draußen zu halten. Und diesen Zweck setzt man auch öfter mit Gewalt durch, ob nun in Mexikos Norden, im Gaza-Streifen oder am 38. Breitengrad in Korea. Früher soll es hier auch mal so was gegeben haben.
Mir sei allerdings die Behauptung erlaubt, dass diese Grenzen gänzlich unabhängig von Fahnen existieren. Es hat also keinen Sinn, alle Fahnen abzuschaffen, das löst kein Grenzproblem.
Und umgekehrt: Auch wenn – sagen wir mal – die Flagge eines ortsansässigen gerade noch Zweitklassvereins im Fußballsport ein ästhetischer Anschlag auf die Allgemeinheit ist, droht von ihr doch keine Lebensgefahr. Und wer schon einmal in die psychologischen Untiefen eines Kleingartenvereins blickte, wird erschauern, das aber nicht mit der Vereinsfahne in Verbindung bringen.

Und unsere Fahne, die wir nun mit viel Esprit und Mühe unters neustädtische Volk gebracht haben? Sie repräsentiert doch eher die Grenzenlosigkeit, in vielerlei Hinsicht. Gewiss, im Extremfall kann man daran durchaus sterben … Das Leben als solches ist eines der gefährlichsten.

Also, liebe Nicht-Kackbratzen, im nächsten Jahr bitte witziger. Und bis dahin fickt Euch. Gegenseitig!

PS: Ich möchte übrigens, falls ich mal sterben sollte, mit der Neustadt-Fahne zugedeckt werden.

Die Verpieschung

(erstmals veröffentlicht in der „BRN ToGo“ 2012)

Angst ist Pieschen“, wie der Tagesbefehl Nr. 2 im letzten Jahr so trefflich feststellte. Ja, zweifelsohne. Pieschen ist aber noch viel mehr, z. B. Stadtflucht, Gottlosigkeit, Hafenfest und … Hundescheiße.

In den letzten Jahren trennte uns hier in der Neustadt gottlob nicht nur das Hechtviertel vom Quartier mit der gefühlt höchsten Hundehaufendichte der Welt. Undurchdringlich wie die Berliner Mauer schützte es uns vor Zuwanderung und Bettelei.

Doch es scheint eine sog. Wende eingetreten zu sein, die Indizien sprechen eine klare Sprache. Begonnen hat es mit der Ansiedlung obskurer Kneipen, die man inhaltlich eher in der Vorstadt Richtung Leipzig verortet hätte. Diese bevölkerten sich schnell mit jenen, die die Pieschener Hymne „Kommt die Neustadt nicht zu mir, dann geh ich halt zu ihr“ allzu wörtlich genommen hatten.

Das wäre alles noch verkraftbar gewesen, ist die hiesige Population doch vom allwochenendlichen Einfall der Speckgürtel-Landeier hinreichend abgehärtet. Doch viele blieben und brachten ihre seltsamen Sitten und Bräuche sowie ihre Köter mit.

Und wie nun inzwischen auch in Köln der Muezzin zum Gebet ruft, zieht jetzt ein (mehr oder weniger) zarter Duft von Hundescheiße durch die Neustadt.

Das sei zunächst nur einmal festgestellt. Es mag Menschen geben, die sich in diesen Umständen wohlfühlen, und wir wollen hier auch niemanden diskriminieren (wenngleich die sprachliche Parallelität von Exkremente und diskriminieren beachtlich ist). Doch was soll nun werden, wenn eines der letzten Alleinstellungsmerkmale der Neustadt verloren geht und nur noch die höchste Kinderwagendichte (sh. auch Tagesbefehl Nr. 2) sowie die Europarekorde in Dönerläden, Shisha-Lounges und Friseuren übrig bleiben? Das Viertel wird ein Stadtteil von vielen, rutscht gar in Richtung Pieschen ab.

Dann ist Schluss mit lustig. Dann wird Ordnung gemacht. Ein Auszug aus dem geheimen Maßnahmenkatalog der Stadtplanung beweist es:

  • Die Alaunstraße wird endlich wegen ihrer Umleitungsfunktion für die Königsbrücker auf eine verkehrsgerechte Vierstreifigkeit gebracht. Durch den notwendigen Abriss der linken Häuserzeile verbleibt sogar noch Platz für einen Fußweg.
  • Die Scheune wird geschlossen, entkernt und als Turnhalle wiedereröffnet. Der gewonnene Platz im Neubau wird zur Anlage zweier weiterer Parkdecks genutzt. Dieses Gebäude ist zwar nun nicht mehr direkt eine Turnhalle, aber trotzdem schön, wenn man der FDP glauben darf.
  • Die BRN wird nach Cristiana verkauft (BRN To Go berichtete) und das Geld für Wichtigeres eingesetzt. Ersatzweise findet nun das „Große Ganz-Spät-Frühlingsfest der Neustadt“ statt, unter der Schirmherrschaft der Damen Helmina und Diletta. Versehentlich wird es im ersten Jahr auf dem Theaterplatz organisiert und verbleibt in der Folge aus traditionellen Gründen da.
  • Die Prießnitz wird angestaut und im Mündungsbereich mit einer Schleuse versehen. Nun hat die Neustadt auch einen Hafen, der sich unter Inanspruchnahme kleinerer Flächen zwischen Sebnitzer und Bischofsweg erstreckt. Der Hafenkommandant zieht ins ehem. Krasnewski-Museum, d. h. in die obere Etage und bekommt ein Dienstmotorboot. Die frühere Prießnitzstraße darf sich nun stolz „Gewässer III. Ordnung“ nennen.
  • Das dringend benötigte innerviertelische Center wird ins Dreieck gebaut, das Louisen- und Görlitzer Straße bilden. Den betroffenen Händlern und Gastronomen werden Ausweichstandorte im Elbepark 3. Bauabschnitt angeboten. Oder in Pieschen.
  • Um dem Viertel wieder etwas Prägendes zu verschaffen, zieht das Friedhofsamt in das ohnehin nicht mehr notwendige Stadtteilhaus ein.
  • Zur Angleichung der Lebensverhältnisse in ganz Dresden wird das Elsa-Fenske-Heim in die Neustadt gelegt. Dazu werden die an der Rothenburger / Louisenstraße ansässigen Schulen geräumt. Da man nun die Turnhalle in der Scheune auch nicht mehr braucht, wird diese erneut geschlossen und als Mini-Center wiedereröffnet.

Damit dieser grausame Plan nicht Wirklichkeit wird, seid wachsam, Bürger, Bürgerinnen! Geht auf unsere Mitbürger zu und erklärt ihnen den Gebrauch der praktischen Beutel!

Bedenkt: Mit einem kleinen Haufen fängt es an, und bald ist alles im Arsch.