Doch die Ergebnisse, die gibt es nicht.

Die Auswertung der 3. „Dresdner Debatte“ zum Verkehrsentwicklungsplan am 9. Dezember 2013 im Verkehrsmuseum war gar keine

 Eine schöne Veranstaltung, eigentlich. Hatte meine Vorfreude geweckt, fachlich und auch sonst. Kam auch nur fünf Minuten zu spät.

 War in diesen fünf Minuten alles Neue bereits verkündet worden? Denn was danach in zwei Stunden folgte, hätte man – mit wenigen Ausnahmen – auch zum Auftakt des Prozesses sagen können.

 Sicher, die LH Dresden hat sich mit der gleichnamigen Debatte ein tolles Instrument gegeben, das zu Recht auch überregional Beachtung findet. Die Berichterstattung, wer wann auf welchem Kongress dazu sprach, nahm gefühlt die erste Stunde in Beschlag. Der Moderator mit Architektenhabitus, dessen Namen ich leider nicht behielt, Herr Szuggat und eine Mitarbeiterin seines Amtes lobpreisten sich gegenseitig, sicher auch angebracht, wenn vielleicht nicht unbedingt in dieser epischen Breite. Dann erklärte Dr. Mohaupt, nach welchen Prämissen und mit welchen Szenarien der Verkehrsentwicklungsplan 2025+ aufgestellt würde, auch das keine wirkliche Neuigkeit.

 Dann ging es aber doch mal um die Ergebnisse der Debatte. Die Klickzahlen wurden berichtet (4.500), 2.200 Beteiligte seien es gewesen, 1.200 Beiträge gab es, die allermeisten im Block „Infrastruktur“. Inhalte? Fehlanzeige.

Immerhin wurde vom Wunsch-Modal-Split der Teilnehmerinnen berichtet, die inzwischen übliche Vierteiligkeit wird in Dresden noch zugunsten des Fußverkehrs verschoben. Leider beeilte man sich, dieses interessante Ergebnis gleich als „unrealistisch“ zu relativieren.

 Erschwert wurde die Verständlichkeit noch, weil man den obligatorischen Beamer zwar dabei hatte, ihn aber so unglücklich platzierte, dass höchstens die erste Reihe des Podiums die eng beschrifteten Folien lesen konnte.

 Wenn nicht die etwa 100 Zuhörer gelegentlich etwas Konkretes nachgefragt hätten, wäre die ganze Sache nur an der Oberfläche verblieben. So erfuhr man immerhin, dass die Stadt auch ohne den Segen des Freistaats an der „Straßenbahnlinie 5 aka. 62“ dranbleiben wolle, für die Situation auf der Bautzner (Land-) Straße im Bereich Bühlau kein wirkliches Konzept habe und an einen kostenlosen ÖPNV für alle nicht gedacht sei.

Zwischen den Zeilen war dann noch zu vernehmen, dass man mit der Auswertung der (nach
Aussagen der Bearbeiter äußerst sachlichen und hochwertigen) Beiträge noch nicht durch wäre. Zumindest kam es so rüber, doch siehe unten.

 So, und nun? Die geplante Abschlussveranstaltung wurde absolviert, man kann das Häkchen setzen. Dass diese inhaltsarm blieb, wird im Reporting sicher nicht erwähnt.

Aber warum hat man nicht die Größe, eine Veranstaltung dieser Relevanz mal einfach zu verschieben, wenn man sich noch nicht aussagefähig fühlt? Das Weihnachtsfest in Dresden wäre keinen Deut glanzloser ausgefallen deswegen.

 Doch, oh Wunder:

Im heimischen Büro angelangt, rief ich die einschlägige Seite auf, (www.dresdner-debatte.de), und was stand da? Ein 89seitiger Abschlussbericht. Mit allen Fakten, die ich in der Veranstaltung so schmerzlich vermisste, sauber aufbereitet. Im Text finden sich so interessante Sätze wie „Die überwiegende Mehrheit der Teilnehmenden sprach sich gegen einen Ausbau aus und forderte eine zweispurige Straße“. Ratet mal, um welche es geht.

 Ach Verwaltung, Deine Wege sind manchmal unergründlich.

Doch mein interner Betriebsrat hat heute schon „Feierabend“ gerufen. Deshalb gibt es in den nächsten Tagen noch einen zweiten Teil, „Die Ergebnisse der Dresdner Debatte zum VEP“. Hier, in diesem Theater. Das ist doch schön, oder?

An einem Sonntagabend.

Sie zieht das kurze Kleid an. Eine dicke Strumpfhose darunter, die wärmt und sieht sexy aus.
Sie geht in die Jazzbar im Viertel. Da ist ja immer jemand, und meist auch Musik auf der Bühne.
Sie behält recht. Etwas Gezupftes, Geblasenes, nett, nicht wirklich relevant. Genau das Richtige am Sonntagabend.
Sie wird angesprochen, klar. Kleid, Strumpfhose und blonde Mähne. Das funktioniert immer. Geplänkel.
Sie trinkt Wein. Dann Espresso. Dann wieder Wein. Macht man so.
Sie unterhält sich. Es wird spät. Mit einem kann man richtig reden. Sie tut es.
Sie erschrickt. Es ist halb zwei. Und morgen wieder das Büro.
Und dann doch noch eine Stunde Plaudern, im Mantel.
Sie geht.
Ein Sonntagabend, ganz normal.

Der leuchtende Pfad der wahren FDP und eine Freilandgurkentruppe für Deutschland

Das werden sie also sein, die uns im sächsischen Wahlkampf neben den Neo-Altnazis auf dem rechten Flügel begegnen werden:

Ein Haufen alter (oder auch junger) Naiver, die sich hinter lucky Lucke versammeln, um Deutschland im Allgemeinen und ihre Sparbücher im Besonderen zu retten.

Und ein Tross machetenschwingender Wirtschaftskrieger, die – endlich befreit von jedem menschelnden großbürgerlichen Westliberalismus – nun endlich mal das Darwinsche Erkenntnisgebäude live ausprobieren wollen.

 

Eigentlich, was beide aber vehement abstreiten würden, passen die ganz gut zusammen (von den Dritten im Bunde will ich es dann doch nicht behaupten). Zumal die Neugründung ja de facto Fleisch vom Fleische ist, aus einer Rippe der FDP gemacht, wenn auch beleibe nicht aus der schönsten. Und wenn man Zastrow et. al. so hört, spricht auch nichts gegen eine Wieder-Vereinigung, ganz ohne Zwang.

 Aber das steht noch nicht an. Später vielleicht, wenn die wahre FDP in hohem Bogen aus dem Landtag geflogen ist (und die AfD hoffentlich wieder eine hübsche 4,9 hingelegt hat (die B-Note zählt nicht)).

Aber dann ist wahrscheinlicher, dass Commandante Holger in den Untergrund des Marketings geht und nie wieder auftaucht daraus. Eine versemmelte Europawahl zuvor könnte man ja noch dem unlängst gekürten Spitzenkandidaten Krahmer in die Schuhe schieben (der zu nichts besser geeignet ist), aber danach gibt es keine Ausreden mehr. Und Nicht-Antreten als Klatschevermeidung scheidet auch aus.

Um den hinterlassenen Trümmerhaufen namens sächsische FDP müssen sich dann andere kümmern.

 Wahltaktisch kann man sich das vom grünen Hochsitz aus gelassen anschauen:

In Sachsen sind neben der Reinheitspartei CDU (die, um nun doch mal einen immerhin noch informell maßgeblichen FDP-Vertreter zu zitieren, „auch einen Altkleidercontainer aufstellen könne“ – und ich ergänze, dies in einigen Fällen wohl auch schon getan hat) alle klein, und wenn sich im Spektrum rechts der Mittelmäßigkeit noch mehr Bewerber tummeln, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass alle draußen bleiben.

(Parteientheoretisch ist das Problem auf der anderen Seite [„links“ hört man ja manchmal nicht so gern] allerdings sehr ähnlich, auch wenn man da auf eine größere Grundgesamtheit setzt.)

 Dennoch, liebe Freundinnenunfreunde, wäre es grundfalsch, die da drüben machen zu lassen und nun vorzugsweise auf die ohnehin schon mit ihrem hiesigen Personal gestraften Mitbewerber links einzudreschen. Die zerlegen sich schon selbst.

 Doch wenn der FDP und auch der AfD in Sachsen niemand etwas entgegenhält – die CDU um Vati Tillich wird das nicht tun, sondern schlicht versuchen, bis zum Wahltermin nichts Konkretes mehr von sich zu geben, das irgendjemand nicht gut finden könnte – hält man das irgendwann für Sachsenvolkes Stimme, und alles rutscht unweigerlich ein Stück nach rechts, im Gleichschritt marsch. Und dann haben wir zwar den linken Teich fast für uns allein, aber er dürfte dann nur noch wenig Wasser führen.

 Also:

Natürlich muss man die CDU stellen, wo man kann, auch wenn es oft dem Pudding-an-die-Wand-nageln ähnelt. Und ebenso natürlich muss man sich von den beiden „R“ abgrenzen, wo es notwendig ist.

Dennoch, „der Feind steht rechts“, um mal einen Klassiker zu zitieren.

 Zastrows kalter Darwinismus ist in Sachsen (und anderswo) ebenso wenig tauglich wie die deutschzentrierten Proseminarssprüche der Retter von rechts. Wer anders sollte diese frohe, notwendige Botschaft zum Volke bringen als die Grünen?

  

Ach ja, der „leuchtende Pfad“:

Der ist auch als sendero luminoso bekannt und war eine der berüchtigtsten Terrororganisationen in Lateinamerika. Wer ständig die Machete im Munde führt, muss sich nicht beklagen, wenn man ihn beim Wort nimmt.

 

Are you lonesome, too?

Ein perfekter Sonntagabend

Da sitzt einer – Heiko „Hesh“ Schramm, u.a. coloRadio-Macher – auf der kleinen Bühne vom Blue Note in Dresden-Neustadt.
Und singt. Und spielt. Auf elektrischen Gitarren. Irgendwo zwischen Tom Waits und Leonard Cohen.
Und erzählt. Über Literatur, amerikanische. Truman Capote und Norman Mailer, Ihr wisst schon. Und auch über Mrs. Rowlings ersten „Erwachsenen-Roman“.

Das Ganze fügt sich zu einem Gesamtkunstwerk.
Was will man mehr, an diesem ersten Dezembersonntagabend, von interessierten Stellen auch „erster Advent“ genannt?

Ein wundersamer Abend.

Wo die Donau am dreckigsten ist

Wo die Donau am dreckigsten ist

Ödön von Horváth, „Geschichten aus dem Wiener Wald“, Premiere in der Regie von Barbara Bürk und unter der Dramaturgie von Julia Weinreich am 23. November 2013 am Staatsschauspiel Dresden.

Mirsinmir, Part Two.

Gegen jede verkehrspolitische Vernunft soll nun also eine protokollgerechte Schneise durch die Neustadt geschlagen werden. Wenn dann doch mal ein Staatsbesuch aus Timbuktistan landet, da draußen in Klotzsche, kann er mit fröhlichem Blaulicht künftig nonstop zur Staatskanzlei kutschiert werden.

Mehr Nutzen fällt mir im Moment nicht ein, wenn ich mir den geplanten vierstreifigen Ausbau anschaue.

Aber jede Menge Schaden, subsummiert unter dem Verlust an Lebensqualität für Anwohner und Besucher.

Die Belegungszahlen sind seit der Eröffnung der „Waldschlösschenbrücke“ dramatisch gefallen, der Verkehr sucht sich seinen Weg über die Hauptrouten. Und dazu gehört die Königsbrücker Straße vom Albertplatz bis zur Kreuzung mit der Stauffenbergallee definitiv nicht.

 

Aber da die aktuelle Stadtratsmehrheit prinzipiell unfehlbar ist (Kleinigkeiten wie die Erneuerung der Albertbrücke mal ausgenommen), muss das nun so gebaut werden, wie es vor zwanzig Jahren mal geplant war: Eine vierstreifige Verkehrstrasse statt einer stadtteilgerechten Straße, natürlich auch streng richtlinienkonform mit Rad- und Gehwegen in Regelbreite. Das macht dann 27 Meter über alles.

 

Geschenkt, dass es auch viel schmaler ginge, knapp 14 Meter Verkehrsraum wären an den meisten Stellen möglich, der Rest stünde denen zur Verfügung, die wir ja alle mal sind: Den Fußgängern. Das wäre der erste Dresdner Boulevard der Neuzeit, ähnlich bereits in vielen europäischen Großstädten zu bewundern.

 

Aber wir sind hier in Dresden, wo Bräsigkeit gerne als Traditionsbewusstsein verkauft wird. Und da mögen die linksgrünen Spinner am Ende zwar recht behalten, aber wir von der Betonfraktion schaffen vorher Fakten.

 

Willkommen zurück in den Siebzigern, eine Zeitreise neuer Art. In Dresden ist nicht nur viel (neuer) Barock zu bestaunen, sondern auch eine Verkehrspolitik aus dem vorigen Jahrhundert. Das fing nicht erst mit der „Waldschlösschenbrücke“ an und dürfte mit dem anachronistischen Ausbau der Königsbrücker Straße nicht zu Ende sein, wenn sich an den Mehrheitsverhältnissen hier nichts ändert.

 

Schönes, armes Dresden. Du wirst so schlecht regiert, dass es einen grausen kann.

 

Ein wirklicher Volkstrauertag

Heute ist der Volkstrauertag.
Er geht ursprünglich auf das (formale) Ende des ersten Weltkriegs zurück, in der zweiten Novemberhälfte kapitulierte das Deutsche Kaiserreich endlich auch offiziell. Bis heute ist das genaue Datum französischer Nationalfeiertag.
Inzwischen hat der Tag aber an Bedeutung noch gewonnen, er gilt allen Kriegstoten, egal ob geplant/einkalkuliert oder kollateral. Oder sollte zumindest allen gelten.

Ich finde einen solchen Tag wichtig, und ich finde auch, es würde der Bundesrepublik Deutschland gut zu Gesicht stehen, einen solchen Gedenktag offiziell zu definieren, als ihn in einem Sonntag zu verstecken.

Wir haben den ersten Mai, das ist in Ordnung.
Wir haben auch „Christi Himmelfahrt“, der immerhin ein knappes Drittel der Bevölkerung betrifft.
Wir haben auch den Tag der Deutschen Einheit, der ist ganz für uns.

Einen „richtigen“ Gedenktag an die Opfer der Kriege, den haben wir allerdings nicht.
Wie wäre es mit dem 1. September? Immerhin begann 1939 da der für Europa verlustreichste Krieg der Geschichte.

Und, liebe Arbeitgeberverbände: Dafür würde ich auch gern auf den „Vatertag“ verzichten.

Zweifach sind die Phantasien

Die Kunst hilft gegen alles