Mirsinmir, Part Two.


Gegen jede verkehrspolitische Vernunft soll nun also eine protokollgerechte Schneise durch die Neustadt geschlagen werden. Wenn dann doch mal ein Staatsbesuch aus Timbuktistan landet, da draußen in Klotzsche, kann er mit fröhlichem Blaulicht künftig nonstop zur Staatskanzlei kutschiert werden.

Mehr Nutzen fällt mir im Moment nicht ein, wenn ich mir den geplanten vierstreifigen Ausbau anschaue.

Aber jede Menge Schaden, subsummiert unter dem Verlust an Lebensqualität für Anwohner und Besucher.

Die Belegungszahlen sind seit der Eröffnung der „Waldschlösschenbrücke“ dramatisch gefallen, der Verkehr sucht sich seinen Weg über die Hauptrouten. Und dazu gehört die Königsbrücker Straße vom Albertplatz bis zur Kreuzung mit der Stauffenbergallee definitiv nicht.

 

Aber da die aktuelle Stadtratsmehrheit prinzipiell unfehlbar ist (Kleinigkeiten wie die Erneuerung der Albertbrücke mal ausgenommen), muss das nun so gebaut werden, wie es vor zwanzig Jahren mal geplant war: Eine vierstreifige Verkehrstrasse statt einer stadtteilgerechten Straße, natürlich auch streng richtlinienkonform mit Rad- und Gehwegen in Regelbreite. Das macht dann 27 Meter über alles.

 

Geschenkt, dass es auch viel schmaler ginge, knapp 14 Meter Verkehrsraum wären an den meisten Stellen möglich, der Rest stünde denen zur Verfügung, die wir ja alle mal sind: Den Fußgängern. Das wäre der erste Dresdner Boulevard der Neuzeit, ähnlich bereits in vielen europäischen Großstädten zu bewundern.

 

Aber wir sind hier in Dresden, wo Bräsigkeit gerne als Traditionsbewusstsein verkauft wird. Und da mögen die linksgrünen Spinner am Ende zwar recht behalten, aber wir von der Betonfraktion schaffen vorher Fakten.

 

Willkommen zurück in den Siebzigern, eine Zeitreise neuer Art. In Dresden ist nicht nur viel (neuer) Barock zu bestaunen, sondern auch eine Verkehrspolitik aus dem vorigen Jahrhundert. Das fing nicht erst mit der „Waldschlösschenbrücke“ an und dürfte mit dem anachronistischen Ausbau der Königsbrücker Straße nicht zu Ende sein, wenn sich an den Mehrheitsverhältnissen hier nichts ändert.

 

Schönes, armes Dresden. Du wirst so schlecht regiert, dass es einen grausen kann.

 

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4 Kommentare

  1. Frank

    Ich kann das Thema „Königsbrücker“ schon seit vielen Jahren nicht mehr ernst nehmen. Sobald in der Neustadt ein Thema aufkommt, in dem Wörter wie „bauen“, „Straße“ oder gar „Stadt“ (also CDU) auftauchen, ist man ja als Neustädter erst mal automatisch dagegen. Das betrifft witzigerweise auch alle Leute, die gerade frisch nach Dresden gezogen und in der Neustadt gelandet sind. In anderen Teilen der Stadt hat man in den letzten Jahren einfach so verschiedene Straßen saniert (bei uns in Striesen z.B. die Schandauer Str. ), dort sind alle zufrieden darüber und keiner redet anprangernd von Stadtautobahnen, obwohl es teilweise genauso oder noch breiter ausfiel als die geplante „Schneise durch die Neustadt“. Dass aber auch die meisten Neudtadtbewohner ein Auto haben, dass die „Köni“ nicht den Neustädtern gehört und keine romatische Flaniermeile ist, dass weniger Schadstoffe frei werden, wenn der Verkehr wenigstens rollen kann, statt ständig im stop-and-go zu stehen, dass auch Radfahrer nach einer Sanierung bessere Bedingungen hätten … na egal.

    Ich finde es aber okay, dass nun diese Petition eingereicht wird, die hoffentlich alles noch ein paar weitere Jahre verhindert. Mal sehen, wie lange sich dieses Experiment noch verlängern lässt und wie viel Spaß man als Zyniker damit noch gewinnt. Zum Glück muss ich nur dort selten lang.

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