Kategorie: Dresden
Sehr geehrter Herr Zastrow …
[Die Vorgeschichte ist sicher hinreichend bekannt. Heute veröffentlichte Herr Zastrow, u.a. Fraktionsvorsitzender der FDP im Dresdner Stadtrat, ein Pressemitteilung zum Thema, auf die im Folgenden Bezug genommen wird. Der Text ging auch als mail an die FDP Dresden.]
Sehr geehrter Herr Zastrow,
zunächst danke ich Ihnen, dass Sie sich auch weiter aktiv an der Diskussion um die aktuelle Situation der Albertbrücke beteiligen, während von anderen, die am (Nicht-) Zustandekommen des Stadtratsbeschlusses vom 11. Juli beteiligt waren, derzeit wenig zu lesen ist.
Ihre Pressemitteilung von heute (24.07.13) wirft für mich allerdings einige Fragen auf, die ich Ihnen hiermit stellen möchte. Ich erlaube mir dazu, Ihre PM zu zitieren:
Z: Warum ausgerechnet jetzt, wenige Tage nach dem Stadtratsbeschluss, die Betriebserlaubnis erlöschen sollte und nicht bereits 2011, als die Brücke in genau dem gleichen schlechten Zustand wie heute war und die Sanierung durch die Straßenbauverwaltung bewusst und eigenmächtig verschoben wurde, ist nicht plausibel.
Ist Ihnen der aktuelle Prüfbericht zum Bauwerk bekannt? Dort wird einem Weiterbetrieb der Brücke (nur) unter Hinweis auf die im September 2013 beginnende Sanierung zugestimmt. Da dies nun nicht geschieht, entfällt die Grundlage dafür, es sind entweder Sofortmaßnahmen zur Sicherung durchzuführen oder die Anlage außer Betrieb zu nehmen. (Vgl. Antwort von Bürgermeister Lehmann auf eine Anfrage der Stadtratsfraktion der LINKEN vom 18.07.13, AF2308/13)
Z: Offenbar passt einzelnen Verwaltungsmitarbeitern die Entscheidung des Stadtrates nicht und sie verfolgen, wie bei so vielen anderen Projekten in den vergangenen Jahren auch, ihre ganz persönlichen Interessen – zum Schaden der Stadt.
Welche „persönlichen“ Interessen könnte ein Verwaltungsmitarbeiter mit einem ganz bestimmten Bauablauf verbinden? Meinen Sie eher eine andere fachliche Auffassung, die man einem solchen Mitarbeiter dank seiner Ausbildung und beruflichen Erfahrung auch zugestehen sollte, unabhängig von der Form der Durchsetzung?
Z: Ich bitte die Oberbürgermeisterin eindringlich, für Ordnung in ihrer Verwaltung zu sorgen und das Dienstrecht durchzusetzen.
Stimmen Sie mir zu, dass eine Verwaltung auch für die Durchsetzung fachlicher Auflagen verantwortlich ist und zudem für die Sicherheit der städtischen Bauwerke zu sorgen hat?
Z: Der Stadtrat hat … sich klar für eine Offenhaltung der Brücke für alle Verkehrsteilnehmer ausgesprochen. Diese Variante ist die verkehrsorganisatorisch und finanziell sinnvollste Lösung für die Stadt, …
Wie definieren Sie „klar“ in diesem Zusammenhang?
Ist Ihnen bekannt, dass bei der anstehenden Umplanung die Straßenbahn im Schienenersatzverkehr zu führen sein wird, da anders kein sinnvoller und unter den gesetzten Randbedingungen wirtschaftlicher Bauablauf möglich wäre? Werden Sie dann wieder Einspruch erheben, da die Brücke erneut nicht für alle Verkehrsteilnehmer offengehalten wird?
Welche verkehrliche Funktion messen Sie der in Kürze in Betrieb gehenden Waldschlösschenbrücke zu, wenn diese offenbar aus Ihrer Sicht nicht geeignet ist, den Kfz-Umleitungsverkehr auf der östlichen Brückenseite aufzunehmen?
Z: … weil sie …die Stadtkasse als auch den Etat der DVB um viele Millionen Euro entlastet und durch andere Bauvarianten entstehende finanzielle Risiken ausschließt.
Sie unterstellen offenbar einen Fördersatz von 90% durch den Freistaat Sachsen für die nunmehr zu planende Variante.
Worauf gründet sich diese Annahme, da die Albertbrücke nicht zum übergeordneten Straßennetz gehört und die Förderrichtlinien des Freistaats dafür einen solchen Fördersatz nicht zulassen? Gehen Sie von einer „politischen Entscheidung“ im SMWAV aus? Welche Sicherheit gibt es für die LH Dresden, dass es zum Zeitpunkt der Fördermittelbewilligung keine andere Konstellation an der dortigen Hausspitze gibt? Wer käme dann für die fehlenden Millionen auf? Und wie begründen Sie dieses Vorgehen z.B. gegenüber Ihren Parteifreunden im restlichen Sachsen, aber auch gegenüber allen anderen Bürgern des Freistaats, die für die Mehrkosten der aktuellen Variante aufkommen sollen?
Wo sehen Sie die Entlastung der DVB um „viele Millionen“? Gehen Sie davon aus, dass ein jahrelanger Schienenersatzverkehr preiswerter ist als die Führung der Straßenbahnen auf der normalen Route? Und wie erklären Sie den in Summe Hunderttausenden betroffener Fahrgäste den täglichen Zeitverlust?
Und schließlich: Worin bestehen für Sie die (besonderen) finanziellen Risiken einer durchgeplanten und vergabereifen Bauvariante?
Sehr geehrter Herr Zastrow,
ich würde mich freuen, Antworten auf meine Fragen zu erhalten.
Mit freundlichen Grüßen,
Die Seeeds-Gelegenheit
Ein SEEED-Konzert bei den „Filmnächten am Elbufer“ Dresden, 19. Juli 2013
Man könnte auch dies als Zufall bezeichnen. Überraschend bot man mir in der letzten Woche eine Karte für das längst ausverkaufte Konzert an, da hab ich schnell zugegriffen. SEEED waren mir in der Masse der einschlägigen Bands schon oft durch ihren besonderen Bläsersound und ihre gelegentlich grandiosen Texte aufgefallen, ihr Front(?)mann auf Solopfaden nicht minder. Also warum nicht? Und was ist schon Zufall im Leben?
Der Schwarzmarkt vor dem Tor brummt, auch die Wiesen sind bereits gut gefüllt. Wahrscheinlich sitzt man draußen sogar besser, wenn man den Anblick von verschwitzten Herren nicht unbedingt braucht.
Nach dem Einlass wird mir eine Patschehand mit dem Logo eines immer sprungbereiten Radiosenders aufgedrängt, von dessem Programm ich gewöhnlich Pickel kriege. Aber ich verweigere tapfer, meine zwei gesunden Hände reichen für meine Bedürfnisse völlig aus. Als ich später feststelle, dass man sich auf das Pappding auch draufsetzen könnte, ist es zu spät.
An sich hielt ich es für ausreichend, kurz nach sechs im Areal zu sein. Denkste. Ein schäbiger Seeedsplatz in der fast untersten Reihe, das bleibt ein wenig hinter meinen Versprechungen für die später erscheinende charmante Begleitung zurück. Sie wird mir hoffentlich vergeben.
Die „Filmnächte“ sind nicht so meins, zu viel Mainstream, auch wenn die Idee an sich grandios ist. Klar, das im Schnitt zweimalige Auf- und Abbauen pro Saison muss bezahlt werden, und die Top-Acts der deutschen Volksmusikszene wie Unheilig oder PUR kosten auch Geld. Dass die Ärzte und die (Un) Toten Hosen hier die letzten Pflöcke für die Altersvorsorge einschlagen, kann man ihnen nicht verübeln, und auch andere Senioren wie Mark Knopfler dürfen heuer ran.
Das Filmprogramm ist eher UCI-Niveau, also von ergreifender Schlichtheit, aber es gibt Ausreißer nach oben. Und dass das Deutschlandradio Kultur die Vor- und Nachbeschallung verantwortet, sehe ich als Unstetigkeitsstelle, ebenso wie das heutige Konzert. Hoffe ich zumindest.
Das Radio bringt zumindest erstmal gute Musik unters Volk, Mr. Cash mit seinen Spätwerken, „Hurt“ usw., ich fühl mich zuhause. Die „Jump“-Wedel verlieren deutlich an Farbe.
Ich muss übrigens noch gestehen, dass die Überschrift dieses Berichts geklaut ist, aus einem Song der wunderhübschen Dauer-Lolita Anett Louisan, von der ich früher noch begeisterter war, als ich noch glaubte, dass sie ihre Texte selber schriebe.
Es zieht sich trotz der guten Musik, und es füllt sich. Mein Sitzplatz ist inzwischen sichteingeschränkt, vier Mädchen-Po’s hab ich in Augenhöhe, was im Moment unpraktisch ist, die Dame wird mit mir schimpfen. Immerhin sinkt die Sonne und ein Wind kommt auf.
Ich versuche mich an einer Publikumsbeschreibung (nicht –beschimpfung): Im Schnitt fünfundzwanzig plus dreißig minus zehn Jahre alt, erlebnisorientiert, häufig großflächig tätowiert, zum Teil übergewichtig, oft in gemischtgeschlechtlichen Grüppchen auftretend. Viele Dialekte aus den sächsischen Provinzen, was erstmal gar nix zu bedeuten hat.
Ein uncool pünktlicher Beginn, dumpfer Sound, musikalisch unaufregend, trotz des Bläsersets. Es tut einer wie James Brown da vorn. Ist das die Vorband? Zum Glück ja. Das stand zwar nirgendwo, ist aber tröstlich. Hab schon gefürchtet, es wären die Echten.
„Das Paradies ist schöner als Paris“, aha, hätten wir das auch geklärt. Singt lieber englisch, Leute.
An der Brüstung der Brühlschen Terrasse prangt plötzlich ein Plakat: „Alin, willst Du mich heiraten?“ Eine SMS der klassischen Art. Die Antwort der Dame bleibt uns leider verborgen, sie hat wohl kein „Vielleicht“ in dieser Grösse dabei und wir sind ja ohnehin auf derselben Elbseite.
Der Mannschaftsbus des 1. FC Köln passiert uns auf der Carolabrücke, der Sänger macht seine verbalen Peinlichkeiten zumindest teilweise mit zwei hübschen Soulnummern zum Schluss wett. Den Namen der neunköpfigen Kapelle hab ich nicht verstanden, wen es interessiert, der muss halt nachschlagen.
Das liebevolle Transparent ist inzwischen schon wieder eingeholt worden, das Ergebnis steht morgen bestimmt beim Medienpartner BILD.
Übrigens, ich soll schreiben, dass man mit dem hier feilgebotenen Chardonnay Menschen jagen könne. Aber gerne doch.
Zum Bühnenumbau wird ein Schwarzer Vorhang, äh, vorgehängt, wie der Name schon sagt. Das hat Stil.
Das sich dann zeigende Bühnenbild ist der Hammer. Ganz großes Theater. Holzpodeste, drei Ebenen, und alle Musiker korrekt gekleidet. Fein.
Ein fetter Sound läutet ein. Dreizehn Männer und die geballte Kraft der PA. Mit genretypisch abgehakten Bewegungen, aber sonst gut zu Fuß, die Jungs in der ersten Reihe. Hier funktioniert die Troika offenbar, auch die Choreographie.
Vier Bläser, wer hat die schon? Satt, fett, soulig, gut. Es marschiert.
Nach einer halben Stunde ermüdet der immergleiche Erfolgsrythmus allerdings etwas. Zwar ist das Bemühen hörbar, auch andere Grundtakte zu schlagen, doch die zünden nicht ganz so. Es längt ein wenig.
Mit einem geilen Cover (dem mit dem Gewehrmagazin) wird es aber wieder bunter, dann „Dickes B“, da kann nichts schiefgehn. Die Elbe kocht.
Eine Neuvertonung von „Alles Neu“, etwas schaumgebremst. Zum Glück geht man dann zum Original über.
Höhepunkt: vier Trommler kommen hinzu. Jetzt sind es 17 auf der Bühne, wenn auch kein Hippie dabei ist.
„Blingbling“, aus verschiedenen Gründen mein Lieblingsstück, ist perfekt getanzt, nicht nur. Ach ja … Dann ein bisschen Publikumsdressur, das funktioniert natürlich gut hier, in der Ex-DaDaR. Aber es geht sofort in illuminierte Romantik über, alles wieder gut.
Die Choreographie der Trommelstöcke ist beeindruckend. Tanzende Mengen vor und auf er Bühne bis zum vorläufigen Schluss.
Dann die Zugabe, klar, wieder mit den Trommelmännern. Die haben es echt drauf.
Die erste Reihe der Band tänzelt derweil wie die Las Vegas Dream Boys mit was an, alle Achtung.
Und dann „Gute Nacht Dresden“.
Und Guten Morgen Berlin. Du kannst großartig sein. Wenn Du als SEEED daherkommst.
Von fahrlässig kann keine Rede sein
Die aktuellen Fakten zur Albertbrücken-Sanierung
Drei Tage ist es nun her, dass der Dresdner Stadtrat (mit einem Unentschieden) das laufende Projekt zur Sanierung der Albertbrücke gestoppt und eine Neuplanung mit durchgängiger Befahrbarkeit für den Kfz-Verkehr während der Bauzeit der Verwaltung aufgetragen hat. Meine heiße Wut hat sich in kalte verwandelt, und mit diesem Schwung will ich den Menschen außerhalb Dresdens erklären, was hier eigentlich los ist.
Die Albertbrücke, ein historisches Bauwerk mit Sandsteingewölben, verbindet seit 1877 die Dresdner Stadtteile Johannstadt und Neustadt. Sie quert dabei die Bundeswasserstraße Elbe und einen knapp hundert Meter breiten Überflutungsbereich. Eine grundhafte Sanierung hat sie nie erfahren, der letzte Prüfbericht wies die Zustandsklasse 4 (5 bedeutet einsturzgefährdet und sofort zu sperren) aus, wobei diese Note nur erteilt wurde, weil zum Zeitpunkt der Prüfung von einer Sanierung ab September 2013 ausgegangen wurde.
Die Erneuerung wird seit Jahren vorbereitet, wozu in 2011 auch eine Hilfsbrücke für Fußgänger und Radfahrer errichtet wurde. Die Fußwege des Bestandsbauwerks sind seitdem gesperrt. Dass auch diese Hilfsbrücke dank ihrer Billigstbauweise von Anfang an umstritten war, sei nur am Rande vermerkt. Interessant aber das Argument von damals, dass die Hilfsbrücke ja ohnehin nur zwei Jahre stehen solle. Diese sind inzwischen fast um, aber ein Nutzungsende ist nicht (mehr) absehbar.
Die planerisch fertiggestellte, ausgeschriebene und inzwischen vergabereife Variante des Baus sah vor, innerhalb einer 21monatigen Bauzeit die Brücke komplett für den Kfz-Verkehr zu sperren und lediglich die Straßenbahn eingleisig durch das Baufeld zu führen. Mit der vierstreifigen Carolabrücke und der zum Baubeginn in Betrieb befindlichen Waldschlösschenbrücke hätten dabei zwei leistungsfähige Umleitungstrassen für den Individualverkehr zur Verfügung gestanden.
Ende Mai 2013 zog Frau OB Orosz plötzlich den Planfeststellungsbeschluss zur Behelfsbrücke hervor und wollte daraus lesen, dass man die Albertbrücke gar nicht für den Kfz-Verkehr sperren dürfe. Was Frau Orosz von Beruf ist, weiß ich leider nicht, aber mit der Juristerei kann es nicht zu tun haben. Nach einigen Tagen verschwand das Thema wieder von der Bildfläche, aus heutiger Sicht muss man den Vorstoß als versuchten Bluff bezeichnen.
Doch man (eine informelle Koalition aus FDP, CDU und anderen Autorechtsaktivisten) hielt am Ziel fest, das Projekt zu kippen und besann sich seiner Machtmittel. Ein ersten Vorstoß im Stadtrat konnte noch knapp abgewehrt werden, woraufhin Frau Orosz ihr Veto einlegte und eine Neuabstimmung erzwang. Dabei fiel nun ein „freier Wähler“ (Franz-Josef Fischer, man muss sich den Namen aber nicht merken) um, damit wieder Unentschieden, diesmal aber zugunsten Zastrow (FDP-Bundesvize, MdL und Stadtrat) & Co..
Es wird nun also nicht gebaut ab September, es ist neu zu planen. Die geschlossenen Verträge für Bauüberwachung, Bauoberleitung und diverse Nebengewerke sind aufzulösen, die Bau-Ausschreibung ist aufzuheben (die bietenden Firmen haben laut Vergaberecht Anspruch auf Ersatz ihrer Kosten) und irgendwann neu zu veröffentlichen. Mit viel Glück verzögert sich der Baustart nur um ein Jahr, allerdings dauert das Ganze dann auch nochmal mindestens sieben Monate länger.
Das Straßen- und Tiefbauamt hat nun das Problembauwerk noch ein weiteres Jahr in der Unterhaltslast und freut sich sicher schon auf den nächsten Winter. Um die Verkehrssicherungspflicht auf und (vor allem) unter der Brücke beneide ich niemanden.
Das Hauptargument neben der „unzumutbaren“ Straßensperrung waren bislang immer die Kosten. Nach den aktuellen Zahlen betragen die Baukosten in der „Straßenbahnvariante“ 25,4 Mio. Euro, bei der „Auto-Variante“ hingegen 28,7 Mio. Euro. Ja, man liest richtig, die zweite Variante ist 3,3 Mio. Euro teuerer.
Spinnen die, die Dresdner? Nicht, wenn man einer sehr speziellen Haushaltslogik folgt: Für die „Auto-Variante“ hat das FDP-geführte Wirtschafts- und Verkehrsministerium des Freistaats 90% Förderung „“in Aussicht gestellt“, für die andere lediglich 75%. Unabhängig davon, wie verbindlich diese Ankündigung sein mag (es existiert m.W. nicht mal ein Schreiben des SMWAV dazu) und wie sich die Mehrheitsverhältnisse Ende 2014 im Landtag gestalten, hat man offenbar zum Taschenrechner gegriffen und ausgerechnet, dass die Landeshauptstadt (!) Dresden einen um 3,5 Mio. Euro geringeren Eigenanteil tragen müsse, wenn man autogerecht baut.
Zwar ist es seit Jahrhunderten Tradition in Sachsen, dass in Chemnitz erarbeitet, in Leipzig gehandelt und in Dresden verprasst wird, aber muss man das denn so deutlich zeigen? Nein, die „ersparten“ 3,5 Mio. fallen nicht vom Himmel, sondern kommen aus dem Haushalt des Freistaats, der von seinem Steuervolk (übrigens auch dem Dresdner) gespeist wird, neben den Transferleistungen u.a. aus wirtschaftlich so starken Regionen wie dem Ruhrgebiet oder Nordhessen.
Wie schamlos muss man sein, das seinem Wahlvolk als kluge Politik zu verkaufen? Besitzen die Damen und Herren ein Grundgesetz? Und haben sie es auch gelesen? Und waren sie bei ihrem Amtseid auch geistig anwesend?
Nochmal im Klartext: Die LH Dresden greift unter Beihilfe eines FDP-Ministers (Sven Morlok, auch das lohnt nicht zu merken) tief ins sächsische Steuersäckel und entzieht dem Gemeinwesen aus wahltaktischen Gründen dreieinhalb Millionen Euro. Nicht anders kann man die Motivation bezeichnen, nachdem sich Zastrow et al. derart weit hinauslehnten im Vorfeld, dass die CDU sie nicht mehr fallenlassen konnte und wollte. De facto werden Stadt und Land also von einer kleinen Gruppe bekennender Egoisten regiert, deren Stimmen für den Machterhalt der CDU zu wichtig sind, als ihnen solche kleinen Wünsche abzuschlagen.
Nach der Klatsche im Pfarrer-König-Prozess hätte die Staatsanwaltschaft hier eine gute Gelegenheit, verlorene Reputation zurückzugewinnen und zu beweisen, dass der Freistaat Sachsen keine Bananenrepublik ist.
Aber wie geht es nun weiter?
• Die beteiligten Ingenieurbüros freuen sich über einen lukrativen Anschlussauftrag und schreddern die alten Pläne.
• Die beauftragte Bauüberwachungsfirma lässt sich entschädigen.
• Der städtische Brückenmeister meldet einen Haushaltsmehrbedarf an oder lässt sich gleich pensionieren.
• Die Sächsische Bau GmbH, die Fa. Hentschke und andere schicken Rechnungen über verlorene Kalkulationsaufwendungen an die Stadt (wenn sie sich trauen).
• Die Kapitäne der „Weißen Flotte“ fahren nur noch mit Helm unter der Brücke durch, das (Bundes-) Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt stellt sich auf eine Vollsperrung der Elbe ein, Bundesverkehrsminister Ramsauer (oder wer immer dann im Amt sein wird) ist not amused.
• Falls auch die Straßenfahrbahn der Brücke gesperrt wird, bemerkt man mit Erstaunen, dass die benachbarten Brücken ohne Weiteres die Verkehrsmenge aufnehmen können.
• Nur die DVB hat dann die A-Karte, der Busnotverkehr kostet Millionen.
• Es wird eine umgehende Sanierung unter Totalsperrung angeordnet, die wegen der Beschleunigungskosten und einer in diesem Falle denkbaren freihändigen Vergabe am Ende mehr als 30 Mio. Euro kosten wird.
Selbst wenn nicht jeder dieser Punkte eintritt: Schon wenige davon reichen aus, um selbst den Pseudo-Vorteil für die Stadt Dresden hinfällig werden zu lassen. Und der Verlierer steht von vornherein fest: Die Gesellschaft.
Zur Untersetzung: Die DVB beziffert ihre Mehraufwendungen bislang mit 1,6 Mio. Euro, Geld, das im Rahmen der Querfinanzierung von den Technischen Werken Dresden kommen wird, einer 100%-Tochter der Stadt Dresden. In den Aufsichtsräten dieser Gesellschaften sitzen neben OB Orosz noch einige, die am Zustandekommen dieser Entscheidung beteiligt waren und sich nun fragen lassen müssen, ob sie sich nicht im Sinne des Aktiengesetzes strafbar gemacht haben. Aufsichtsräte sind dazu da, Schaden vom Unternehmen abzuwenden und nicht diesem in die Tasche zu greifen …
Der Landesrechnungshof des Freistaats Sachsen ist als akribische Prüfstelle bekannt, fast berüchtigt. Es ist zu hoffen, dass diese Vorgänge in Chemnitz nicht unbeobachtet bleiben.
Es fällt mir schwer, ein einigermaßen sachliches Fazit zu ziehen. Ein unglaublicher Vorgang ist zu konstatieren, der drastisch beleuchtet, wie die Regierungsparteien in Sachsen mit ihrer Verantwortung umgehen und dem Gemeinwohl schaden.
Von Fahrlässigkeit kann dabei keine Rede sein, ich plädiere auf Vorsatz.
Und immer lockt das Grübchen
„Eine für Alle“, ein Sommertheaterspektakel von Peter Förster, gesehen am 12. Juli 2013 im Bärenzwinger Dresden (Premiere)
In letzter Zeit häuft es sich mit den Zufällen. Diesmal war ich bei der von mir erwählten Veranstaltung genau eine Woche zu früh erschienen, und bei der Suche nach Alternativen für den angebrochenen Frühabend stieß ich auf Försters Sommertheater, das ich in den letzten Jahren schon mehrfach goutierte. Dass heute auch noch Premiere war, dafür kann ich nun wirklich nichts.
Das Publikum zur letztlich ausverkauften Uraufführung hebt sich dann doch von jenem ab, was man aus dem Schauspielhaus gewohnt ist. Im Schnitt zehn Jahre jünger, mindestens, der Tautologie auf der Programmkarte, dass die Fläche überdacht sei und man (trotzdem?) bei Regen spiele, hätte es gar nicht bedurft.
Der Titel zielt auf die niederen Instinkte bei weitem nicht nur des männlichen Publikums, und das ist gut so. Wenn das Niveau erstmal unten liegt, kann es nur noch aufwärts gehen.
Schon zum zehnten Male stehe er hier zum ersten Mal auf der Bühne, sagt ein quirliger, sympathischer Peter Förster. Respekt. Auch sonst ist er sehr unterhaltsam. Warum spielt er eigentlich nicht auch selbst?
Artig lobt er die Sponsoren und heißt die Presse willkommen, die in großer Zahl erschienen ist. Es ist unverkennbar ein Heimspiel, das Publikum jubelt schon beim Warmmachen.
Es beginnt, etwas simpel vielleicht am Anfang. Viel wird über die Differenz zwischen drei Musketieren (nach dem Titel von Dumas) und vier Darstellern philosophiert, dabei ließe sich das leicht erklären. Welcher Schriftsteller bringt schon eine Schlusspointe im Titel unter? Aber sei es drum, auch dem Bildungsauftrag wird Genüge getan, der Name kommt vom Muskete tragen. Dass wir es mit einem Mantel-, Degen- und Intrigenstück zu tun haben, hätte eine Erwähnung nicht gebraucht.
Gott erlaube auch das Abhören, wenn es in seinem Interesse sei, sagt ein glänzend gespielter Kardinal Richelieu, Yes We Can. Und geht flugs ans Werk, um – über Bande spielend – erst die Königin Anna mit ihrem Liebhaber und Staatsfeind Buckingham zu desavouieren und damit dann den König zu stürzen. Lady de Winter ist seine Mata Hari, auch jene gut aufgelegt. Man bekommt eine Kurzeinweisung in den europäischen Hochadel zu Zeiten Louis Treize, hier werden Länder geheiratet.
Buckingham (und doppelrollig Porthos) lässt die Erinnerung an Monty Python wach werden, er kann nicht nur unglaublich dämlich gucken. Und beklagt sich über 10 Downing Street, jenes Reihenhaus, in das er als erster Staatsdiener ziehen müsse. Amüsant, das Ganze, es macht Spaß zuzusehen.
Nun wird auch das Rätsel des Stücktitels gelöst. „Eine für Alle“ ist einfach die gendergerechte Form. So einfach kann das manchmal sein. Über „EineR für Alle“ sind wir inzwischen hinaus.
Die drei (!) Musketiere haben zwar kein Programm, aber den festen Willen zum Heldentum. Eine leichte Beute für d’Artagnan, der hier als Revolutionsführer daherkommt und die Mannschaft erstmal ideologisch aufrüstet. Anzeichen von Abweichlertum bekämpft der Gascoigner mit der berühmten Frage, ob man wohl – sinngemäß – nicht für den Frieden sei.
Richelieu hat inzwischen bei seiner schönen Spionin Mühe, dem Zölibat (und damit Gott?) treu zu bleiben, da hilft nur Selbstkasteiung.
Die Texte sind übrigens sehr schön in Versform gebracht, das ist erbaulich.
Affairen müssen geheim bleiben! Deswegen schickt Anna, die in einem schwachen Moment dem Buckingham (unter anderem) ihre Diamanten überließ, die Musketiere aus, sie zurückzuholen, ehe das Fehlen bemerkt wird. Diese dienen zwar dem König, aber d’Artagnan ist dialektisch geschult und bestätigt den Nutzen für die Staatsräson. Außerdem fordert er die Verstaatlichung aller persönlichen Geheimnisse und ist damit seiner Zeit weit voraus.
„Eine kriegt Alle“ hätte es auch heißen können, wenn Anne die Muskeltiere (wie ich als Kind immer mangels besseren Wissens sagte) becirzt.
Aber auch Lady Winter wittert ihre Chance und reist gen Calais. Pause.
Es ist sicher schwer, aus diesem Stoff noch etwas Neues herauszuholen, aber das muss ja auch nicht zwingend sein. Bislang ein flott gespieltes, unterhaltsames Stück, das auch reichlich aktuelle Bezüge bietet.
Shakespeare, der nach dem Untertitel ja auch im Rennen ist, kommt allerdings kaum zur Geltung. Aber wie der Impresario in der Pause die leeren Gläser wegräumt und noch einen Stuhl heranschleppt … so muss Theater zu Shakespeares Zeiten gewesen sein.
Zudem ist es angenehm locker in der Pause, selbst die Schauspieler reihen sich in die Rauchergrüppchen vor der Tür ein.
Der Einstiegsgag mit „Versailles1700“ gefällt mir sehr. Die Motive heute und früher ähneln sich sicher.
Dann wird es handlungstechnisch etwas unübersichtlich. D’Artagnan wird dank einer zufällig übergestreiften Robe von allen für den König gehalten, naja. Immerhin bringt er die Diamanten zu Tage und schließt damit die offene Flanke in der königlichen Ehre. Bevor er allerdings richtig Gefallen an seiner neuen Rolle finden kann, sperrt ihn Richelieu weg. Dabei wollte er doch nur seine eigene Gattin konkukomprimieren? Was alles so verboten ist.
Deswegen muss er dann als Hannibal Lector auftreten, eine eiserne Maske ziert sein Antlitz. Ab in den Keller zur Feuerzangenbowle ohne Bowle.
Buckingham tauscht inzwischen die Diamanten gegen eine kleine Geschichtskorrektur und seinen Job für eine Stelle in der königlichen Garde ein. Dem muss ja echt was an der Dame liegen.
Wie kriegen wir den Kuddelmuddel nun dramaturgisch zu Ende? Relativ elegant. Der echte König erscheint (er war nur kurz mal zur Therapie) und übt Gerechtigkeit, enttarnt das fiese Streben des Richelieu, buchtet jenen mit Maske ein und befördert den Helden d’Artagnan zum Musketier des Königs.
Wie die interessante Dreiecksgeschichte mit Anna und dem Buckingham weitergeht, bleibt uns allerdings verschlossen.
Jubelndes Publikum zum Schluss, viele virtuelle Vorhänge, auch Peter Förster kann sich seinen verdienten Beifall abholen. Ein schönes Stück sommerliches Theater, leicht und erfrischend wie ein Roséwein. Ich nehm noch ´n Glas. Bis Ende August hat der Ausschank noch offen, sechs Tage pro Woche en suite.
PS: Blöderweise hab ich die Programmkarte liegenlassen, einem Profi wär das nicht passiert. So kann ich die Namen der durchweg guten Schauspieler nicht erwähnen, was mir leid tut, aber Gelegenheit gibt, auf die Internetpräsenz hinzuweisen:
http://www.Kammerspiele-Dresden.de
Ein Wutschrei zur Dresdner Stadtpolitik
Wir wollen Euch nicht mehr!
Viel zu lange haben wir Euch schon ertragen:
Dich, Mutter Oroschina, die Du als eine Art Provinz-Merkel meistens schlummerst und nur dann zubeißt, wenn die Vernunft sich doch einmal durchzusetzen scheint.
Dich, Ordnungs-Sittel-Büttel, dem die barocke Ruhe heilig ist und sonst nichts.
Dich, Bau-Murks-Marx, der Du noch jedes Projekt versemmelt hast und immer noch so fröhlich grinst.
Dich, Finanzen-Nachpaul, dem die aktuellen Kontoauszüge wichtiger sind als die Zukunft der Stadt und trotzdem als Fachmann giltst.
Dich, Kultur-Luna-Mond, der Du die Beliebigkeit verkörperst und verwaltest.
Dich, Sozial-Seidel-Faden, der Du die Sozialgesetze vor allem als Erziehungsinstrument ansiehst.
Dich, Wirtschafts-Dilbert, der Du zwischen allen Stühlen sitzt und trotzdem gerne OB wärest.
Euch, CDU-Fraktion, die Ihr Euch an der Macht berauscht und gerne allen zeigt, wo der Hammer hängt.
Euch, FDP-Abgeordnete, die Ihr Euch als Speerspitze des Egoismus begreift und das gerne von sächsischen Ministern untermauern lasst.
Euch, „freie“ und fraktionslose Abgeordnete, die Ihr Euer Abstimmungsverhalten von der eigenen Karriereplanung abhängig macht.
Euch alle haben wir satt. Geht in Frieden, aber geht!
Wir haben keine Chance. Vielen Dank.
„Koma“, ein Stück der „die bühne – Theater der TU Dresden“, Regie Romy Lehmann, gesehen am 25.06.13 in der Groovestation Dresden
Die Überschrift gibt die letzten Worte des Stücks wieder, die von allen drei Darstellern zeitlich versetzt rezitiert werden. Eigentlich ist damit schon alles gesagt.
Es ist nicht das erste Stück, das sich mit jugendlicher Perspektivlosigkeit und den manchmal daraus folgenden Konsequenzen beschäftigt, aber in dieser drastischen Form hab ich das noch nicht erlebt. Doch fangen wir von vorne an.
Eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn ahne ich noch nicht, dass ich wenig später ziemlich erschüttert vor einer improvisierten Bühne sitzen werde. Beim Scrollen durch das hiesige Abendprogramm bleibt mein Auge am „Kneipentheater“ hängen, das sehr schön meine Interessensschwerpunkte zusammenbringt, auch wenn die Reihenfolge sonst eine andere ist. Auf in die Groovestation, hier in der Neustadt ist ja alles nicht weit.
Der kleine Saal ist nochmal halbiert, auf der Ebene, wo sonst die Bands schrammeln, steht eine Batterie Bierkästen. Mühsam, sich im Dreivierteldunkel einen Platz zu suchen, die etwa dreißig Stühle füllen sich schnell, man rückt zusammen. Ich habe keine Ahnung, was gespielt wird, trau mich aber auch nicht zu fragen. Sehn alle wie Insider aus hier, man blamiert sich doch nicht gern.
Drei Darsteller betreten die Bühne, alle Anfang zwanzig. Das Mädchen eröffnet, ein düsterer Albtraum von Schule und Familie wird erzählt. Gräulich genug das Ganze, aber beeindruckend vorgetragen.
Die Kleinfamilie umschlingt sich, liebt man oder würgt man sich? Der Bühnenumbau ohne Hast, zu melancholischer Musik werden gemessenen Schrittes die Kästen zu einem Bilderrahmen aufgetürmt, in welchem ein glückliches Elternpaar sich dann gegenseitig versichert, dass man ja lebe, immerhin.
Der Junior stammelt die Geschichte dazu, alltäglicher Druck, die Innenansicht des Kleinbürgeridylls entpuppt sich als ein Blick in den Vorhof der Hölle. Aber man darf sich doch nicht beklagen … Wenigstens der Konsum macht doch temporär glücklich. (Konsuhm, nicht Konnsum!)
Der folgende Text wird im Dunkeln gesprochen, eine gute Idee, so die Angst zu illustrieren. Das Fest bei kleinen Leuten besteht aus einem Sonderangebotsbraten, zwölf verschiedenen Schokoladetafeln und Käsespießchen, bis man kotzen muss. Aber wir haben uns lieb, zumindest zwei von dreien. Ein fesselndes Theater bis hierhin.
Doch es kommt noch besser. Zu Marylin Manson (sic!) liefern sich die drei Protagonisten eine veritable Schlägerei auf der Bühne, jede gegen jeden, auch körperlich eine große Szene.
Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? Auf einmal sind wir in Erfurt, Guttenberg-Gymnasium. Ein Kloß im Hals entsteht.
Und der wächst und wächst, als die kalte Statistik dieser Abschlachtung vorgetragen wird. Zwei Drittel der verschossenen Patronen waren Treffer, 2,56% davon Kopfschüsse. Was haben Sie denn, Sie sind so blass?
Die Chronik des Massakers wird erzählt, dem Zuschauer bleibt nichts erspart. Dem Leser schon, ich beschränke mich darauf zu berichten, dass sich der Täter verdoppelt, ja verdreifacht im Verlauf der Szene. „Höhepunkt“ ist die Hinrichtung der Direktorin, dass die erschossenen Lehrer alle Namen bekommen, macht das Grauen erst recht plastisch.
Darf man bei einem solchen Thema sagen, dass die Form der theatralischen Umsetzung großartig war? Stellenweise wähne ich mich bei „Titus Andronicus“, jenem bluttriefenden Abend im Kleinen Haus, nur das hier alles bloß im Kopf stattfindet.
Die versetzte dreistimmige Lesung des Endes (auch diese vor allem von Romy Lehmann, der Regisseurin, die diesmal auch selbst spielte, in einer großartigen Diktion) krönt ein packendes Theaterstück. Langer Beifall, völlig zu recht, auch für die beiden anderen Akteure Timo Raddatz und Mario Pannach.
Bekanntlich gibt es Worte, die von vorn und hinten gelesen dieselbe Bedeutung haben. Für „Koma“, den Titel des Stückes, trifft dies nicht zu. Oder doch?
Es gibt so Zufälle … Dieser heute bescherte mir eine fesselnde Vorstellung eines Dresdner Laientheaters und die erneute Gewissheit, dass es auch abseits der großen Bühnen viel Gutes zu erleben gibt.
Weitere Termine und andere Stücke der Studentenbühne sind hier zu finden:
http://www.die-buehne.net/
Zur Rolle der Bürgerbühne
Einige Gedanken nach meiner ersten Saison
Ich gebe zu, ich bin direkt betroffen. Zwiefach, als langjährig begeisterter Theatergänger und seit November 2012 als glücklich ausgewählter Darsteller in einer Bürgerbühnenproduktion. Und damit befangen? Das wertet meine Meinung eher auf, denke ich. Schließlich hab ich nun beide Perspektiven.
Die Bürgerbühne ist natürlich kein Theater im klassischen Sinne. Sie ist vielleicht auch ein wenig dem Zeitgeist geschuldet, Partizipation ist chic im Moment.
Die entscheidende Frage ist aber: Was kann sie, was klassische Theaterformen nicht können?
Sie bringt Sichtweisen hinein, die aus dem „realen Leben“ resultieren (ohne zu vergessen, dass auch das Theaterleben wirklich ist). Und sie erschließt dem Theater idealerweise neue Zuschauerkreise, die sonst nie im Saal säßen.
Im ungünstigen Fall würde sie jedoch Produktionen ersetzen, die eigentlich mit (freien) Profis gemacht werden sollten und trüge damit zur Verschlechterung deren Situation bei.
Es sollte deshalb immer einen triftigen und genau beschreibbaren Grund geben, eine Produktion ausgerechnet mit Laien zu machen. Niemand kann an einer Dreigroschenoper Interesse haben, die klassisch inszeniert wird, wo sich aber Laien auf der Bühne tummeln. Das bringt keinen Erkenntnisgewinn, und man täte den Darstellern dabei keinen Gefallen.
Die „Jungfrau von Orleans“ in Dresden ist in diesem Sinne ein Grenzfall. Durch die Jugendlichkeit der Spieler und eine für sie angepasste Bühnenfassung war dies dennoch einer der Höhepunkte der diesjährigen Bürgerbühnensaison.
Die Kernkompetenz der Bürgerbühne ist jedoch m. E. etwas anderes: Die Stück-Entwicklung mit authentischen Menschen aus dem Alltag „da draußen“, die etwas zu erzählen haben, und die Schaffung eines tragfähigen Rahmens dafür. Zu Probenbeginn existiert dabei allerhöchstens ein grobes Konzept für den Inhalt, der rote Faden muss erst noch ausgerollt werden. „Ja, ich will“, „Cash“ und der „Arme Tor“ sind dabei ideale Beispiele.
Der Ablauf der Stückentstehung, diese Mischung aus Improvisieren, Vertiefen und Verwerfen, die harte Arbeit an Text und Form ist übrigens aus meiner Sicht für die Mitwirkenden noch spannender als das spätere Rampenlicht. Man ist über ein Vierteljahr Bestandteil eines kreativen künstlerischen Prozesses, wer hat das im Alltag sonst schon?
Ein besonderer Aspekt sind dabei die zahlreichen Clubs der Bürgerbühne, deren wöchentliche Arbeit mit einer oder zwei Aufführungen beim Clubfestival den Höhepunkt findet. Hier ist der Weg noch mehr das Ziel.
Was mich persönlich immer wieder überrascht und fasziniert, ist das kreative und darstellerische Potential, dass aus dieser doch nur Halbmillionenstadt erwächst. Als hätten hier Hunderte nur darauf gewartet, wachgeküsst zu werden.
Die Bürgerbühne Dresden ist – nach dem vierten Jahr ihres Bestehens darf man das konstatieren – eine wirkliche Erfolgsgeschichte. Es bedurfte dazu einer grandiosen Idee und noch mehr des Mutes, diese umzusetzen, eine handlungsfähige Struktur dafür zu schaffen und diese auch mit den Mitteln auszustatten, um „richtiges“ Theater zu machen.
Dass die Stücke der Bürgerbühne gleichberechtigt auf dem Spielplan stehen und von Technik und Kostümerie genau wie die Großen betreut werden, ist keine Selbstverständlichkeit. Und das ist wohl das eigentlich Revolutionäre am Dresdner Modell: die nahezu vollständige Integration dieser „Laienspieler“ ins Haus.
Aus heutiger Sicht (aber „aus heutiger Sicht“ gab es damals nicht) hätte das auch schiefgehen können: die Stücke Flops, verkopft oder Bauerntheater, die Kritiken vernichtend, das Interesse gering, das Geld zum Fenster hinausgeworfen. Hätte alles passieren können.
Dass es nicht so kam, ist der harten und kreativen Arbeit der künstlerischen Leitung um Miriam Tscholl zu verdanken, und einem Intendanten Wilfried Schulz, der genug Mut und Vertrauen hatte.
Die Saat scheint nun auch bundes-, wenn nicht gar europaweit aufzugehen. Bereits im Januar 2013 gab es in Dresden eine hochspannende Tagung zum Modell Bürgerbühne, im November wird in Mannheim eine Art Folgeveranstaltung stattfinden. Immer mehr Theater probieren Formen der Zuschauer- bzw. Bürgerbeteiligung aus, auch wenn die Dresdner Dimension wohl nirgendwo erreicht werden wird.
Warum? Es fehlt an Geld.
Man muss sich natürlich im Klaren sein, dass auch im Kulturetat jeder Euro nur einmal ausgegeben werden kann. Gerade wenn dieser Etat immer weiter schrumpft (oder im Extremfall wie in Eilsleben gestrichen werden soll), muss die Frage gestellt werden, ob das knappe Geld nicht besser komplett jenen zugute kommen sollte, die das Theater als Beruf (und Berufung) betreiben und schlicht davon leben müssen und wollen. Ist der Kulturetat nicht zu schade dafür, die Freizeit von gewöhnlich mitten im Leben stehenden Menschen aufzupeppen?
Das wichtigste Argument dagegen: Das Theater ist nicht für das Theater da, sondern für die Gesellschaft. Und wenn es in dieser Gesellschaft das wahrnehmbare Bedürfnis gibt, sich selbst in irgendeiner Form theatralisch zu betätigen, muss die Institution Theater auch (!) diesem nachkommen.
Aber natürlich ist das in der Theorie leicht gesagt, die konkrete Ausgestaltung muss immer lokal bestimmt werden.
Es ist auch noch auf das Verhältnis der (staatlich alimentierten) Bürgerbühne zu den freien Theatern und den Laienspielgruppen der Stadt einzugehen. Vereinfachend gesagt, wird hier oft eine Wettbewerbsverzerrung in finanzieller und personeller Hinsicht beklagt. Ob die Bürgerbühne den anderen Theatern Fördermittel abgräbt, kann ich nicht beurteilen, dazu kenne ich die Strukturen zu wenig. Für die Rekrutierung von Darstellern ist es aber natürlich ein Problem, wenn ein derart attraktives und breites Alternativ-Angebot existiert. Und wer sich schon einmal im Amateurtheater betätigt hat, ist sicher froh, weder die Kulissen selber schieben noch die Eintrittskarten verkaufen zu müssen, von Marketing, Kostüm und Technik ganz zu schweigen.
Wird damit die Laienspielszene ausgetrocknet? Ich denke eher, nach einem Abschwung wird sie sich wieder aufrappeln und vielleicht über ganz neue Kräfte verfügen.
Denn das Prinzip der Bürgerbühne (auch wenn es gelegentlich durchbrochen wird) ist: „Jeder nur einmal“. Und selbst wenn es im Einzelfall schade ist, sollte man daran festhalten. Ein stehendes Ensemble aus sich fast wie Profis fühlenden Amateuren ist nicht Sinn der Sache. Die Bürgerbühne lebt von immer neuem Input aus dem wahren Leben, und ich kann nicht erkennen, dass dieser Strom abreißen würde.
Aber wo soll der nunmehr Infizierte nun hin mit seiner entdeckten Spiellust und -freude? Genau. Ich prophezeie, die Laientheater werden allgemein einen deutlichen Zufluss erfahren in den nächsten Jahren. Und dass die neuen Mitwirkenden dann vieles besser (zu) wissen (glauben) als die Etablierten, wird man schon aushalten.
Etwa 700 Menschen haben in diesen vier Jahren die verschiedenen Angebote der Bürgerbühne aktiv wahrgenommen, die Zuschauerzahl dürfte deutlich fünfstellig sein. Allein das wäre Grund genug, alle Beteiligten zu beglückwünschen.
„Mein“ Stück hat es übrigens in die nächste Saison geschafft. Also noch ein Jahr länger kann ich gelegentlich in diesen Mikrokosmos eintauchen, die ausgeklügelte Logistik von Vorstellungen und Proben bewundern, einen Blick der vielen schönen Schauspielerinnen erhaschen, mit der Technik ein Bier trinken nach der Vorstellung und mich ein bisschen zugehörig fühlen zu diesem wunderbaren, einzigartigen Konstrukt Theater.
v
Jedes Wort hat seine Zeit
„Vom Wandel der Wörter. Ein Deutschlandbericht“ von Ingo Schulze, Regie Christoph Frick, Uraufführung am Staatsschauspiel Dresden, gesehen am 21. Juni 2013
Eine Erzählung in Form eines Briefes, ein junger Schriftsteller schreibt an den Museumsdirektor des „Deutschland-Gerätes“, einer Installation von Reinhard Mucha. Es geht um seine Beziehung zu B.C., einem namhaften, ausgebürgerten DDR-Schriftsteller und um dessen „Ernährerin“ Elzbieta. Und zugleich geht es um ein Vierteljahrhundert deutscher Geschichte.
Am Anfang betrachten drei Schulzes (kenntlich gemacht durch den prägnanten Wuschelkopf) das Werk aus Buchstaben, schon vor Beginn des Stückes. Zögerlich, skeptisch sind sie. Die ersten Textfetzen flattern aus dem Off durch den Raum, es beginnt eine Dekonstruktion einschließlich Neuaufbau, ganz neue Wörter entstehen. Ein erstes starkes Bild. Schließlich bricht der ganze Haufen zusammen.
Man ahnt bald schon, worauf es hinausläuft. B.C., eine fiktive Figur, vielleicht ein bisschen an Biermann angelehnt, wird nach seinem ersten Buch gegen seinen Willen aus der DDB ausgebürgert und anfangs im Westen als Dissident hofiert. Als er aber beginnt, sich auch zu westdeutschen Zuständen zu äußern, ist es mit dem guten Willen vorbei, fortan ist er nirgendwo zuhause, zudem fehlt ihm die Reibefläche. Der Kapitalismus ist halt viel elastischer …
C. leidet an seinem Bedeutungsverlust, veröffentlicht kaum mehr etwas. Zwar wird er von der Ärztin Elzbieta materiell und auch sonst aufgefangen, aber Vollgas gibt er nur noch im Leerlauf. Und die Aufregung ist auch gar nicht gut für seine Gesundheit.
Trotz eines assoziationsreichen, starken Bühnenbildes (Alexander Wolf) aus einer hydraulisch betriebenen schiefen Ebene, die mit einem flauschigen DDR-Fahnen-Teppich mit fehlendem Emblem bedeckt ist, kann man die Aufführung sicher noch als szenische Lesung beschreiben. Und diese lebt von großartigen Schauspielern, die ihre Figuren zum Leben erwecken. Holger Hübner als mal selbstgefälliger, mal kleinmütiger, mal wütender B.C., Matthias Reichwald als Ich-Erzähler mit einer glaubhaften Wandlung von Anbetung zu kritischer Distanz und ganz besonders die frisch gekürte Erich-Ponto-Preisträgerin Sonja Beißwenger, deren Elzbieta sich von einer in Betrachteraugen fast zwielichtigen Figur in einem fulminanten Monolog zur wahrhaften Muse des B.C. emanzipiert.
Die Schilderung des Mit-Leidens des C., als er ´89 nicht dabei sein kann, in Leipzig, Plauen und anderswo, und wie er schließlich wie so viele Intellektuelle vom weiteren Ablauf der Ereignisse mehr und mehr enttäuscht wird, gehört zu den besten Passagen des ohnehin starken Textes. Der Anpassungsdruck, dem er fortan unterliegt, lässt sich fast körperlich spüren. Er weigert sich, seine Sätze „von früher“ zu wiederholen, weil die heute etwas anderes bedeuten als damals. Der „Unrechtsstaat“ war ein legitimer Begriff vor der Wende, heute ist er zu undifferenziert. Aber das versteht die Medienwelt nicht. Als Kronzeuge ist er nicht mehr zu gebrauchen.
C. hat das Gefühl, er müsse seine Bücher umschreiben, die Wörter stimmen alle nicht mehr. Doch ehe er das ernsthaft beginnen kann, nimmt ein gnädiger Tod ihm die Schreibmaschine aus der Hand.
Wird der Ich-Erzähler seinen Faden aufnehmen? Man möchte es zu gern glauben.
Ingo Schulze hat diesen Text für das Staatsschauspiel Dresden wenn nicht geschrieben, so doch für die Bühne bearbeitet. Ein Geschenk zum Hundertsten, sozusagen. Nach „Adam und Evelyn“, das in der Inszenierung deutlich opulenter, aber nicht weniger packend war, ein neues Meisterwerk. Wir haben zu danken.
Die regionalen Besprechungen der Premiere waren dennoch nicht sehr freundlich, lediglich die Süddeutsche war begeistert. Und ich jetzt auch.
Kunst hat keine Wirkung
„KapiTal der Puppen“ von René Pollesch, Uraufführung am Staatsschauspiel Dresden, gesehen am 18. Juni 2013
Man spielt auf der Hinterbühne im Kleinen Haus, locker-flockige Wohlfühlmusik zum Anfang, nur ein bisschen Gewusel, alles betont unaufgeregt. Die quietschbunte Bühne steht einfach so rum, aber man ahnt schon deren Beweglichkeit.
Die Video-Übertragung des Theaterflurklatsches ist so eine Art Beginn, Verschwörungstheorien der lustigen Art werden dargeboten. Hat der alte Hexenmeister von Regisseur sich kurz einmal wegbegeben, … dreht seine Crew einfach einen Film, was jener als Kränkung empfindet. Die Regisseursrolle kreist, jeder ist mal dran, Theater über das Theater, das ist mäßig interessant, aber ganz witzig, auch wenn der Text etwas hölzern daherkommt.
In der anschließenden Wiederholung auf der Bühne klingt er besser, die Satzfetzen prasseln hernieder wie weiland 1954 der Regen in Bern. Der aktuelle Regisseursdarsteller hat den Faden … verloren diesmal, aus dem Hintergrund könnte eine Kamera kommen und kommt.
Der Regisseur ist hier ein 1-Alpha-Brüllaffe, der völlig zu Recht hintergangen wird. Also so läuft das am Theater. Zumindest am Pollesch-Theater.
Der Kronleuchter erhebt dann den blonden Vamp (Cathleen Baumann stark, aber mit Textlücken am Ende, kein Wunder bei der Vorlage) in den Theaterhimmel, das ist hübsch anzuschauen. Der in seinem Pseudo-Ernst sehr witzige Benjamin Pauquet ist in seinem neuen, nun ja, Anzug kaum zu sehen vor dem gleich schrecklichen Bühnenbild, das ist schade. Antje Trautmann hält hochschwanger mit, ohne wie sonst öfter herauszuragen, Sascha Göpel ebenso, auch wenn der nicht in gesegneten Umständen ist. Knapper „Gewinner“ für mich Thomas Eisen, dem der gekränkte Regisseur am besten gelang.
Die Rotation der Rollen verlangt hohe Konzentration, sowohl auf der Bühne als auch auf den Rängen. Wenn man das Tempo mithält, macht es Spaß. Interessante Fragen werden aufgeworfen, zur Dankbarkeit, zur Wirklichkeit am Theater, der Glaube als Spielplatz, ein Diskurs-Stakkato. Nach und nach verläuft sich die Debatte aber im Metaphernwald, ich beginne mich zu langweilen.
Witzig dann die Großaufnahmen mit Zuschauern im Hintergrund, das ist fast Slapstick. Alles, wirklich alles hat mit dem Licht zu tun, d’accord.
Scheitern ist … Mittelstand. Aha. Und noch eine Debattenschleife, es ist zwar alles gesagt, aber noch nicht von jedem. Eine Abstrakterale beginnt, ohne größere Relevanz. Die Abschaffung des Todes ist zu fordern, mir persönlich würde die des schlechten Wetters erstmal reichen. Kunst hat keine Wirkung, wird festgestellt, ich widerspreche in mich hinein entschieden, hab aber grad kein Gegenbeispiel.
„Das ist hier der Horror“, nein, so schlimm nun auch nicht. Ein kleiner Fluchtfilm, nach kommoden 70 Minuten ist es dann vorbei.
Der Gott des Theatergemetzels hat nun seine Visitenkarte in Dresden abgegeben. Ja, es ist zweifellos ein ganz eigener Stil. Ich hätt nur gern ein Stück dazu gesehen.
Auf die Ohren gab es reichlich, zum Teil auch auf die Augen. Ein Spektakulum. Gut, wer das mag … warum nicht. Mir persönlich geht diese Bedeutungshuberei eher auf den Zeiger. Zumindest mit diesem Stück hat sich Herr Pollesch nicht in mein Herz geschlichen.
Mein damalige Verlobte, halb sorbisch und vom Lande stammend, sagte Anfang der neunziger Jahre mal, als die großeweite Welt der Kulinaristik auch über den Osten hereingebrochen war und wir diese ausgiebig testeten, sie wolle jetzt endlich mal wieder „Fleisch, Kartoffeln und Soße“. Mit einem ähnlichen Gefühl verließ ich heute den Saal, reaktionärer Sack, der ich nun mal bin.
Mickey Mouse und die Fahne des Todes
(eher was für Insider der BRN)
Früher waren alle außerhalb eines Hauses in der Kamenzer (gleich beim „Bottom’s up“) nur Kackbratzen. OK, damit konnte man leben, zumal man mit dem „Fickt Euch“ noch interessante Anregungen bekam. Denn auch wenn das die Bannerspanner nicht gerne lesen: Die Mehrzahlform dieses Spruches ist voll auf Linie, und zwar auf der des legendären Tagesbefehls Nr. 2 der BRN 2011.
Nun soll aber das harmlose Mickeymäuschen ein Killerkaninchen sein, weil es eine Fahne bewohnt. Und Fahnen symbolisieren Grenzen, und an Grenzen sterben Menschen.
Mal abgesehen davon, dass Menschen auch anderswo sterben, im Bett zum Beispiel, und man deshalb Kopfkissen auch nicht unbedingt als böse empfindet, lohnt diese Vernehmlassung einer näheren Betrachtung. Einer Grenzwertbetrachtung.
Zweifellos gibt es Grenzen, die zum Zwecke errichtet werden, Menschen drin oder draußen zu halten. Und diesen Zweck setzt man auch öfter mit Gewalt durch, ob nun in Mexikos Norden, im Gaza-Streifen oder am 38. Breitengrad in Korea. Früher soll es hier auch mal so was gegeben haben.
Mir sei allerdings die Behauptung erlaubt, dass diese Grenzen gänzlich unabhängig von Fahnen existieren. Es hat also keinen Sinn, alle Fahnen abzuschaffen, das löst kein Grenzproblem.
Und umgekehrt: Auch wenn – sagen wir mal – die Flagge eines ortsansässigen gerade noch Zweitklassvereins im Fußballsport ein ästhetischer Anschlag auf die Allgemeinheit ist, droht von ihr doch keine Lebensgefahr. Und wer schon einmal in die psychologischen Untiefen eines Kleingartenvereins blickte, wird erschauern, das aber nicht mit der Vereinsfahne in Verbindung bringen.
Und unsere Fahne, die wir nun mit viel Esprit und Mühe unters neustädtische Volk gebracht haben? Sie repräsentiert doch eher die Grenzenlosigkeit, in vielerlei Hinsicht. Gewiss, im Extremfall kann man daran durchaus sterben … Das Leben als solches ist eines der gefährlichsten.
Also, liebe Nicht-Kackbratzen, im nächsten Jahr bitte witziger. Und bis dahin fickt Euch. Gegenseitig!
PS: Ich möchte übrigens, falls ich mal sterben sollte, mit der Neustadt-Fahne zugedeckt werden.
