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Es gibt kein Menschenrecht auf kostenloses Parken!
Dass diese Überschrift so kategorisch daherkommt, hat mit dem Ärger zu tun, den ich heute (7. März) beim Zeitungslesen verspürte. Die „Sächsische Zeitung“ hatte auf ihrer Lokalseite Dresden-Neustadt mal wieder einen ihrer berüchtigten Jammer-Artikel platziert, die sich mit dem Thema Auto beschäftigen. An Begriffe wie „Staufalle“ im Zusammenhang mit baustellenbedingten Einschränkungen oder „Abzocke“ für Geschwindigkeitsüberwachungen und Parkscheinkontrollen haben wir uns mittlerweile gewöhnt, und heute waren mal wieder die angeblich fehlenden Parkplätze dran. Stein des Anstoßes sind die Bauarbeiten auf der Bautzner Straße in Höhe des Lutherplatzes, die überraschenderweise dafür sorgen, dass man dort nicht mehr (kostenlos) parken kann. Zur Untermalung des schrecklichen Leids darf der Besitzer der „Hütte“ am Steuer seines Großraumfahrzeuges mit traurigen Hundeaugen aus dem Bild herausblicken. Er muss nun deutlich länger nach einem Parkplatz suchen und dann auch noch ein Stück zu Fuß gehen, wie seine Angestellten auch. Aber zumindest an Trekkingschuhen zur Abfederung der Strapazen dürfte es dort ja zum Glück nicht mangeln.
Nein, der öffentliche Verkehr käme zur Anreise gar nicht in Frage, schließlich wohne man in der Sächsischen Schweiz. Ganz abgesehen davon, dass niemand gezwungen wird, aufs Land zu ziehen, gibt es an fast jeder S-Bahn-Station dort draußen genug Parkplätze, die das Einpendeln nach Dresden erleichtern.
Und auch die Friseurin von der anderen Straßenseite, die in Wachwitz wohnt, muss selbstverständlich mit dem Auto kommen, denn Busse und Straßenbahnen sind gerade für Friseurinnen völlig unzumutbar.
Verstehen wir uns nicht falsch: Natürlich kann sich einE jedeR bewegen wie er möchte und wie er es vertreten kann, aber er/sie soll doch dann bitte nicht erwarten, dass jemand ihm das Equipment dafür kostenlos zur Verfügung stellt. Platz ist in der Stadt ein knappes Gut und ist, solange er in städtischem Besitz ist, generell für alle da. Wenn also eine Gruppe von Verkehrsteilnehmern die Straßenrandflächen zum Parken nutzt und sie damit der Allgemeinheit entzieht, ist es nur recht und billig, dafür einen Obolus zu verlangen.
Es gibt nämlich gar keinen Mangel an Parkplätzen im Großraum Neustadt. Was es aus Sicht einer interessierten Gruppe gibt, ist eine zu geringe Anzahl an kostenlosen Parkflächen in unmittelbarer Nähe zum jeweiligen Ziel. Aber ist das aus Sicht der Gesellschaft wirklich ein Mangel? Warum muss der innerstädtische Lebensraum dem Teil der Bevölkerung, der sich per Auto fortbewegen kann, will und muss, unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden, wenn er doch für viele andere Zwecke nutzbar wäre? Breitere Fußwege, Radfahrstreifen oder auch Grünpflanzungen fallen mir da zuerst ein. Nein, wer ein knappes Gut verbraucht, muss auch dafür bezahlen. Kostenloses Parken ist kein Menschenrecht.
Die Tatsache, dass das neue Parkhaus an der Bautzner Straße bislang täglich maximal zur Hälfte gefüllt ist, stützt die These vom ausreichenden Parkraum. Und der Preis (von 1 € für die erste Stunde bis max. 3 € für den ganzen Tag) dürfte niemanden überfordern, der auf das Auto angewiesen ist oder dies zumindest glaubt. Nur steht hier offenbar das Gewohnheitsrecht entgegen: Ich hab hier immer umsonst geparkt, das muss auch so bleiben.
Auch das Argument, die Kundschaft wolle und müsse unbedingt mit dem Auto kommen, wird im SZ-Artikel wieder aufgewärmt. Eine Inzahlungnahme des Parktickets (im Normalfall also ein Euro) kann sich der „Hütten“-Besitzer nicht leisten, achgottchen. Da sind andere Läden aber deutlich weiter, und einen (entgeltlichen) Lieferservice würden sicher viele Kunden in Anspruch nehmen. Wenn man denn wollte.
Zumindest die Großfilialisten im Revier wissen, dass ihre Kunden im Wesentlichen Laufkundschaft im wörtlichen Sinne sind und gehen mit dem Thema gelassen um.
Was bleibt also? Der angebliche Aufreger löst sich in Luft auf, der Artikel dokumentiert eher die Unflexibilität einiger Ladeninhaber.
Die Diskussion, ob der öffentliche Parkraum nicht generell bewirtschaftet werden solle, muss aber gerade in Zeiten, wo für den Straßenunterhalt kaum Geld zur Verfügung steht, unbedingt geführt werden. Auch ist zu hinterfragen, ob Anwohnerparkkarten wie jene für die Neustadt, für die man jährlich 50 Euro zahlt, also weniger als 5 Euro im Monat, noch den richtigen Preis haben.
Eine inspiriertere Verkehrspolitik, als wir sie in Dresden haben, hätte ohnehin aus der Neustadt längst eine Modellregion für autoarmes Wohnen und Arbeiten gemacht. Nirgendwo sonst (in Dresden) sind die Voraussetzungen so günstig: Eine dichte Bebauung mit sehr schmalen Straßen und eine äußerst geringe Kfz-Dichte (statistisch gesehen) treffen auf eine diesem Thema gegenüber in großen Teilen prinzipiell aufgeschlossene Bevölkerung. Zwei Drittel aller Straßen wären ohne Weiteres als Anlieger- bzw. Spielstraßen ausweisbar, mit einer geschickten Verkehrslenkung durch Einbahnstraßen und zeitlich begrenzten Ausnahmeregelungen könnte die Erreichbarkeit auch für den Lieferverkehr jederzeit gewährleistet werden. Es mangelt auch hier schlicht am Wollen.
Stattdessen baut man Sporthallen mit Parkdecks, wo vorher Parkplätze halb leer gestanden haben, selbst wenn im Umfeld immer mehr Parkhäuser entstehen. Gute Verkehrspolitik geht anders.
Aber wie heißt es so schön? „Der Schuster hat die schlechtesten Schuhe.“ Und warum sollte in der Stadt der ehemaligen Verkehrshochschule und heutigen Fakultät Verkehrswissenschaften der TU, wo viele interessante Konzepte auch zu diesem Thema entwickelt wurden und werden, die Stadtverwaltung davon Notiz nehmen? Der Prophet gilt nichts im eigenen Land.
Luise Millerowa wird im Pathos ertränkt
Gastspiel des „Prijut Komedianta“ St. Petersburg mit Schillers „Kabale und Liebe“ am 3.11.12 im Kleinen Haus Dresden (im Rahmen der „St. Petersburger Theaterspielzeit“)
Silence is sexy, das geniale Werk der Neubauten begleitet uns das ganze Stück über. Nur am Anfang ist offen, welche Stille gemeint ist.
Maximalbestuhlung im Saal, schwere Parfums und funkelnde Klunkern füllen diesen. Das Gastspiel ist fast ein Heimspiel, warum auch nicht?
Die Szenerie ist in ein Wohn-Tonstudio verlegt, Musiker Miller ist der Inhaber, gestraft mit seiner alt gewordenen Rockerbraut, gesegnet mit dem schönen Töchterlein Luise, auf das neben dem blassen Vorstandsassistenten Wurm auch der Oligarchensohn Ferdinand mehr als nur ein Auge geworfen haben. Nur letzterem gelingt die Eroberung des schönen Fräuleins, was dem Wurm aus den verschiedensten Gründen missfällt. Des (Firmen-) Präsidenten Walters Sohn wird im Hochzeits- und Machtpoker gebraucht.
Diese Translation in die Gegenwart scheint schlüssig, bezieht sich aber leider fast nur auf Bühne und Kostüm. Der durchgängig hohe Ton von Schiller passt einfach nicht mehr zum gewählten Ambiente, auch wenn er um einige zeitgerechte Sätze ergänzt wird. Zumindest mich begleitete das ganze Stück über ein gewisses Unbehagen ob dieser Differenz. Zumal auch noch einige unmotivierte Klamaukszenen dazu kamen, die dann gänzlich für Verwirrung sorgten.
Das Bühnenbild ist an sich eine gute Idee, nicht nur die Scheibe zwischen Studio und Aufnahmeraum gibt viel her. In letzterem findet die Hälfte aller Szenen statt, er ist auch Chefbüro, Managerfechthalle und Schlafgemach der Lady Milford. Nur … er ist weit im Hintergrund und von den vorderen Außenplätzen schlicht nicht einsehbar. Auch die Stimmen sind gedämpft, was allerdings bei den Über- oder besser Seitentiteln keine Rolle spielt. Jene, um auch das zu vermerken, schienen mir ein wenig lieblos erstellt, neben ärgerlichen Rechtschreibfehlern überforderte das Tempo der Einblendungen manchmal den Zuschauer. Auch das Timing war nicht immer glücklich.
Mal was Positives: Die Idee der absichtlich fehlgeleiteten SMS. Welche Scherereien damit verbunden sind, wussten sicher einige im Saal.
Die allgemein bekannte Handlung soll hier nicht nacherzählt werden, nur einige Anmerkungen: Lady Milford (wirklich reizend: Marina Iwanowa) war etwas eindimensional darzustellen, die Geschichte vom armen gefallenen Mädchen kaum glaubhaft. Eine Verführung mit dem Nerv-Klassiker „Je t’aime“ ist sicher nicht das Niveau der Lady, und die sich wie Kaugummi ziehende Szene mit Luise, in welcher die Milford zum Schönenreinengutenwahren bekehrt wird, empfand ich als Bestrafung. Des Zuschauers.
Generell gilt: Solange die Schauspieler (ob nun „Verdient“ oder nicht) in ihren Rollenklischees blieben, konnte man folgen. Sinneswandlungen oder Erkenntnisse nahm man (ich) ihnen aber kaum ab.
Eine Ausnahme vielleicht Ilja Del, dessen Ferdinand in seiner kalten Wut Größe gewann (die er dann aber wieder mit viel Pathos am Ende abzutragen hatte). Polina Tolstun (Luise) fand ich sehr gut in den Anfangsszenen, je dramatischer es wurde, desto mehr flüchtete sie jedoch in Stereotype.
Die Musik bediente sich aus dem reichen Repertoire der Rockklassiker, na gut, nicht überraschend, aber auch nicht störend. Und „Where did you sleep last night“ von Nirvana passt natürlich wie die Faust aufs Auge.
Das Ende ist schnell erzählt: Einige bewegende Bilder, aber auch oft Langeweile in den endlosen Dialogen, vereinzelt auch fast schon Fremdschämen ob der hölzernen Szenen. Die Cola-Vergiftung der Hauptakteure beendet gnädig das Spektakel.
Silence is sexy, yeah. But to much „Pathos“ is very unsexy, daragije Druhsja!
Ein beschissener Abend für alle Beteiligten
Nein, um Gottes Willen, das ist nicht die Zusammenfassung. In dieser Überschrift wird schlicht der Inhalt des Stücks beschrieben, und vielleicht stimmt das so auch gar nicht. Im Zuschauersaal hatte man unterhaltsame zwei Stunden trotz des Tiefgangs, ein typisches Hübner.
„Was tun“ von Lutz Hübner in der Regie von Barbara Bürk,
Uraufführung am 6. Oktober 2012 im Staatsschauspiel Dresden
Eine Vorgeschichte:
Es ist nicht unbedingt der beste Start in den Abend, wenn man um 19.12 Uhr im Foyer feststellt, dass man seine Premierenkarte zu Hause vergessen hat. Es ist auch nicht hilfreich, wenn es draußen Bindfäden regnet. Aber es motiviert ungemein.
Das erste Mal passiere ich den Albertplatz auf meinem treuen Rappen aus diversen Metallen um 19.20 Uhr, das zweite Mal um 19.23 Uhr. Da bin ich schon völlig durchnässt, und jetzt auch noch Gegenwind. Und niemand neben mir, der „Quäl dich, du Sau“ brüllt.
Dennoch, neuer Bahnrekord, um 19.30 Uhr schlage ich an der Pforte auf, sprinte die Treppe zum 2. Rang (auch das noch) hoch, lächele so freundlich wie es mir noch möglich ist die Garderobiere an und plumpse um 19.31 Uhr auf meinen Sessel, der zum Glück am Rande der Reihe liegt. Es kann losgehn.
Hübners neuestes Stück spielt mit drei verschiedenen Handlungssträngen, die (zu Anfang) voneinander völlig unabhängig sind.
Zu Beginn erhält man einen Einblick in eine Ehehölle, deren Fegefeuer jedoch noch im Verborgenen lodert. Zwei ungleiche Freunde trinken sich in Anwesenheit der zugehörigen Damen (die eine langjährige Ehefrau, die andere frische Freundin) für den Abend warm. Jener wird sehr unterschiedlich verlaufen, für den einen droht ein literarisch-musikalischer Abend im engsten Kreise, der andere absolviert seinen monatlichen Termin im Swinger-Club. Nachdem der Gatte Gerald hör- und sichtbar seinen Neid bekundet, wirft die resolute Gattin Moni das lockere Pärchen raus.
Szenenwechsel, extrem. Ein in Ehren ergrauter Gewerkschaftsfunktionär brieft noch einmal ein Opfer unternehmerischer Willkür, die Altenpflegerin Bine, die das seit 30 Jahren war und nun nicht mehr ist, nachdem sie die Missstände in ihrer Altenverwahranstalt öffentlich gemacht hat. Den ersten Prozess hat sie verloren, nun soll die Öffentlichkeit helfen. Karl hat seine Verbindungen spielen lassen, eine Pressekonferenz steht an.
Nächste Szene: Der Empfang, auf dem Moni noch nicht erschienen ist. Der Redakteur Richard hat seinen Gespielen Hanno mitgebracht, einen Ex-Schauspieler und Neu-Sprecher, der gerade ein erfolgreiches Hörbuch abgeliefert hat. Nun soll der natürlich zwischen den Häppchen auch was rezitieren, allein, der Gute kann vor Publikum nicht. Aber es sind wichtige Leute da, und sanfter Druck führt dann doch zur Einlage.
Wieder zurück in der Ehehölle. Das Geschehene muss ausgewertet werden. Im Ergebnis geht Moni allein zum Kränzchen und Gerald macht sich noch ne Flasche auf.
Die Pressekonferenz bleibt ohne Presse, nur der Sohn des Opfers betritt mit einem fulminanten Wutanfall die Szenerie. Nicht im System sich wehren, sondern das System bekämpfen!
Hanno hat nun doch rezitiert, sehr schlecht, gar nicht recht. Nun ist ihm übel. Er fühlt sich missbraucht und unverstanden, auch vom Partner. Abgang, er muss heute noch was Besonderes erleben.
Bei der PK ist inzwischen immerhin eine Praktikantin eingetroffen, der Herr Redakteur war leider verhindert. Beim ersten Mal tuts noch weh, aber Luise schlägt sich erstaunlich wacker. Völlig abgeklärt, diese jungen Leute. Sonst kommt keiner, man vergaß einzuladen, na so was.
Lifestyle trifft Klassenkampf, es geht um die Fakten oder um das Gefühl. Das kann nur schiefgehn. Abgang Opfer mit Sohn. Aber für ein Bier ist für den Kämpfer Sikorski und die Maus Luise noch Zeit.
Neue Szene, der besagte Swingerclub. Die Umkleidezelle betont nüchtern, der Statist in seinen rosa Stiefeln bekommt Szenenapplaus. Na gut, warum auch nicht.
Andi und Judith, die Gäste aus der Ehehölle, treffen hier auf Hanno, der auf der Suche nach seinem besonderen Erlebnis ist. Er macht ihnen ein unmoralisches, aber spannendes Angebot: Zu dritt ein Hotelzimmer zu beziehen und einen schönen Abend zu haben. Andi, der glaubt, dass dieser Kick ihm wieder auf die Beine hilft (zwinker, zwinker), überzeugt die widerstrebende Judith, bittet sich aber eine zweite Dame aus. So soll es dann sein.
Noch ein neuer, alter Schauplatz: Der wütende Sohnemann hat die Privatadresse des fiesen Personalchefs seiner Mutter (dem Opfer) ausbaldowert und nötigt sie zur Konfrontation mit diesem. Es ist – Überraschung – Gerald aus der Ehehölle. Dessen Gesprächsbereitschaft wird mit einigen Schlägen in die Fresse hergestellt. Man wird hereingebeten.
Moni trifft nun bei Sybilla ein, der Gastgeberin des künstlerverschleißenden Zirkels. (Können Sie noch folgen?) Diese führt sie in die Psychologie des Mannes Mitte vierzig ein („in dem Alter, wo sie einen Rappel kriegen“) und rät zur Gelassenheit. Nachher sei es wieder ganz einfach. Aber Moni ist dafür irgendwie zu verkrampft.
Karl Sikorsky und Luise trinken Bier.
Das alte Schlachtross braucht keine Hilfe, keine Erklärungen und keine Belehrungen. Es wettert lieber vor sich hin. Aber irgendwie mögen sich die beiden.
Ein Hotelzimmer. Hanno, Judith und Andi. Jener will doch nur einen schönen Abend. Aber, Hanno ist ein Frischling. Wie googelt man eine Nutte?
Andi weiß Rat: Das Klax in Fickpieschen. Und soll sich dann besser selber drum kümmern.
Judith und Hanno allein, die Euphorie erlahmt schnell, Befangenheit tritt ein. Hanno schluckt seine Pillen und gibt Hugo von Hoffmannsthal als Privatvorstellung, Judith staunt.
Wie lächerlich kann ein Fummel aussehn, wenn der Träger sich unwohl fühlt darin. Hanno fühlt sich falsch im Leben, zarte Annäherung.
Zurück in der Hazienda des Personalchefs.
Gerald erklärt die Welt. Seine Welt.
Bine erklärt die Welt. Ihre Welt.
Abgang Bine und Sohn.
Hanno liegt ohnmächtig am Boden. Der zurückgekehrte Andi, die gewünschte Nutte im Schlepptau, ist misstrauisch. Hat Judith nun mit dem oder nicht? Das hier ist was anderes als Swingerclub. Scheiß Abend.
Der herbeigerufene Richard erscheint, weckt Hanno. Der will jetzt nur noch nach Hause. Scheiß Abend.
Andi ist jetzt zum Heulen, und Judith? Scheiß Abend?
Noch ein Bier für Karl und Luise. Jener staunt. Die 23jährige ist so was von selbstsicher … Das macht ihm Angst. Karl will lieber weiter beleidigt sein, ihm hört ja keiner mehr zu. Nicht mal mehr an den Kopierer darf er im DGB-Haus. Scheiß Abend. Scheiß Leben.
Moni ist wieder zu Hause.
Geralds Geschichte von der Heimsuchung ist gar zu unglaubwürdig, alle Indizien sprechen gegen ihn. Er war fremdvögeln, das ist klar. Nun sitzt er in der Falle. Scheiß Abend.
Mit großer Geste schmeißt sie ihn raus. Noch einmal scheiß Abend.
Am Ende fummeln alle alleine, jeder für sich, an ihren Mobiles. Der scheiß Abend wird dadurch nicht besser. Vorhang. Langer Applaus.
Lutz Hübner sind wieder wunderbare Figurenstudien gelungen, mit ganz wenigen Szenen weiß man, mit wem man es zu tun hat. Man glaubt die Leute zu kennen, von nebenan.
Das Stück beschreibt, es urteilt nicht. Für die Moral sind andere zuständig. Auch darin liegt seine Stärke.
Darin liegt aber auch seine Schwäche. Man kann sich mit jedem auf der Bühne identifizieren, auch der Personalchef verdient angesichts seiner familiären Verhältnisse zumindest Mitleid. Auf eine Wertung, gar eine Botschaft wird konsequent verzichtet. Schaut her, so ist das Leben. Ja. Und?
Man schaut von draußen durch verschiedene Fenster in unterschiedliche Räume eines Hauses, und einige Wände zwischen denen brechen nach und nach in sich zusammen, die Handlungen verschmelzen. Das bleibt mir als wesentlichster Eindruck.
Intendant Wilfried Schulz betätigt sich bei der Premierenfeier in der ungewohnten Rolle des Entertainers und huldigt mit vollem Recht seiner großartigen Schauspielertruppe und dem Autor. Elf gleichwertige Rollen für neun Schauspieler, das muss man erstmal hinbekommen. Schwierig, jemanden hervorzuheben, am längsten im Gedächtnis werden zumindest mir Ines Marie Westernströer („Okay?“), Tom Quaas, Karina Plachetka, Holger Hübner (als Gerald) und als primus inter pares Christian Erdmann bleiben. Aber eigentlich auch alle anderen.
Es war wirklich eine tolle Ensembleleistung in einem guten, sehenswerten Stück. Hübner hat die hohen Erwartungen erfüllt.
Wer stehen bleibt ist raus
„Das normale Leben oder Körper und Kampfplatz“, deutsche Uraufführung von Christian Lollike, gesehen am 01.10.12 unter der Regie von Hauke Meyer am Staatsschauspiel Dresden
In einem sich thematisch ungefähr zwischen „Die Firma dankt“ und „Vater Mutter Geisterbahn“ verortenden Stück wird in einer temporeichen Inszenierung die aktuelle Gretchenfrage gestellt: Wie und womit bestehst Du in der modernen Welt?
Eine Bühne ganz in Weiß, eine Schrankwand voller Schubkästen, eine weiße Couch als Gefängnis. Es wirkt klinisch, oder besser wie in einem Labor. Die Versuchsanordnung besteht aus A, B und C, ihr Aktionsfeld ist die moderne Welt.
Gleich am Anfang seien die Darsteller bedacht: Von Annika Schilling, Philipp Lux und dem Noch-Studenten Jonas Friedrich Leonhardi mag ich niemanden hervorheben. Alle spielten präzise und glaubhaft, ohne sich über den Text zu stellen. Eine seriöse Leistung, wie hier am Hause gewohnt.
Die Handlung:
Sie (A) fühlt sich verfolgt. Er (C) meint, das wäre die innere Stasi, ein Organ, da zu einem gehört und doch wieder nicht, weil es einen kontrolliert und steuert. Noch ein Er (B) ist skeptisch.
So fängt das Stück in etwa viermal an. Immer wieder verlaufen sich die Akteure in den Tiefen des Alltags, „wollten wir nicht eine ganz normale Geschichte erzählen, eine Huldigung an die Lebenslust?“, immer wieder Neuanfang.
Die moderne Religion Fitness, der Zwang zum schlank und gesund aussehen. Der Konkurrenzdruck im Büro, der mit nach Hause genommen wird. Die Angst, die überall lauert. Das alles wird plausibel vorgeführt, ebenso wie die Abneigung gegen fette Menschen, die jener gegen Fremde gleicht und auf einen natürlichen Instinkt zurückzuführen sein soll, das Fette, Fremde als Bedrohung.
Man möchte so gern tolerant sein, aber man ist neidisch auf den Zusammenhalt der Kanaker. Weil man nicht so sein kann, sollen die auch nicht so sein. „Kapitalismus“ als Wort ist verpönt, erinnert zu sehr an schuldbewusste Fürsorgehumanisten (ich persönlich würde eher Peace-Brezeln sagen). Aber immerhin ist man sich bewusst, dass man statt Mensch nur ein Konsumentenprofil ist, was zwischen Shops pendelt.
Im Heimischen ist es nicht besser. Erziehungsmodelle prallen aufeinander, und wenn es dann mal drauf ankommt, muss Mutti arbeiten. Genialer Satz: „Natürlich sollst du am Wochenende nicht arbeiten, du sollst mit deinen Kindern zusammen sein, es sei denn, du bist im Rückstand.“ Im Rückstand ist man schnell. Erster Zusammenbruch.
In ihrer Vorstellung fliehen sie auf eine einsame Insel, aber in der Realität der anderen werden sie gefunden, GPS machts möglich. Man kann jetzt TV-schön werden, aber irgendeiner hat meine Identität gestohlen und läuft jetzt damit rum und spielt mich. Echt blöd.
Man ist die wandelnde Leere, ein Loch, zu nichts nutze, ohne Orientierung. Und man ist doch schon 39 … Da werden einige im Saal genickt haben. Und in anderen Sälen sicher auch.
Dann das schöne Bild, dass man dem Zug hinterher rennt, der aber viel zu schnell fährt, als das man ihn erreichen könnte. Abends ist einem klar, dass das Schwachsinn ist, aber da ist man betrunken, und morgen geht das Rattenrennen weiter. Wer still steht ist raus.
Wir haben Google Maps, doch wir wissen nicht wonach wir suchen sollen. Aber dank der neuen Bekenntniskultur können wir das immerhin allen mitteilen. Früher behielt man so einen Scheiß für sich bis man platzte.
Das private Leben geht natürlich auch in die Brüche, überreizt wie man ist, ist man auf dem Kampfplatz Familie verloren. „Willst du mich verlassen? – Du hast mich doch schon lange verlassen.“ Eine Light-Zigarette in der Penthouse-Küche als Rebellion, dann sogar noch eine. That’s Rock’n’Roll.
Die einzige Fluchtmöglichkeit scheint, mit dem Existieren aufzuhören. Wenn selbst der Partner ein IM der inneren Stasi ist … Du hast die Möglichkeit, auf normale Weise individuell zu sein, aber bitte nicht umgekehrt. Man kann jetzt seinen Partner lokalisieren, das ist das Ende vom Ende. Zweiter Zusammenbruch.
Sie ist für niemanden mehr genug da. Das Hamsterrad dreht immer schneller. Wahnvorstellungen. Klinik. Mann weg. Kinder weg. Draußen.
Der Kreis schließt sich am Ende. A begegnet sich selbst, die eine joggt gegen die (Lebens-) Uhr, die andere sitzt verfettet auf der Parkbank und frisst den bösen Kuchen. Die eine verachtet die andere, die eine ist der anderen egal. Wer ist wohl glücklicher?
Ende.
Soweit die Nacherzählung. Ein berührendes Thema, in meist plausible Bilder gesetzt, sowohl sprachlich als auch seitens der Bühne. Ein Verwandtschaft zu Hübners „Die Firma dankt“ ist unverkennbar, ebenso zu Heckmanns „Vater Mutter Geisterbahn“. Letzteres beschaut das private, ersteres das berufliche Leben, Lollike bringt beides übereinander. Fast könnte man die Stücke als Trilogie begreifen.
Ob die abgeleiteten Thesen alle so zutreffen oder hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird, mag jeder für sich entscheiden. Ich frag mich schon manchmal, was denn das Besondere an der „heutigen“ Arbeitswelt ist, die diese so böse und verschleißend macht. Ich denke, der Hauer im Schacht „Gute Hoffnung“ um die vorletzte Jahrhundertwende oder noch früher die Fabrikarbeiterin in Manchester hätten gerne unsere Probleme gehabt. Und auch heute braucht man nur mal den Erdteil wechseln, um wirkliche Probleme vor sich zu haben.
Ok, das ist ein Totschlagargument, ich will psychischen Druck nicht verharmlosen und von Karoshi hab ich auch schon gehört. Diese Themen sollen nicht relativiert werden, manchmal ist mir aber sehr viel Nabelschau und Befindlichkeitskult dabei.
Ein – natürlich völlig unpassendes – Argument habe ich neulich im Netz gelesen: Ein renommierter Psychologe antwortete auf die Frage, ob die mit den modernen Kommunikationsmitteln gegebene ständige Erreichbarkeit die Menschen nicht in fürchterlichen Stress versetzen würde, sinngemäß so, dass die (deutschen) Menschen im Dreißigjährigen Krieg für die Schweden physisch ständig erreichbar gewesen seien, das sei viel größerer Stress gewesen.
Deutlicher kann man das kaum ausdrücken.
Also, bei aller Empathie: Ja, auch die Entfremdung und Vereinzelung der Menschen im heutigen Leben ist ein Problem in der Welt, nicht das einzige oder das größte, aber immerhin eines, das eine Menge von Menschen in der „Ersten Welt“ betrifft und worüber nachzudenken lohnt, gerne auch in der Form eines Theaterstücks. Und wenn das Thema so angepackt wird wie von Lollike, kann das eine Bereicherung für alle sein, die damit zu tun haben. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.
Am Fluss entlang
Der Elb-Kilometer 54,5 auf der Neustädter Seite, Königsufer Dresden, ein schöner Sonntagnachmittag. Spazierengehen ist die höchste Form der Fortbewegung. Ich wende mich flussabwärts.
Für die barocke Silhouette habe ich heute kaum einen Blick, zuviel Schönheit ist auch langweilig auf Dauer. Ich schau lieber Menschen, da sind ja auch ein paar Schöne dabei.
Für die gehetzt wirkenden Jogger gilt das sicher nicht. Wovor laufen die nur alle weg?
Es gibt Momente voller Poesie zu bestaunen, zum Beispiel die Schlafende, die sich an ihre Satteltasche kuschelt. Ich unterdrücke den Impuls, ein Foto zu machen, das gehört sich nicht.
Wer einen Partner hat, der zeigt das, wer keinen, auch. Letztere haben sicher ihren Rilke gelesen und wissen, der Winter ist nicht mehr fern.
Es gibt etwa 50 Arten, auf der Wiese zu sitzen, hier kann man sie alle sehen.
Noch 23 km bis Meißen, das wird eng bis zum Sonnenuntergang. Ich sing mir selbst was vor im Kopf, was, das verrat ich nicht.
Wie immer ist ein hohes Verkehrsaufkommen zu verzeichnen, solange der Weg noch königlich breit ist, stellt das auch kein Problem dar.
Ein Ring liegt des Wegs, zum Schiffe-Festmachen, am Glockenspiel. Was der wohl alles schon gesehen hat. Ich halte ehrfurchtsvoll inne.
Am Park am Palais grüßt eine rätselhafte Plastik ein bisschen von oben herab. Ich glaube, einen Torso zu erkennen, aber bin mir nicht sicher. Es muss also Kunst sein.
Der Weg verschmälert sich baustellenbedingt. Nun sind Wille und Fähigkeit zur friedlichen Koexistenz gefragt. Mit beidem ist es nicht weit her, ich bin froh, als ich die Marienbrücken hinter mir habe.
„Ich bin das Licht der Welt – Jesus Christus“, so steht es an der Lagerhalle. Das wird schon seine Ordnung haben, aber ich frage mich, ob der Herr Jesus dann physikalischen Gesetzen gehorcht, wo der Strom dafür herkommt und ob er auch für Muselmanen leuchtet.
Ein freudiges Wiedersehen mit dem Lastenträger am Neustädter Hafen. Herr Meunier hat dem eine derartig unproletarische Eleganz verliehen, man mag glauben, er tanze heute abend an der Semperoper.
Den Hochgeschwindigkeitsradlern entziehe ich mich durch das Begehen der Hafenmauer. Aber lange kann ich meinen Sonderweg nicht gehen. Ich erreiche die Zone des hohen Bräunungsgrads, mit 100% Sonnenbrillenabdeckung.
Der Kalauer mit „City-Bitch“ ist natürlich viel zu billig, um hier verwendet zu werden.
Ein „Fun-Park“, soso. Leider hab ich keinen Spaß dran, Fun zu haben.
Die Zwischennutzungen müssen irgendwann der „Hafen-City“ weichen, wenn es denn jemand wagt, in großen Stil zu investieren. Ich find das nicht schlimm, „denn alles was entsteht, ist wert das es zugrunde geht“, und es gibt noch genug Brachflächen in Dresden.
Das Leben ist dann doch manchmal ein Ponyhof, ein kaum fassbares Idyll tut sich auf. Dann erblicke ich einen herrenlosen Einkaufswagen, ich habe aber keinen Möllemann-Chip dabei und lass ihn stehen.
Von vorn nähert sich ein bedrohliches Surren. Ein Herrenmensch auf teurem Gerät erwartet, dass ich mich in Luft auflöse oder zumindest zur Seite spritze.
Hah, aber heute hat er Pech. Er trifft auf El Pedestro, den Rächer aller Fußgänger. Henry Fonda vs. Charles Bronson, „Das Lied vom Tod“, Finale. Ich hab die besseren Nerven, fluchend geht der Billig-Armstrong in die Eisen.
Ich fürchte, seine Kanzlei wird morgen unter schlechter Laune leiden müssen.
Eine andere Sorte von Terroristen besitzt ein Motorboot. Und lässt das auch alle hören.
Der alte Kai hat schon lange keine Fracht mehr gesehen, auch wenn sich ein Gleis noch so elegant an ihn heranschwingt. Er dient heute anderen Freuden.
Immerhin fünf Flugzeuge werde ich im Laufe meiner Wanderung aufsteigen sehen. Na ja, wenn Börlin-Brrandenbörg-Internäschenel irgendwann mal fertig ist, kann der City-Beach dort oben in Klotzsche sicher die Hallen günstig nutzen.
Dem Diensthafen des Schifffahrtsamtes (dolle Technik) folgt jener des Sportvereins. Ein Kleinboot (sagt man so?) heißt „Freedom“, Kleine Freiheit Nr. 7 vielleicht. Ich würde mich auf der Nussschale eher eingeschränkt fühlen, aber das ist ja Ansichtssache.
Die Brücke über die Hafenzufahrt beweist, dass man in Dresden auch heute noch schöne Brücken bauen kann, wenn man will. Sie hat nur einen Fehler: Sie liegt im falschen Stadtteil. (Mein sehr eindeutiges Verhältnis zu diesem Drecksviertel setze ich als bekannt voraus, und wenn nicht, wurde das hiermit nachgeholt.)
Beim Watzke hat es einen vollen Garten. Nein, liebe Leute, nicht Bier-Garten. Ein solcher definiert sich erstens durch konsequente Selbstbedienung und zweitens durch die uneingeschränkte Möglichkeit, sich selbst sein Essen mitbringen zu können. Letzteres haben die Münchner Bürger in einer Art Revolution erkämpft und damit einen klaren Blick für das Wesentliche bewiesen. In Dresden steht diese Befreiung noch aus.
Wieder viele Brachflächen, zum Teil mit verwunschenen Ruinen bedeckt, zum Teil völlig leer (vgl. auch www.Cynal.de).
Die Hochwasserschutzmauer übt steinerne Gewalt aus, meine Güte, muss die wirklich so dick sein?
Aha, hier kommt das Fladenbrot her, von dem sich die Neustadt praktisch ernährt.
Eine Horde rüstiger Rentnerinnen naht lautstark, ich wünsche mich ans andere Ufer, rein physisch gesehen.
Oh, schon in Meißen? Nee, Mickten.
Frische Fische gibt es zahlreich, es ist die reine Freude, ihnen zuzusehen. Ich tu das ohne böse Absicht, im Gegensatz zu den Fischfängern, die ihre Beschäftigung als Entspannung ansehen. Über der Wasseroberfläche mag das auch so sein.
Trockenen Fußes durchquere ich den Flutkanal Zwo. Welch weise Entscheidung, jenen angelegt und vor Bebauung geschützt zu haben.
Die Sonne sinkt, ich singe mit. Gundermann, „Brunhilde“, ja, genau das:
„Und was sollte besser sein als so ein Abend im Frieden …“
Ich begegne einem Drohnenbastler, der seine Kamera an das fernsteuerte Fluggerät hängt. Das erreicht jetzt also auch den Freizeitbereich.
Die „Lindenschänke“ erinnert mich an andere Zeiten und trübt mir kurzzeitig die Stimmung. Andere, nicht bessere.
Aber der folgende Weg hellt alles wieder auf. Auf dem schmalen Pfad ist man vor selbstverwirklichenden Radfahrern sicher, der Uferkran Übigau grüßt schon von weitem.
Der Aufgang zum Schloss wirkt wie Pillnitz in runtergekommen, da wird sich sicher auch nicht so bald was dran ändern. Übrigens letztlich ein Kollateralschaden der Weltkulturenterbung, danke nochmal, ihr tapferen Brückenbauer.
Fluss-km 60, hier trifft Flutgraben Eins von links wieder auf die Elbe. Bei dem hat man schon gesündigt, das Kongresszentrum dürfte gar nicht da stehen, wo es steht. Bleibt zu hoffen, dass wir fortan von ähnlichen Dummheiten verschont bleiben.
Eigentlich müsste man aus künstlerischen Gründen zumindest einmal im Jahr beide Flutgräben mal fluten … und dann Inselfeste feiern. Welch schöne Luftbilder … Na gut, ich zieh die Idee zurück.
Auf der anderen Seite findet ein Wettrülpsen statt, auf der hiesigen kommen mir zwei Jogger mit Schnappatmung entgegen. Dass die sich beim Rennen auch noch unterhalten, bessert ihren Zustand sicher nicht. Die Gegend ist Landschaftsschutzgebiet, es sind ja auch alle Brücken schon gebaut hier.
Noch eine Hafenbrücke, diesmal zum Albert. Auch diese sehenswert, Fachwerk. Elbabwärts scheint ein besseres Pflaster zu sein dafür, die in Cossebaude ist ja auch gelungen.
Die Flügelwegbrücke besticht immerhin durch ihre Dimension, der man sich aber erst beim Nähertreten ganz bewusst wird. Zeit, den Spaziergang zu beenden, es dunkelt schon.
Warum heißen die fettesten Straßen in Dresden eigentlich immer „Weg“? Als Fußgänger kommt man sich hier asozial vor. Das denkt sicher auch der Busfahrer und ignoriert meinen wackligen Sprint.
OK, dann eben warten, [mod 15], wie wir vom Fach sagen.
Ich nutze die Zeit und entdecke prompt ein weiteres Kleinod, direkt hinterm DRK. Was mag das wohl gewesen sein? Alles verrammelt und blickdicht umzäunt.
Einer vom Wachschutz äugt misstrauisch, wenn er mich fragt, sag ich, ich sei bei der Egon Olsen Ltd. als Ober-Ausbaldower angestellt. (Ja, ich weiß, das heißt „Ausbaldowerer“, aber sprachlicher Feinklang geht vor Orthographie und Grammatik.)
Dann kommt der Bus und lässt mich am Elbepark umsteigen. Ich habe Zeit, mich weiterer Gundermann-Zeilen zu erinnern: „Das sieht aus, als ob ein Ufo dort gelandet wär, es glänzt wie gelogen und passt hier nicht richtig her.“
Die Antwort heißt auch heute Dreizehn. Sie bringt mich zurück ins Zähneviertel.
Und am Himmel hängt ein gelber Mond.
