Der heilige Grieß oder Mit Anand fing Bayern an


Rätselhafte Rituale verständlich erklärt

Obgleich das eher unbekannt sein dürfte, ist Teichelmauke nicht nur ein Freund der selbigen sowie der Oberlausitzer Küche allgemein, sondern auch aller anderen Küchen dieser Welt, was mit seinem Wahlspruch „Egal, Hauptsache viel!“ schön untermalt wird.

In diesem Sommer begab es sich aber, dass er zu mehrwöchigen Feldstudien in ein Gelände im Schatten der Alpen (wenn die Sonne im Süden steht) mit seltsamen Gebräuchen und einer nur schwer verständlichen Landessprache destinierte. Der Ausflug war weder kostenlos noch umsonst, weil es ihm gelang, durch natürliche Begabung und durch Verstärkung seines schafköpfischen Wesens sich in das Vertrauen der Einheimischen zu schleimen. Unter Missbrauch der erlangten Vertrauensstellung wird nun eines der bestgehütetettetsten Geheimnisse dieses Volkes gelüftet.
Gleich – nach der Werbung.

Wohl jede unter uns Völkerkundlerinnen und Brauchtumsforschern hat sich schon einmal gefragt, was der seltsame Begrüßungsruf im Lande der Bayern wohl bedeuten möge. Dagegen ist das Nasen-Petting im hintersten Pazifik vergleichsweise einfach einzuordnen: Man beschnuppert sich halt.
Aber diese bescheidene und gewöhnlich extrem scheue Population, die vor allem südlich der Siemens-Zentrale siedelt (und zu dieser originellerweise „Minga“ sagt, worauf noch zu kommen sein wird) machte seit ihrer Entdeckung und Kartierung durch Alexander v. Humboldt dem Verschiedenen keine Anstalten, ihr süßes Geheimnis gegen ein Fass Glasperlen einzutauschen.
Bis sich Teichelmauke in deren Küche schlich …

Denn das Geheimnis liegt – wie so oft – in der Küche. Wie ein Mops kam T. in selbige, stahl jedoch kein Ei und wurde folglich nicht erschlagen, sondern entdeckte das bayerische Noadzionoalhailigduum: Den Grieß.
Der Grieß – und nicht, wie oft fälschlich vermutet, ein blassgelbliches Erfrischungsgetränk mit seltsamen Schäumen obenauf, die verharmlosend als „Krone“ bezeichnet werden – bestimmt die bairische Untergrundkultur. Der Verzehr von Letzterem wird zwar oftmals zur Ablenkung mediengerecht inszeniert, ganze Potemkinsche Festspiele werden inzwischen zu dessen Huldigung auf die Beine gestellt, doch der echte Bayer schätzt nur eines: Den Grieß.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass man sich mit der Lobpreisung dieser Nationalspeise begrüßt, wenn man sich unter seinesgleichen wähnt. Und da der Bayer im Allgemeinen und die Bayerin im Besonderen von ausnehmend höflichem Wesen sind, was sich zugegebenermaßen nicht sofort, auf jeden Fall aber nach dem Konsum einiger der erwähnten Tarn-Getränke erschließt, tituliert er seinen Gegenüber mit dem edelsten Namen, den er zu vergeben hat: Grieß-Gott.
(Vergleichbar ist diese Lobpreisung vielleicht mit „Magnifizenz“ in Volkshochschulkreisen, „Effizienz“ unter Topf-Managern und „Debilenz“ bei Insassen einschlägiger Sanatorien.)

Natürlich lässt sich dieses Gegenüber, wenn er höflich ist, nicht lumpen und bezeichnet seinerseits den Ansprecher ebenfalls als Grieß-Gott. Hat er es mit mehreren zu tun, fügt er gern ein „mit Anand“ hinzu.

Dazu muss man wissen, dass Anand, ein persisch-hinduistischer Königssohn, im dritten Jahrhundert seiner Zeitrechnung mit viel Tagesfreizeit ausgestattet war und deshalb durch Orient und Okzident streifte. Auf einer dieser Reisen verschlug es ihn in das damals Süd-Franken geheißene Land zwischen Staffel- und Starnberger See sowie der Abhörstation Weilheim. Da es an diesem Tage ausnahmsweise nicht regnete, eröffnete er das erste indisch-pakistanische Schnellrestaurant und bot seinen heimischen Grieß an.
In Folge kam es zu herzlichen Begegnungen mit der einheimischen Bevölkerung, die sich am lila Fleisch der hiesigen Vierbeiner längst überfressen hatte und über die kulinarische Abwechslung äußerst erfreut war.
In weiterer Folge wurde Anand zum ersten bairischen König ernannt und mit der bereits erwähnten Dorftrottelwitwe Minga zwangsverheiratet, was bei den mitreisenden 13 Frauen des Prinzen für helle Freude sorgte, da damit die Unglückszahl endlich beseitigt war und man zudem künftig Feldhockey mit zwei kompletten Mannschaften spielen konnte.
(Dass jene Minga nach der Rückkehr Anands von Baiern nach Mumbai auf dem Basar gegen einen weißen Elefanten – mit geringfügigem Massenausgleich – eingetauscht wurde, führte letztlich durch einen Programmierfehler der Raum- Zeit-Maschine „Beta-V 0.1“ zur Erfindung des Amazonas und der gleichnamigen Bewohnerinnen, ist aber eine gänzlich andere Geschichte.)

Anand jedoch blieb ewiglich in den Herzen der Bayern, die seinen Grieß noch heute verehren und „mit Anand“ am glücklichsten sind, weswegen auch der Ratzinger zurücktreten musste.

Also, Wanderer, wenn Dir ein Bayer ein „Grieß-Gott!“ zuwirft, sei dankbar und erwidere also. Und vergiss nicht das „mit Anand!“, wenn der Bayer in der Überzahl ist. Du würdest es sonst bereuen.
Auch suche zu vermeiden, den Grieß betont hochdeutsch auszusprechen (etwa „Grü-hüß“), wie es Zugroaaste (vulgo Bahnreisende) gerne tun. Dies wird gewöhnlich als Gotteslästerung verstanden und mit Volksmusik nicht unter drei Moik bestraft.

PS: Da Teichelmauke noch einige Tage mehr Zeit hat, sich der Völkerkunde zu widmen, wird er sich als nächstes dem hier gebräuchlichen symbolischen Niesen zur Verabschiedung annehmen, das Unkundige gerne als „Pfia’di“ missverstehen.

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