Mit der MoPo zu den Frauen


Dass Dresden immer weltläufiger, offener und moderner wird (die Stadt Leipzig z. B. soll gerade das Beitrittsgesuch formulieren, hört man), erkennt man auch daran, dass die vielfältige Presselandschaft unserer in Sachsen weltgrößten Landeshauptstadt immer mehr an Qualität und Esprit gewinnt. Die fast über vier Lokalzeitungen (allesamt europaweit beachtelt) und die ungezählten Anzeigenwochenblätter liefern sich einen erbitterten Qualitätskampf, der zu einem Feuerwerk von Ideen führt, jeden Tag. Dass man dabei auch zu Mitteln der Satire greift, ist im Zeitungswesen jenseits das 1. April zwar ungewöhnlich, in Dresden allerdings schon sehr lange Brauch, man hat eigens ein Wort dafür eingeführt: „heemdiggsch“.

 Eine weitere Eskalationsstufe der erbarmungslosen Ausleseschlacht wurde jetzt von der „Dresdner Morgenpost“ erklommen, jener auch (mehr oder weniger) liebevoll „MoPo“ genannten Boulevardtochter des hiesigen sozialdemokratischen Verlagshauses, eine Stufe, die nur noch zu steigern wäre, wenn die BILD (die es in redaktionellen Resten auch noch in Dresden geben soll) mit der Titelseite des „Stürmers“ vom Tage nach der Bücherverbrennung aufmacht, in Fraktur und Originalgröße. Alles andere wäre nur Nachahmung und müsste verblassen.

 Womit hat sich die MoPo nun einen derartigen Vorsprung verschafft? Eigentlich ist es ganz simpel, wie jede große Idee: Man berichtet über eine Veranstaltung des Wochenendes einfach mal im Stil des „Rodgauer Landboten“ vom Ende der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

 Natürlich soll man Kunstwerke im Ganzen wirken lassen und möglichst von Interpretationen absehen. Naheliegend wäre also es gewesen, hier einfach eine Kopie des Artikels einzufügen und dann mit einigen bewundernden Worten diesen Blogbeitrag zu schließen.

Doch ich fürchte das Urheberrecht, die Kollegen der MoPo werden ihre Kunst schon selbst vermarkten wollen, deshalb soll in der Folge das beschrieben werden, was an sich nicht adäquat zu beschreiben ist.

 Während sich die Überschrift „Mit der Mopo zur Frauenmesse“ noch relativ modern gibt, lässt die Übertitelung „Heiße Töpfe, scharfe Wäsche“ den folgenden beißenden Spott schon ahnen. „Frauen aufgepasst“ als Textbeginn ist dann so was von retro, dass auch dem letzten Heimchen am Herd klar wird, wo der Wind her weht. Doch der Autor lässt sich bis zum Ende nichts anmerken, vermutlich musste er beim Schreiben genauso oft prusten wie die Frau von heute beim Lesen. Und in der Kantine der MoPo gab es heute sicher Eierlikör für alle, spendiert von der Frauenbeauftragten ob dieser grandiosen Persiflage.

 Es kommt mir kleinem Blogger nicht zu, einen solchen Meister durchgängig zu zitieren, aber ich will dicht an dem bleiben, was in der Zukunft sicher „Schrift“ genannt wird, um das Werk nicht zu beschädigen.

Nein, es geht auf der Frauenmesse diesmal nicht nur ums Kochen, Shoppen und die passenden Dessous, auch das Thema Schuhe ist nun neu dabei. Damit hat man nun wirklich „alles, was Frauen interessiert“ (O-Ton) abgedeckt. [Einziger Vorwurf, der dem bescheiden mit „tyx“ unterzeichnenden Autor zu machen wäre, ist die aus diversen Unterschichtenmedien bekannte gnadenlose Vorführung der Protagonisten, hier der armen Veranstalterin D. K. (37), die mit der zitierten Äußerung „Den Herren würde in der Frauenwelt wohl schnell langweilig“ der Lächerlichkeit preisgegeben wird und sich nun hoffentlich nicht in die Nagelfeile stürzen wird. Doch Satire darf alles, und ein bisschen Schwund ist überall.]

 Perfide ergießen sich weiter die Kübel voll Hohn über die arme Frauenmesse (deren Verkaufsgut im Titel ja eindeutig genug beschrieben ist), als aufgezählt wird, was man bzw. besser frau dort alles Schönes erleben kann: Beauty-Workshops, Show-Kochen, Miederwaren, Fitnesstipps und …. Stepptanzen.

Tatsächlich, da steht Stepptanzen. Das ist der dreifache Rittberger der Ironie, der Null-Fehler-Lauf der Satire, der Putin unter den Despoten: Die MoPo ist Olympiasieger!

 Dass man mit einen einzigen „p“ so wunderbare Assoziationen erzeugen kann, wie z.B. dass Muddi hinter der Nähmaschine hochtänzelt und nackig steptanzt, wenn Vaddi das will, vom Steppen zum Step … da kann man die Titanic untergehen lassen, den Eulenspiegel dem Spiegel angliedern, die letzten Kabarettisten ausweisen … hier kann nichts mehr kommen. Jedenfalls nichts Besseres.

 Die MoPo hat heut 3×2 Freikarten verlost. Ich hab mich nicht getraut anzurufen, hätte kein Wort rausgebracht vor Ehrfurcht.

Deshalb hier schriftlich: MoPo, ich will ein Kind von Dir.

 

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