Rundum Wohlfühlen bei facebook: Bloß nichts Negatives! Bloß keinen verärgern!


I like it, ein Dutzend Male am Tag …

Jedes “Like” ein neues Zeichen an die Welt: Ja, ich bin noch da, spiel noch mit, habe eine (positive) Meinung. Ich „leike“ (im Folgenden bleibe ich bei dieser Variante), also bin ich, bin existent und wahrnehmbar.

Außerdem gibt es eine Erwartungshaltung. Bei manchen meiner facebook-Kumpel (über das Wort „Freund“ ist schon genug gelästert worden) habe ich den Eindruck, sie sind beleidigt, wenn ich auf einen ihrer Beiträge mal nicht systemkonform reagiere. Führen die Abhak-Listen? Oder gibt es inzwischen ein Tool bei facebook (gegen Zuzahlung natürlich), das das Abhaken übernimmt und Statusberichte sendet? „Teichelmauke hat drei deiner Posts gelesen, aber noch nicht geleikt“? Da hab ich wohl was verpasst.

 

Ich gebe zu, dass mir manchmal auch Sachen gefielen, die ich dann nicht geleikt habe. Vielleicht, weil ich den Autor generell nicht so leiken kann, vielleicht auch aus Neid, dass das nicht mir eingefallen war. Manchmal hab ich es auch schlicht vergessen.

Ja, auch den umgekehrten Fall hat es gegeben, meist weil ich der Autorin eine gewisse Leikheit entgegenbrachte, die sich eher weniger auf ihre belletristische Originalität bezog. So ein Leikchen in Ehren kann niemand verwehren …

Ob es je etwas nutzte, vermag ich nicht zu beurteilen. Auch hier gibt es kein ceteris paribus.

 

Lustig find ich jene Seiten, die mit dem Erreichen einer bestimmten Anzahl von Leiks eine Aussage verbinden, die dann zur Botschaft wird. Tausend Leiker können nicht irren? Oh doch.

Aber zumindest schaden solche Aktionen nicht und tragen auch nur ganz geringfügig zur Klimaerwärmung bei.

 

Leik und Leid liegen manchmal dicht beieinander. Was uns nachts noch leiklich schien, verursacht am Morgen danach dann doch Schmerzen. Da hilft nur, rückgängig machen und hoffen, dass es noch keiner gesehen hat.

 

Das Leik als Waffe des kleinen Users? Neinnein, dafür sein ist eher langweilig, das hatten wir früher in der Dadaer zur Genüge. Und der Umweg über das Leiken eines kritisches Postings auf der Seite der, sagen wir mal Kreissparkasse Pirna-Sebnitz scheitert meist an den Administratorrechten selbiger.

Wenn doch mal einer „Hau den Lukas“ schreibt und tausend Tapfere mitleiken, wird vielleicht der BND aktiv (falls es da Internet gibt), aber Minister Lukas hat das nicht mal in der Presseschau. Ein lauer Furz in einer Sommernacht …

 

Dies führt aber zur entscheidenden Frage: Warum gibt es eigentlich kein „Dislike“?

Weil das nicht dem Geschäftsmodell von facebook entspricht. Konfrontation ist zwar kurzzeitig unterhaltsam, vor allem für die Mitlesenden, führt dann aber doch zu negativen Gefühlen, kein gutes Umfeld für eine Werbebotschaft. Das muss man mit einem Button nicht noch erleichtern, die kritischen Texte werden ja zum Glück meist nur überflogen und schnell erlahmt auch die Aufmerksamkeit. Katzenbilder und Allerwelts-Sinnsprüche sind da gefälliger, irgendeiner leikt immer und schnell ist ein Dutzend beisammen fürs gute Gefühl.

 

Wat lernt uns dat? Nichts Wesentliches. Ich werde hier nicht zum Leikboykott aufrufen, ich kenne meine Grenzen. Es ist was es ist, sagt nicht nur die Liebe.

Und wir haben wahrlich andere Sorgen.

In diesem Sinne: Leik mei feier.

 

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