Thälmannstraße 89/2: Sie entwickelt sich, die Geschichte.


Mittwoch, 10.09., Ein Skelett für den Minister

Alles wirkt diesmal ein wenig konstruiert, klischeehaft und im (formatgerechten) Schnelldurchlauf. Das fängt mit den Trabi-Klängen an, geht weiter in der Szene im Kirchenkeller, die anfangs wie ein FDJ-Lehrjahr anmutet, dann aber plitzplatz in eine heftige Auseinandersetzung über die Formen des Protestes mündet und in einem klassischen Stellvertreter-Konflikt in der Redaktion zwischen westlicher Revolutionsromantik und nicht verarbeiteten Wende-Komplexen Ost gipfelt.
Bisschen viel auf einmal, wobei die beiden Handlungsebenen auf jeden Fall eine gute Idee sind.

Markus, der Rivale von Jens, wird ins Geschehen eingeführt, er nimmt Johanna mit zu besagtem Treffen der Umweltgruppe und schert dann aber mit seiner kühnen Idee für eine Aktion aus der Gruppe aus. Welches Mädchen sich ihm anschließt, lässt sich anhand der Stimmen nicht klären, es wird wohl plot-gerecht Johanna sein.

Dass die Geschichte schon nach dem ersten Teil umfänglich anmoderiert und erklärt werden muss, weist auf das Problem der übergroßen Stofffülle für das verwendete Format hin. Aber vielleicht sind das nur die Anfangsschwierigkeiten.
Immerhin wird das Projekt im Netz umfangreich und lesenswert begleitet, da kann man einiges nachlesen.

Freitag, 12.09., Bei Stasis zu Hause

Diesmal ein Familienidyll made in GDR, die Familie Bentwisch versammelt sich vor dem Fernseher und lauscht dem montäglichen Karl-Eduard. Der Genosse Oberstleutnant des MfS hat auch am heimischen Herd die Hosen an, seine Gattin ist allenfalls als Echo zu hören. Aber als der Vater den Junior als Spitzel gegen die frisch bestallte neue Klassenlehrerin Frau Wagner gewinnen will, deren Offenheit im Unterricht ihm so gar nicht behagt, täuscht jener Mathe-Hausaufgaben vor und zieht sich zurück.
Dass Autor Bentwisch danach in der Rahmenhandlung einen Flashback erleidet und das Lied der Tschekisten anstimmt, erschließt sich nicht so ganz. Immerhin bietet Redakteur Dr. Helmstedt mitfühlend Wasser an und beweist damit soziale Kompetenz.

Erste Zwischenbilanz:

Im Schach würde man sagen, die Eröffnung ist vollzogen, nun geht es ins Mittelspiel. Die Figuren sind nun alle auf dem Feld, die Züge waren nicht sehr überraschend, aber immerhin hat man eine interessante Konstellation auf dem Brett.
Oder mal Klartext: Am besten gefällt mir immer noch die Idee der zwei Ebenen, Redaktion heute, reales Leben damals. Das bietet noch sehr viele Möglichkeiten (bis hin zur dramaturgischen Korrektur des Geschehens).
Die handelnden Personen entstammen klaren Typisierungen, angesichts der Kürze des Formats ist die Handlung zum Galopp gezwungen und wird damit oft arg schematisch. Mal sehen, ob es in der nächsten Woche mehr in die Tiefe geht. Aber hörenswert ist es bislang allemal.

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